Umbau im VW-Konzern: Ducati-Verkauf wird überlegt

Der Volkswagen-Konzern plant Berichten zufolge, die erst vor fünf Jahren übernommene Motorradmarke Ducati wieder zu verkaufen. In der Konzernstruktur ist Ducati bei der Marke Audi angesiedelt. Die Suche nach Käufern läuft demnach bereits, ein erster Interessen kommt aus Fernost.

Umbau im VW-Konzern: Ducati-Verkauf wird überlegt

Berichten der Nachrichtenagentur Reuters und des deutschen Manager Magazins zufolge will sich der Volkswagen-Konzern wieder von der erst im April 2012 übernommenen Motorradmarke trennen. Reuters beruft sich auf Insider-Informationen, nach denen sich der Volkswagen-Konzern künftig auf das Automobil-Geschäft konzentrieren will. Volkswagen habe bereits die Investmentbank Evercore mit Sitz in New York mit der Suche nach potenziellen Käufern beauftragt, es gäbe demnach bereits einen Interessenten aus Fernost.

Eine offizielle Stellungnahme des Volkswagen-Konzerns steht noch aus. Auf Anfrage des trend erklärte der zuständige Unternehmenssprecher Jürgen De Graeve lediglich, dass diese Marktgerüchte nicht kommentiert werden.

Ducati war die letzte große Übernahme des Volkswagen-Konzerns. Über den Kaufpreis wurde seinerzeit der Mantel des Schweigens gehüllt, kolportiert wurden jedoch rund 860 Millionen Euro. Der Kauf des traditionsreichen italienischen Motorradherstellers, der im Konzern in der Folge bei Audi angesiedelt wurde, war ein Herzenswunsch des früheren Volkswagen-Konzernlenkers Ferdinand Piech und wurde als verspätetes Geburtstagsgeschenk an Piech einen Tag nach dessen 75. Geburtstag beschlossen.

Der Volkswagen-Konzern wurde damit endgültig zu einem Generalanbieter für motorisierte Fahrzeuge, wie es Piech vorschwebte. Zu der Gruppe gehören seither zwölf Marken aus sieben Ländern. In der PKW-Sparte sind das: Volkswagen, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini und Porsche. In der Nutzfahrzeuge-Gruppe Volkswagen, Scania und MAN und in der Motorradsparte schließlich Ducati.

Neuer Chef, neue Strategie

Der Verkauf von Ducati könnte nun ein erster Schritt sein, um den zuletzt von Abgsaskandalen erschütterten Konzern strukturell auf neue Beine zu stellen. Konzeptionell hat Konzernchef Matthias Müller ja bereits vor einem Jahr mit der neuen Konzernstrategie die Weichen in Richtung Umbau gestellt. Demnach soll die Produktion von E- und Hybridautos forciert werden. Im Jahr 2025 will der Konzern bereits eine Million E-Autos und Hybridfahrzeuge verkaufen. Müller hatte gleichzeitig auch angekündigt, das aktuelle Portfolio auf den Prüfstand zu stellen.

Der von Reuters befragte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach sieht einen Verkauf von Ducati als ein Zeichen der Konsolidierung des Konzerns. "Nun wird deutlich, dass das Sammeln von Marken bei Volkswagen ein Ende hat", sagt er.

Nicht zulässig wäre es aus Sicht des Volkswagen-Konzerns, einen Verkauf von Ducati mit den Kosten zur Bewältigung des Dieselskandals in Verbindung zu bringen. Müller hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass das Unternehmen liquide genug ist, um die Folgekosten zu tragen. Auch die Geschäfte laufen weiter gut, der Konzern sieht sich daher deswegen keinen finanziellen Druck ausgesetzt.

Dennoch wird nun bereits spekuliert, ob bald weitere Marken abgestoßen werden könnten. Als Kandidaten dafür gelten die in der LKW-Sparte zusammengefassten Marken MAN und Scania. Die Sparte könnte als eigene Gesellschaft aus dem Konzern herausgelöst werden. Auch über die Zukunft der MAN-Sparte Diesel & Turbo, einem Hersteller von Schiffsmotoren und Turbomaschinen wird spekuliert. Berichte über einen Verkauf der Komponentensparte wurden hingegen von Volkswagen dementiert.

Unternehmer René Benko und sen Partner Tos Chirathivath, der in dritter Generation die Geschäfte der thailändischen Central Group leitet.

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