Überraschende Skepsis über deutschen Aufschwung

Überraschende Skepsis über deutschen Aufschwung

Bleibt die deutsche Wirtschaft weiter unter Dampf? Experten kommen leise Zweifel.

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist stark wie lange nicht. Doch nun rücken Experten plötzlich etwas von diesem Bild ab. Ein wichtiges Barometer für die Konjunkturerwartung fällt stark.

Nach den vielen positiven Meldungen über den starken Aufschwung in Europa machen sich nun in Deutschland unter Experten Sorgen um die weitere Entwicklung breit.

Das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) teilte am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 213 Analysten und Anlegern mit, dass das Barometer für ihre Konjunkturerwartungen im August unerwartet deutlich um 7,5 auf 10,0 Punkte gefallen ist. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 15,0 Punkte gerechnet, obendrein ist es bereits der dritte Rückgang in Folge.

"Der sehr deutliche Rückgang der Konjunkturerwartungen spiegelt die Nervosität über den weiteren Verlauf des Wachstums in Deutschland wider", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Vor allem das schwächer als erwartete Exportwachstum sowie die sich ausweitende Affäre in der Automobilbranche tragen dazu bei."

Prognosen europäischer Unternehmen wurden nach unten korrigiert

Insgesamt hätte auch die Berichtssaison europäischer Konzernen besser ausfallen können. Die Wachstumszahlen waren zwar durchaus solide, warteten aber nicht mit größeren Überraschungen auf, und ein festerer Euro und die Spitze im Zyklus sorgten für Prognosekorrekturen.

"Die Renditen entsprachen allerdings schon eher den angekündigten Gewinnen je Aktie, wobei beträchtliche Unterschiede zwischen einzelnen Titeln bestanden", so Lyxor Asset Management in einer Analyse. Zum Vergleich: Die USA wartete mit einer starken Berichtssaison auf. Lyxor: "Wenn das robuste Umsatzwachstum und der hohe Anteil von Überraschungen an den Börsen auch nicht belohnt wurde. In Europa sicherten sich Fondsmanager deshalb tendenziell ihr Engagement und sichern sich Gewinne."

Reaktionen von Ökonomen:

Stefan Kipar, BayernLB: "Rückgang nicht überbewerten"

"Der Rückgang der Erwartungen kommt nicht überraschend. Dass er etwas deutlicher ausgefallen ist als erwartet sollte nicht überbewertet werden, immerhin erwarten immer noch mehr als 90 Prozent aller Analysten eine gleichbleibende oder bessere Konjunktur. Zudem hat die Verunsicherung über die Zukunft der Automobilbranche eine Sonderrolle gespielt und die Stimmung belastet. Wir erwarten weiterhin solide BIP-Wachstumsraten für Deutschland im weiteren Jahresverlauf."

Uwe Dürkop, Berliner Sparkasse: "Einige Fragezeichen wie es mit der Konjunktur weitergeht, Trendwende wäre überfällig"

"Generell geht es beim ZEW von der Richtung her nach unten. Das ist aber nicht gleich ein Alarmsignal. Denn die Lage ist außerordentlich gut. Zudem spielen politische Risiken eher wieder eine größere Rolle. Es gibt einige Fragezeichen, wie es mit der Konjunktur weitergeht, da auch der Euro zuletzt stark zugelegt hat. Mit der deutschen Konjunktur kann es nicht unbegrenzt so weitergehen. Aber das ist noch kein Signal für eine Trendwende - obwohl diese eigentlich überfällig wäre."

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe: "Stimmungsindikatoren haben ihren Zenit jeweils überschritten. Es kann nur noch nach unten gehen"

"Die Stimmungsindikatoren haben ihren Zenit jeweils überschritten. Von da aus kann es eigentlich nur nach unten gehen. Die harten Daten hinken seit einiger Zeit ohnehin hinterher. Konjunktursorgen sind aber nicht angebracht, denn viele Stimmungsindikatoren übertreiben derzeit."

Die Bundesbank geht davon aus, dass die Wirtschaft auch im laufenden dritten Quartal schwungvoll zulegt. Der Konjunkturausblick für Deutschland "liege noch stabil auf vergleichsweise hohem Niveau", so die Wirtschaftsforscher. So wurde auch die Lage etwas besser bewertet als zuletzt. Im ersten Quartal war die Wirtschaft um 0,7 Prozent gewachsen und zwischen April und Juni dann um 0,6 Prozent.

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