Über Hürden zum Erfolg

Über Hürden zum Erfolg

Ulrike Rabmer-Koller, Vizepräsidentin der WKÖ, mit dem Team von Loving Lights.

Serie "Schule macht Wirtschaft". Ob ein Unternehmen in die Gänge kommt, hängt nicht nur von der Geschäftsidee ab. Mit Unternehmergeist zeigen die JUNIOR COMPANIES vor, wie man trotz Problemen durchstartet.

Obwohl die Idee der Unternehmensgründung im Trend liegt, heißt es nicht, dass damit automatisch der Erfolg kommt. Auch das kann eine Erfahrung sein, welche die Schüler beim Gründen einer Junior Company machen. Mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen hatten beispielsweise die Schülerinnen der Business Academy Donaustadt. Ihre Idee war gut: Die Junior Company Loving Lights würde erfolgreich sein, weil sie die erste Firma mit nachhaltigen und recycelten Duftkerzen ist, waren die Gründerinnen von Beginn an überzeugt. "Jeder hat Kerzenreste und alte Gläser zu Hause, daraus wollten wir etwas Neues schaffen", meint Geschäftsführerin Sofie Springinklee. Umweltbewusstsein verbunden mit Upcycling - zwei Trends, die den Erfolg des Produkts garantieren sollten.

Doch das Geschäftsleben hält immer wieder Überraschungen und Hürden bereit. Zu Beginn mussten die Schülerinnen Material zukaufen, da sie zu spät mit dem Sammeln von Kerzen und Gläsern begonnen hatten. Die Ausgaben stiegen, die Umsätze ließen auf sich warten. Denn auch der erste Verkaufstag musste ausfallen, da die Junior Company mit der Produktion ihrer Duftkerzen hinterherhinkte. "Damit ließen wir uns eine große Einnahmequelle entgehen", weiß auch die Geschäftsführerin. Doch der Unternehmergeist der Schülerinnen war geweckt.

Anstatt sich über die vergebenen Verkaufschancen zu beklagen, starteten sie Marktforschung unter ihren künftigen Kunden, um herauszufinden, welche Düfte am besten ankommen würden. "Wir merkten dabei, dass es viele Leute gab, die jetzt schon Kerzen kaufen wollten", so die Gründerinnen.

Der erste tatsächliche Verkaufstag brachte dann endlich auch Umsätze - das anfängliche Minus in der Kassa konnte damit aber noch nicht ausgeglichen werden. "Ab jetzt versuchten wir, so wenig Geld wie möglich auszugeben", so die Schülerinnen. Sie entwickelten Weihnachtsspecials mit speziellen Düften, kurbelten den Verkauf auch per Social Media an, verbesserten die Dekoration ihres Verkaufsstands und beschlossen, die Kunden offener anzusprechen. Mit Erfolg: "Finanziell war diese Company ein Auf und Ab, jedoch eine tolle Erfahrung, um das Wesen eines Unternehmens kennenzulernen", resümiert die Geschäftsführerin.

Ulrike Rabmer-Koller, Vizepräsidentin der WKÖ, ist von diesem unternehmerischen Engagement begeistert: "Es geht darum, als Team gut zusammenzuarbeiten und nicht aufzugeben. Mit Begeisterung kann man viel erreichen." Sie unterstützt auch die Idee, mit vorhandenen Materialien und regionalen Produkten zu arbeiten.

Das macht auch die Junior Company Watchup, die aus alten Schallplatten handgefertigte Uhren herstellt. Auch hier haben die Jungunternehmer auf Kundenwünsche reagiert und Zeiger in unterschiedlichen Farben und Formen angeboten - mit absolut geräuschlosen Uhrwerken. Dazu die WKÖ-Vizepräsidentin: "Wir brauchen viele junge Unternehmer mit innovativen Ideen wie diese. Nur so können wir auch künftig als Wirtschaftsstandort bestehen."


Josef Herk, Präsident der WK Steiermark, mit dem Team von GlassGlow.

Von Glasflaschen und Schultüten


Die Junior Company GlassGlow lässt Kunden die Designs ihrer Trinkflaschen selbst gestalten.

Produkte individuell designen liegt im Trend, ob bei Schuhen, Shirts oder Burgern. Auch die Junior Company "GlassGlow" des BORG der Grazer Schulschwestern mit Schwerpunkt Wirtschaft-Innovation- Nachhaltigkeit (WIN) setzt darauf: Die Kunden können die wiederverwendbaren und spülmaschinenfesten Glastrinkflaschen mit selbst gewählten Designs und Logos bedrucken lassen.

Geschäftsführer Philobatir Yanny und sein Stellvertreter David Weber haben damit ein Produkt gestaltet, das sich von der Masse abhebt, Mehrwert schafft und nachhaltig ist. Es gab auch Hürden: "Anfänglich hatten wir Probleme mit der Übertragung unserer Designs auf die Flaschen."

Die Lösung waren Transferfolien. Betreuungslehrerin Helga Schreiber zufolge wird das Junior-Programm dem Slogan "learning by doing" gerecht. Die Theorie der Fächer des WIN-Zweiges wird praktisch umgesetzt: "Der WIN-Zweig will kreative Köpfe für unternehmerisches Denken begeistern und den Blick für Nachhaltigkeit und Verantwortung in wirtschaftlichen Prozessen schärfen." Am BORG der Schulwestern gab es heuer auch die Junior Compact Company Schoodie, die selbstdesignte Hoodies, T-Shirts und Gym-Bags anbot.

Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, war angetan: "Projekte wie diese zeugen davon, dass wir am richtigen Weg sind. Die Geschäftsideen sind durch die Bank höchst innovativ." Aufgrund von Globalisierung und Digitalisierung brauche es Menschen, "die ihre Komfortzonen verlassen, die Risiken abschätzen, entscheiden und unternehmen statt unterlassen - kurz gesagt: Unternehmertum. Und dieses Unternehmertum beginnt nicht erst mit dem Gewerbeschein, sondern mit der Schultüte."


Doris Hummer, Präsidentin der WK Oberösterreich, mit den Schülern der HAK Linz.

Stolpern, aufstehen, weitermachen


Die Junior Company HAK-lan hat eine Schülerzeitung und einen Blog veröffentlicht.

In einer Junior Company lernt man, was fürs Unternehmertum wichtig ist. Elisabeth Hasiweder, Betreuungslehrerin der Junior Company Hak-lan an der BHAK Linz, fasst zusammen: "Selbst entscheiden können und müssen, was zu tun ist. Aktivitäten, für die man sich entscheidet, durchführen. Misserfolge meistern. Stolpern, aufstehen, weitermachen."

All das haben die Schüler bei der Produktion ihrer Schülerzeitung "HAK's Not So Secret Diary" getan. Immer wieder gab es Herausforderungen. Andreas Egger, stellvertretender Geschäftsführer, sagt: "Als junger Mensch ohne Arbeitserfahrung stellt man sich vieles leichter vor, als es in der Praxis ist. Jedoch merkten wir auch, dass man, sofern der Ehrgeiz vorhanden ist, einiges erreichen kann."

Besonders schwierig war die Entscheidung, wer worüber schreiben sollte, mit dem Schreiben anzufangen und Zeitmangel. Sogar das Aufgeben stand zur Debatte - doch das Team fasste neuen Mut und machte seine Zeitung. Leider waren dann manche Schüler zu schüchtern, um die Zeitung selbstbewusst zu verkaufen. Doch obwohl nicht viele Exemplare verkauft wurden, ist Lehrerin Hasiweder stolz auf ihre Klasse: "Sie haben ihre Schülerzeitung produziert - mit viel Arbeit und Engagement und dem Willen, zu Erfolg zu kommen."

Highlight war der Besuch von Doris Hummer, Präsidentin der WK OÖ, für die es eine Freude war, zu sehen, "mit welchem Engagement die jungen Mädchen und Burschen von der Ideenfindung und Planung über den Verkauf bis zum Controlling ihre betrieblichen Aufgaben wahrgenommen haben - unternehmerische Entscheidungen, die tagtäglich auch in Wirklichkeit getroffen werden müssen."

Das Junior-Programm ermögliche, "ein ganzes Schuljahr lang jede Menge Erfahrungen zu sammeln, Wirtschaftswissen und - können zu erweitern, bereits im jugendlichen Alter unternehmerisches Potenzial zu entdecken und - was für die Vorbereitung auf das Berufsleben sehr wichtig ist - im Team zu arbeiten."


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