Türkische Aras Kargo will Österreichische Post vor die Tür setzen

Georg Pölzl, CEO der Österreichischen Post AG
Georg Pölzl, CEO der Österreichischen Post AG

Post-CEO Georg Pölzl will weitere 50 Prozent an der türkischen Aras Kargo übernehmen, die Türken die Post als Partner abschütteln.

Die türkische Aras Kargo will die Österreichische Post, die 25 Prozent an dem Paketdienstleister hält, aus dem Unternehmen drängen. Post-Generaldirektor Georg Pölzl sieht dahinter Taktik, um den Kaufpreis für weitere Anteile in die Höhe zu treiben und will und die Beteiligung in der Türkei weiter aufstocken.

Der Streit zwischen der Österreichischen Post (AT0000APOST4) und dem türkischen Paketdienstleister Aras Kargo eskaliert. Die Türken, die sich gegen die vertraglich vereinbarte Übernahme von weiteren Teilen der Aras durch die Post wehren, sprechen bereits von einem endgültigen Bruch. "Für die Österreichische Post sind in der Türkei alle Türen verschlossen", titelt Aras eine Aussendung.

Die am 29. Juli in Istanbul abgehaltene Generalversammlung habe gezeigt, dass es keine Basis für eine weitergehende Partnerschaft mit der Österreichischen Post gäbe, erklärte Avras Kargo CEO Evrim Aras. Sie spricht von "kultureller Verständnislosigkeit" seitens der Post und legt nach: "Wir werden um jeden Preis verhindern, dass die Österreichische Post diese Marke in der Türkei zerstört."

Im Jahr 2013 hatte die Österreichische Post 25 Prozent der Anteile an dem türkischen Paketdienstleister Aras Kargo erworben und dafür rund 50 Millionen Euro gezahlt. Die restlichen 75 Prozent sind noch im Eigentum der Familie Aras. Zum Zeitpunkt der Beteiligung wurde eine Option vereinbart, die der Österreichischen Post den Erwerb von weiteren 50 Prozent des Unternehmens im Laufe des zweiten Quartals 2016 ermöglicht. Das Call Option Verfahren dafür wurde Mitte Juni eingeleitet. Seither ist Aras Kargo auf Konfliktkurs mit der Post.

Post-Generaldirektor Georg Pölzl kommentiert den Konflikt: "Teile der Familie glauben, sie könnten ihre Verhandlungsposition verbessern, wenn sie schlechte Stimmung verbreiten und die Österreichische Post innerhalb des Unternehmens sowie in der Öffentlichkeit in Diskredit bringen. Das ist in höchsten Maßen unprofessionell. Wir erwarten uns von CEO Evrim Aras, dass sie sich an die im Jahr 2013 vereinbarten Verträge hält." Für den Post-Chef ändert die als "unprofessionelles Vorgehen" bezeichnete Haltung von Teilen des Mehrheitseigentümers nichts an den Plänen, die Aras-Anteile weiter aufzustocken. Durch Gespräche mit türkischen Regierungsstellen, zu denen Pölzl guten Kontakt hält, wurde er in dieser Absicht auch bestärkt. „Die Türkei hat größtes Interesse daran, dass Unternehmen auf die Rechtsstaatlichkeit im Land vertrauen. Auslandsinvestitionen sind sehr willkommen.“

Zum Einstieg Rosen

Zu Beginn der Partnerschaft, im Juni 2013, haben sich die beiden Unternehmen noch gegenseitig Rosen gestreut. „Wir sind in den Zukunftsmarkt Türkei eingestiegen, dessen Paketmarkt enormes Wachstumspotential bietet. Aras Kargo verfügt als ein führender Logistikanbieter über einen ausgezeichneten track record am türkischen Paketmarkt, gepaart mit einem sehr hohen Servicelevel. Damit passt Aras Kargo optimal in das Beteiligungsportfolio des Österreichischen Post Konzerns“, erklärte Post-Chef Pölzl damals.

Pakt & Logistik Vorstand Peter Umundum attestierte Aras Kargo eine "hervorragende Reputation und Dienstleistungsqualität" und als ein Unternehmen, das als Vorreiter hochwertiger Logistikleistungen seinen Kunden best in class Lösungen anbieten kann.

Evrim Aras freute sich mit und darüber, mit der Österreichischen Post einen namhaften europäischen Paketdienstleister als Partner gewonnen zu haben, mit dem das klare Ziel - die Nummer eins Position am türkischen Paketmarkt - erreicht werden könne.

Während die Österreichische Post an das Entwicklungspotenzial der Firma glaubt und weiterhin in die Entwicklung von Aras Kargo investieren will - aktuell wird im türkischen Ikitelli ein Logistikzentrum gebaut, in dem ab Herbst 2016 täglich 90.000 Pakete abgewickelt werden können, spricht Aras nun von einer Trennung.

Politischer Konflikt

Für die Österreichische Post stehen hinter der ablehnenden Haltung der Familie Aras Auffassungsunterschiede hinsichtlich der Umsetzung des Optionsvertrages sowie der Bewertung der noch zu übernehmenden Anteile. Als Hintergrund für die neue Haltung der Aras Kargo kann jedoch auch der politische Konflikt zwischen der Türkei und Österreich gewertet werden. Bundeskanzler Christian Kern hatte sich vergangene Woche für ein Ende der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ausgesprochen, woraufhin der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu Österreich als das Zentrum des "radikalen Rassismus" bezeichnet hatte.

Evrim Aras hält auch gar nicht damit zurück, dass die politische Lage der Grund für die Aufforderung der Türken an die Österreichische Post ist, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen. "Die Probleme zwischen der Österreichischen Post und den türkischen Eigentümern von Aras Kargo haben sich nicht zuletzt deshalb verschärft, weil die aktuelle politische Situation ganz allgemein starke anti-österreichische Reaktionen in der Türkei ausgelöst hat. Die wachsende Antipathie gegen Österreich greift auch auf die Mitarbeiter von Aras Kargo über, die bereits vor der Generalversammlung gegen die Österreichische Post demonstriert haben", erklärt sie. Die Demonstrationen hätten sich mittlerweile über das ganze Land verbreitet. Auch an anderen Standorten von Aras Kargo habe es Proteste gegen die Österreicher gegeben.

Aus Sicht der Österreichischen Post handelt es sich dabei allerdings um inszenierte Proteste. "Während der letzten Aufsichtsratssitzung in Istanbul wurde versucht, Tumulte zu inszenieren oder Aras-Mitarbeiter mit Fehlinformationen über die Österreichische Post versorgt. Dies ausdrücklich gegen den Willen von Teilen der Familie", erklärt der 25-Prozent-Eigentümer.

Evrim Aras hat nun jedenfalls erklärt, den 25-Prozent-Anteil der Österreichischen Post zurückkaufen zu wollen. "Die Post würde mit einem solchen Schritt ihren eigenen Aktionären einen großen Gefallen tun", meinte sie. Für Post-Chef Pölzl ist das allerdings kein Thema. Die Post werde sich an bestehende Verträge halten.

Evrim Aras rasselt jedoch mit den Säbeln und schießt gegen die Post. "Die Leitung der Österreichischen Post verfügt nicht über die kulturelle Vielseitigkeit, technologische Innovationskraft, Vision und Leidenschaft, um ein großes Unternehmen wie Aras Kargo führen zu können". Ein sonderbares Argument, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Österreichische Post AG etwa zehnmal so viel Umsatz wie die Aras Kargo erwirtschaftet.

Aras hat im türkischen Paketgeschäft einen Marktanteil von 27 Prozent und konnte in den vergangenen Jahren überproportional vom Wachstum des türkischen Marktes profitieren. Das Unternehmen verfügt mit 820 Shops, 28 Verteilzentren und 3.500 Zustellfahrzeugen in der Türkei über ein flächendeckendes Netzwerk und beschäftigt rund 5.200 angestellte Mitarbeiter.

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