Türkei: Österreichs Außenhandel trotzt den Krisen

Türkei: Österreichs Außenhandel trotzt den Krisen

Menschen schlendern auf der Istiklal Straße, einer der Haupteinkaufsstraßen Istanbuls und Touristenmagnet.

Österreichs Außenhandel mit der Türkei läuft trotz zahlreicher Krisen in dem Land "phänomenal". "Trotz politischer Troubles könnte es nicht besser laufen", sagte der heimische Wirtschaftsdelegierte in der Türkei, Konstantin Bekos, am Freitag bei einem Pressegespräch in Wien.

Wohlgemerkt gilt das gute Ergebnis für österreichische Firmen in der Türkei. Das Land selbst steckt nach mehreren Anschlägen, einem enormen Flüchtlingszustrom sowie politischer Turbulenzen in der Krise.

Österreich exportierte im Vorjahr Waren im Wert von 1,4 Milliarden Euro in das Land, ein Zuwachs um 16 Prozent gegenüber 2014. Die Importe aus der Türkei stiegen ebenfalls kräftig um 12 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro. Das Handelsvolumen mit der Türkei könnte sich in den nächsten Jahren von derzeit rund 2,8 Milliarden Euro auf mehr als 5 Milliarden Euro verdoppeln, erwartet Bekos.

Wirtschaftlich eng verbunden

Österreich liefert vor allem Maschinen und Kesselanlagen in die Türkei, ist aber auch im Energiebereich stark vertreten. 80 Prozent der Wasserkraftwerke in der Türkei sind mit österreichischer Beteiligung entstanden. Zahlreiche heimischen Firmen, darunter Andritz, Do & Co, Dunapack, Mayr-Melnhof, OMV und RHI, sind stark in der Türkei investiert bzw. haben dort Produktionsstätten. Österreich ist nach den USA und den Niederlanden der drittgrößte ausländische Investor in der Türkei. Umgekehrt bezieht Österreich insbesondere Textilien, Nahrungsmittel, Maschinen sowie Autos aus dem Land.

Türkeis krisengebeutelte Wirtschaft

Doch während es für heimische Firmen in der Türkei gut läuft, wachsen der Türkei selbst die Probleme über den Kopf. Das Wirtschaftswachstum hat sich in den vergangenen Jahren praktisch halbiert. Für heuer wird ein BIP-Wachstum von 3,5 bis 4 Prozent erwartet - zwar mehr als 2015, aber deutlich unter den Raten früherer Jahre. Die Inflationsrate liegt mit rund 10 Prozent wesentlich über dem von der Notenbank festgelegten Ziel von 5 Prozent.

Ein wichtiger Eckpfeiler der türkischen Wirtschaft, der Tourismus, liegt brach. Er stellt rund 12 Prozent des türkischen Bruttoinlandsprodukts. Die Buchungen für das laufende Jahr sind um 40 Prozent rückläufig, vor allem Gäste aus den wichtigsten Herkunftsländern Deutschland und Russland lassen aus. Rund 1.000 türkische Tourismusbetriebe und -veranstalter seien bereits in die Pleite geschlittert, erzählte Bekos. "Die Angst geht um, dass der attraktive Süden das nächste Ziel (eines Anschlags, Anm.) sein könnte." Die Regierung unternimmt bereits Anstrengungen, der gebeutelten Branche mit Subventionen unter die Arme zu greifen.

In den Schlagzeilen ist die Türkei derzeit vor allem wegen des Flüchtlingsansturms. Laut offiziellen Zahlen sind 3,6 Millionen Flüchtlinge in dem Land, die Dunkelziffer sei "weitaus höher", meinte der Wirtschaftsdelegierte. "Die Türkei ist schlicht überfordert mit dem Ausmaß", räumte Bekos ein. Die Kosten für die Flüchtlinge werden auf umgerechnet 10 Millirden Euro geschätzt. Der Druck am Arbeitsmarkt steigt, wenngleich viele Unternehmensneugründungen stark von Flüchtlingen beeinflusst seien, so Bekos. "Nicht alle Flüchtlinge sind arm, sondern gründen auch Unternehmen."

Erhöhung des Mindestlohns gibt Impulse

Impulse für die türkische Wirtschaft kommen derzeit vom privaten Konsum und den eigenen Investitionen - beflügelt durch eine Anhebung des Mindestlohns um 30 Prozent. Alle Hoffnungen setze die Türkei in die EU. "Sie brauchen die EU immer mehr", meinte Bekos. Umso mehr, nachdem sich der große Kooperationspartner Russland verabschiedet hat. Ausländische Unternehmen seien lebenswichtig für die Türkei, man sei vom Ausland abhängig, so Bekos. Die geplante Abschaffung der Visumspflicht sowie die Wiederaufnahme der Beitrittsverhandlungen waren für den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan die wichtigsten Bedingungen für den Deal mit der EU, im Gegenzug syrische Flüchtlinge aufzunehmen.

Die EU hat der Türkei eine Aufhebung der Visumpflicht bei Reisen in den Schengen-Raum bis Ende Juni in Aussicht gestellt. Es geht um Kurzzeit-Visa, die einen Aufenthalt von maximal 90 Tagen in einem Zeitraum von 180 Tagen erlauben. Derzeit müssen Türken einen aufwendigen Prozess durchlaufen, um ein Visum zu bekommen.

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