Tschechische Sazka ist größter Casinos-Aktionär - und will mehr

Tschechische Sazka ist größter Casinos-Aktionär - und will mehr

Roulette ist ein Teil des Geschäfts, von dem sich Sazka großes Geld verspricht. Attraktiv ist auch das Automatengeschäft - vor allem aber auch weitere Aktien an Casinos Austria AG.

Die tschechische Glücksspielgruppe Sazka rund um die Milliardäre Karel Komarek und Jiri Smejc hält jetzt 34 Prozent an den Casinos Austria. Es soll bereits Vorverträge mit den Aktionären Schelhammer & Schattera sowie Novomatic geben, um den Anteil auf 60,8 Prozent der Casinos-Aktien zu erhöhen. Novomatic winkt ab.

Die tschechische Glücksspielgruppe Sazka rund um die Milliardäre Karel Komarek und Jiri Smejc haben ihren Anteil an den Casinos Austria von elf auf 34 Prozent aufgestockt. Die für die Übertragung einberufene außerordentliche Hauptversammlung war nach wenigen Minuten vorbei, alle Aktionäre haben zugestimmt.

Nach der Sazka-Gruppe ist die Republik Österreich über die Beteiligungsholding ÖBIB mit 33,2 Prozent der zweitgrößte Aktionär. Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic ist mit 17 Prozent drittgrößter Aktionär.

Die Tschechen wollen ihre Anteile weiter aufstocken - auf 60,8 Prozent, wie die Rechercheplattform "Addendum" berichtete. Sie sollen bereits Vorverträge mit Novomatic und der Privatbank Schelhammer & Schattera abgeschlossen haben, die durchgerechnet knapp 10 Prozent an den Casinos hält. Bereits im Sommer meldete Sazka bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), die alleinige Kontrolle bei den Casinos erlangen zu wollen. Damals wurde aus Konkurrenzgründen kein genauer Prozentsatz genannt, lediglich von der "alleinigen Kontrolle", also mehr als 50 Prozent, gesprochen.

Der Addendum-Bericht zitiert ein im Internet zugängliches Dokument der australischen Börsenaufsicht Australian Securities Exchange (ASX). In dem Schreiben vom 12. Jänner informiert der Reef Casino Trust die Behörde über die geplanten Anteilsübernahmen durch Sazka. Der Reef Casinos Trust gehört der Casinos-Austria-Auslandstochter CAI und einer australischen Firma, das Unternehmen betreibt einen Casino-Hotel-Komplex in Cairns.

Eine allfällige weitere Aufstockung der Casinos-Anteile würde in jedem Fall wieder viele rechtliche Prüfungen nach sich ziehen. Da die Casinos Austria auch zahlreiche Spielstätten im Ausland betreiben, müssten wahrscheinlich sämtliche Glücksspielbehörden dieser Länder den Deal untersuchen.

Zwei Anteilseigner gegen Sazka

Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic will seine Anteile nicht an die Sazka-Gruppe abgeben. "Wir haben nicht vor, unsere Anteile zu verkaufen", teilte ein Novomatic-Sprecher mit.

Das Finanzministerium, das in dem Fall als Glücksspielbehörde und Casinos-Aktionär eine Doppelrolle hat, dürfte den Tschechen eher keinen Stein in den Weg legen. Dass die staatliche Beteiligungsholding ÖBIB Anteile an den Casinos (derzeit 33 Prozent) abgibt, steht aber nicht zur Diskussion: "Die Republik (über die ÖBIB) wird ihre Anteile an den Casinos behalten und im Rahmen der Aufsichtsfunktion im BMF etwaige Veräußerungen gemäß den rechtlichen Bestimmungen prüfen und dabei eine aktive Rolle wahrnehmen", teilte ein Sprecher des Finanzministeriums mit. "Eigentumsübertragungen, die sich im rechtlichen Rahmen bewegen, werden von der Republik zur Kenntnis genommen."

Die Übernahme des Pakets von 22,7 Prozent an den Casinos zugunsten von Sazka wurde bei der heutigen Hauptversammlung durchgewunken. Sazka hatte das Paket dem niederösterreichischen Mühlenkonzern LLI und der UNIQA-Versicherung abgekauft. Weitere rund elf Prozent an den Casinos hatten die Tschechen bereits vor einem Jahr erworben. Die Transaktionen von LLI bzw. UNIQA zur Sazka wurden jeweils unter aufschiebenden Bedingungen abgeschlossen.

Nunmehr hält die CAME Holding GmbH der Sazka-Gruppe mittelbar eine Beteiligung in Höhe von 34,04 Prozent, wie es in einer Pflichtmitteilung der Casinos Austria International (CAI) heißt. Genau genommen gehören den Tschechen 88,89 Prozent der Beteiligungsgesellschaft Medial, die wiederum 38,29 Prozent an den Casinos Austria hält.

Die Grawe-Gruppe äußert sich zu dem Thema nicht. Von Sazka hieß es, man werde "nach dem Abschluss der Transaktion" eine Presseinformation veröffentlichen. Dass Schelhammer & Schattera seine durchgerechnet knapp 10 Prozent verkaufen will, kursiert schon länger.

Vom Hauptinvestor zum Juniorpartner

Ursprünglich wollte der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic die Kontrolle bei den Casinos Austria. Über 40 Prozent hätten dem Unternehmen vorgeschwebt, jedoch haben das die Kartellauch hüter untersagt. Novomatic darf aus Wettbewerbsgründen maximal 25 Prozent an den Casinos erhalten.

Sollte Novomatic an die Tschechen verkaufen, könnte es im Hintergrund Absprachen über die weitere Vorgangsweise geben, die beiden Konzernen dienen. Die Tschechen, die mit Novomatic schon jetzt über eine gemeinsame Tochterfirma verbunden seien, könnten die Casinos filetieren und nur den Lotterien-Bereich in den Konzern integrieren. Andere Bereiche, etwa die Video Lottery Terminals (VLT, zentralvernetzte Automaten) könnte Sazka dagegen Novomatic zur Verfügung stellen. Somit käme Novomatic doch an das heiß begehrte Automatenspiel.

Novomatic selbst darf in Wien keine Glücksspielautomaten mehr betreiben, da dort das kleine Glücksspiel seit 2015 verboten ist. Nur bei den teilstaatlichen Casinos Austria ist das Automatenspiel erlaubt, und zwar in den 12 Spielbanken sowie in den WINWIN-Automatenhallen, wo VLT-Geräte stehen. Die Erlaubnis für VLT hängt an der Lotterielizenz, die der Casinos-Austria-Konzern innehat. Derzeit betreiben die Casinos rund 600 VLT-Geräte, erlaubt sind aber bis zu 5.000.

Novomatic-Chef Harald Neumann hat in der Vergangenheit mehrmals dafür plädiert, dass die Casinos ihr VLT-Geschäft in Österreich deutlich ausbauen sollen. Branchenkreisen zufolge spitzt Novomatic darauf, in seiner Spielstätte im Wiener Prater VLT-Geräte aufzustellen. Auch der Böhmische Prater könnte ein VLT-Standort werden.

Weiters könnte Novomatic etwa über eine Vereinbarung zur Aufteilung erzielter Erträge (Revenue-Share-Deal) Spiele für die win2day-Plattform der Casinos anbieten.

Glücksspielbetreiber Sazka

Die Sazka-Gruppe ist laut eigenen Angaben mit Wetteinsätzen von mehr als 16 Mrd. Euro im Jahr einer der größten Lotto- und Glücksspielbetreiber in Europa. Das Unternehmen, das den beiden Milliardären Karel Komarek und Jiri Smejc gehört, hält Beteiligungen in Österreich, Zypern, Tschechien, Griechenland und Italien.

"Wir freuen uns, unsere Position als größter strategischer Aktionär der Casinos Austria gestärkt zu haben, und werden den Weg erfolgreicher Kooperation mit allen anderen Anteilseignern weiterführen, um den langfristigen Erfolg des Unternehmens zu unterstützen", so Sazka-CEO Robert Chvátal. "Die Expertise der Sazka-Group im Lotterie- und Glücksspielbereich kommt von unterschiedlichen Märkten und wir freuen uns sehr, diese Markterfahrung zum Nutzen aller Aktionäre der Casinos Austria einsetzen zu können."

Mit Chvátal hat Sazka einen CEO an der Spitze, der in Österreich kein Unbekannter ist. Der 49jährige Tscheche wurde von der Deutschen Telekom im Jahr 2007 von T-Mboile Slowakei nach Österreich abkommandiert. Chvátal war vom 1. März 2007 bis 31. August 2012 bei T-Mobile Austria als CEO Chef des zweitgrößten Mobilfunkanbieters in Österreich bevor er wieder nach Tschechien zurückkehrte.

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