Trumps 200-Milliarden-Zölle: Der Handelsstreit mit China eskaliert

US-Präsident Trump erhebt neue Zölle und droht mit Vergeltung, sollte nun China gegenüber den USA gleichfalls mit Strafzöllen reagieren. China wirft Trump vor einen Handelskrieg anzuzetteln. Die Börsenkurse verlieren zum Teil deutlich. Der Handelsstreit zieht seine Kreise.

Trumps 200-Milliarden-Zölle: Der Handelsstreit mit China eskaliert

Made in China wird in den USA künftig mit satte Zöllen bestraft.

Washington/Peking/Berlin. Im Handelsstreit zwischen den USA und China droht eine weitere Eskalation. Auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, neue Zölle auf chinesische Waren im Volumen von 200 Mrd. Dollar (172 Mrd. Euro) zu verhängen, reagierte die Regierung in Peking am Dienstag verärgert.

China wolle keinen Handelskrieg, habe aber auch keine Angst davor, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Sein Land werde seine Rechte verteidigen. Auch der Europäischen Union drohen weitere Zwangsmaßnahmen Trumps. Wie China reagierte die EU auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium mit Gegenzöllen, die am 1. Juli in Kraft treten sollen. Im Fall Chinas will Trump als Gegenreaktion nun erneut an der Zollschraube drehen.

An den Börsen hinterließ die weitere Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China, den beiden weltweit führenden Wirtschaftsmächten, tiefe Spuren. Sie lastete auf den Märkten in Asien und Europa. Die Börse in Shanghai sackte um fast vier Prozent auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren ab. Auch die Wall Street schloss am Montag mit einem Minus. Der US-Dollar und der chinesische Yuan notierten zeitweise schwächer. Börsenexperten warnen vor verheerenden Folgen eines Handelskriegs für die Weltwirtschaft.

Das Münchener Ifo-Institut nahm seine Wachstumsprognose für Deutschland, eines der exportstärksten Länder der Welt, nicht zuletzt wegen der Risiken im Welthandel drastisch für heuer von zuvor 2,6 auf 1,8 Prozent zurück. Auch für das kommende Jahr ist das Ifo mit einem erwarteten Plus von 1,8 Prozent nun vorsichtiger. Ähnlich sieht es das Essener RWI-Institut, das für 2018 ebenfalls nur noch mit 1,8 Prozent Wachstum und im nächsten Jahr mit 1,5 Prozent rechnet.

China ist der wichtigste Handelspartner der USA. Allerdings verzeichnen die Vereinigten Staaten im Warenhandel mit dem Land seit Jahren hohe Defizite. Im vergangenen Jahr überstiegen die US-Wareneinfuhren aus der Volksrepublik die Exporte dorthin um 375 Mrd. Dollar - so viel wie gegenüber keinem anderen Land der Welt.

In China wie in den USA sind aber auch viele deutsche Firmen aktiv. Sie beschäftigen nach den Worten von DIHK-Präsident Eric Schweitzer in den beiden Ländern jeweils fast eine Million Menschen. Auch sie werden nach seinen Worten unter der Zoll-Auseinandersetzung zu leiden haben. Die Preise stiegen und dem Welthandelssystem werde geschadet.

Mit neuen Zolldrohungen gegen China will US-Präsident Trump reagieren, sollte die Volksrepublik ihre geplanten Vergeltungszölle für frühere US-Aufschläge umsetzen. Trump wies seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer an, eine Liste von chinesischen Gütern für die neuen Maßnahmen zusammenzustellen. Der Aufschlag solle zehn Prozent betragen. "Diese Zölle werden nach dem Abschluss des juristischen Prozesses dann in Kraft treten, wenn China sich weigert, seine Praktiken zu ändern und auch wenn es darauf besteht, seine jüngst angekündigten neuen Zölle umzusetzen", hieß es. Sollte China als Reaktion auf diesen neuen US-Schritt wiederum selbst Aufschläge verhängen, würden die USA "mit zusätzlichen Zöllen auf weitere 200 Milliarden Dollar an Waren" antworten.

Die Vergeltung

China will nach Angaben seines Handelsministeriums nun mit "qualitativen" und "quantitativen" Vergeltungsmaßnahmen antworten. "Diese Praktik des extremen Drucks und der Erpressung weicht von dem Konsens ab, den beide Seiten bei mehreren Gelegenheiten erzielt haben", hieß es in einer Stellungnahme.

Sollten die USA weiter an der Zollschraube drehen, könnten China bald die Importe aus den USA ausgehen, die es überhaupt mit Zöllen belegen könne. Darauf weist zumindest der Experte Derek Scissors von der Denkfabrik American Enterprise Institute hin. Die Gesamteinfuhren aus den USA hätten 2017 gerade einmal 130 Mrd. Dollar betragen. Vermutlich werde die Regierung in Peking daher als nächstes US-Unternehmen ins Visier nehmen, die in China tätig seien.

Trump hat immer wieder das hohe Defizit der USA im Warenhandel gegenüber anderen Ländern von insgesamt über 800 Mrd. Dollar beklagt, wobei sich sein Unmut insbesondere gegen China, aber auch Deutschland und die Europäische Union richtet. Von China fordert er zudem seit längerem schärfere Maßnahmen gegen den Diebstahl von intellektuellem Eigentum.

Zölle und Gegenzölle - Chronologie des Handelsstreits

Die Welt war gewarnt. Schon vor seinem Amtsantritt versprach Donald Trump einen Kurs der wirtschaftlichen Abschottung und machte seine Abneigung gegen multilaterale Handelsabkommen deutlich. Ein besonderer Dorn im Auge ist dem US-Präsidenten China mit seinem riesigen Handelsüberschuss. Trump wirft China unter anderem Diebstahl geistigen Eigentums vor. Nach einem Jahr im Amt legte er los.

22. Jänner 2018 Die US-Regierung verhängt hohe Zölle auf den Import von Solarmodulen und Waschmaschinen. China ist besonders betroffen.

16. Februar US-Handelsminister Wilbur Ross schlägt Zölle auf Stahl und Aluminium vor, um die Importe in die USA deutlich zu reduzieren. Auch das zielt vor allem auf China, das den Weltmarkt mit billigem Stahl überschwemmt.

1. März Trump kündigt Strafzölle auf Stahl und Aluminium an. "Handelskriege sind gut und leicht zu gewinnen", schreibt er auf Twitter. Peking droht wenig später mit Gegenmaßnahmen.

13. März Trump plant weitere Einfuhrtarife für chinesische Produkte im Milliardenwert.

20. März Chinas Regierungschef Li Keqiang ruft die USA zur Zurückhaltung auf und versichert, seine Regierung werde das geistige Eigentum ausländischer Unternehmen "streng schützen". Die chinesische Wirtschaft werde sich weiter für ausländische Firmen öffnen.

2. April China verhängt Strafzölle auf 128 US-Produkte im Wert von drei Mrd. Dollar (2,6 Mrd. Euro), darunter Früchte und Schweinefleisch.

3. April Die USA legen eine vorläufige Liste chinesischer Importwaren im Wert von rund 50 Mrd. Dollar vor, die mit hohen Abgaben belegt werden sollen. Betroffen sind rund 1.300 Produkte.

4. April Peking kündigt Strafzölle auf Sojabohnen, Flugzeuge, Autos und andere importierte US-Produkte in Höhe von 25 Prozent an. 106 Produkte im Wert von 50 Mrd. Dollar sind betroffen.

5. April Trump lässt weitere Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von 100 Mrd. Dollar prüfen. China droht mit Gegenwehr "um jeden Preis".

10. April Chinas Präsident Xi Jinping macht ein Friedensangebot: Peking strebe keinen Handelsüberschuss an und wolle mehr importieren. Konkret kündigt er an, Zölle auf Autos zu senken. Das Weiße Haus will "konkrete Schritte und konkrete Taten" sehen.

17. April China hebt für Autohersteller aus dem Ausland den Zwang zur Beteiligung einheimischer Unternehmen auf

25. April 25. April Trump kündigt die Entsendung einer Delegation zu Handelsgesprächen nach China an.

4. Mai Eine erste Runde der Handelsgespräche endet ohne konkrete Ergebnisse.

18. Mai China verzichtet auf Strafzölle auf Hirse aus den USA, die Peking Mitte April vorläufig verhängt hatte.

19./20. Mai Nach der zweiten Runde der Handelsgespräche verkünden beide Seiten eine Einigung. Das US-Handelsdefizit solle erheblich verringert werden, Peking werde den Import von Waren und Dienstleistungen aus den USA deutlich erhöhen. Am Tag darauf verkünden beide Seiten den Verzicht auf gegenseitige Strafzölle - vorerst, bis ein Rahmenabkommen ausgehandelt ist.

22. Mai Peking verkündet die Absenkung der Zölle auf importierte Autos von 25 auf 15 Prozent bereits ab 1. Juli.

7. Juni China hat nach US-Angaben angeboten, zusätzliche US-Güter wie Sojabohnen, Rohöl und Kohle im Umfang von fast 70 Mrd. Dollar zu kaufen, wenn die USA im Gegenzug angedrohte Strafzölle auf chinesische Güter im Wert von 50 Mrd. Dollar fallenlassen.

8. Juni Der chinesische Zoll legt die Statistik für Mai vor: Chinas Handelsüberschuss mit den USA ist weiter kräftig angestiegen.

15. Juni Trump macht ernst und verhängt Strafzölle von 25 Prozent auf chinesische Importe im Wert von 50 Mrd. Dollar. Die meisten sollen ab 6. Juli gelten. Peking kündigt Vergeltungszölle gleichen Umfangs an.

18. Juni Der US-Präsident droht China mit weiteren Strafzöllen von zehn Prozent auf Waren im Wert von 200 Mrd. Dollar. Peking kündigt wieder entsprechende Gegenmaßnahmen an.

Personalkosten: Österreich und Osteuropa im Vergleich

Experten der TPA Steuerberatung haben mit Kienbaum Personalberatung einen …

Im Volkswagen-Werk in Shanghai

Rekordgewinne bei Autokonzernen, Probleme bei Zulieferern

Die Automobilindustrie hat in der Chipkrise vermehrt teurere Modelle …

Skigebiet Ötscher wird eingestellt

Die Corona-Pandemie hat dem Skigebiet Lackenhof am Ötscher den Todesstoß …

Corona-Kurzarbeit wird bis Ende März 2022 verlängert

Die Bundesregierung stellt sich auf anhaltende Corona-bedingte …