Trumps Executive Order verfehlen wirtschaftliche Ziele

J.P. Morgan Asset Management hat die Maßnahmen der Regierung von Donald Trump zur Immigration unter die Lupe genommen. Für die USA würde die Umsetzung der Einwanderungspolitik zu dramatisch negativen Entwicklungen in den USA führen. Die derzeitige Wachstumsdynamik der US-Wirtschaft könnte kräftig ausgebremst werden - auch aufgrund der "Baby-Bommer-Generatiton", die sich gerade in den Ruhestand verabschiedet.

Trumps Executive Order verfehlen wirtschaftliche Ziele

Der Stopp der Einreise für Menschen aus bestimmten Ländern, der avisierte Mauerbau zwischen den USA und Mexiko sowie die Abschiebung illegaler Einwanderer waren die drei Kernpunkte aus dem Regierungsprogramms von Donald Trump zum Thema Immigration. Das entsprechende Dekret vom 25. Jänner 2017 wurde von Trumps Befürwortern gefeiert, von den Gegnern aber heftig kritisiert. Diese Dekrete - Executive Orders genannt - sind bindend wie Gesetze. Der Vorteil für den neuen Präsidenten: Executive Order müssen nicht vom Kongress gebilligt werden, um Gesetzeskraft zu bekommen.

Trumps politische Entscheidungen zur Immigration haben weitgehende Auswirkungen auf die US-Ökonomie, deren Unternehmen, der zur Zeit boomenden US-Wirtschaft und in weiterer Folge auch auf die Finanzmärkte. Legale, aber auch illegale Zuwanderer sind Teil der US-Wirtschaft und tragen nicht zu gering zur Wertschöpfung der USA bei.

In den USA, das selbst ein Abbild der permanenten Geschichte der Einwanderung stets war, stellt sich die Regierung erstmals die Frage, die Grenzen komplett dicht zu machen.

Die Finanzexperten von J.P. Morgan Asset Management befürchten, dass die Abschottung der USA das Wachstum - bestehend aus Produktivitäts- und Beschäftigungsanstiegen - das massiv einbremsen könnte. Löhne, Inflation und Zinsen könnten hingegen steigen und die Ertragsmargen der Unternehmen dadurch sinken. Dies würde freilich sowohl Aktien als auch Anleihen in Mitleidenschaft ziehen. Und hierfür gibt es nach der aktuellen Erhebung von J.P. Morgan klare Indikatoren.

J.P. Morgan Asset Management hat ungeachtet der politischen Diskussion im jüngsten Report 100 Tage der Veränderungen die Folgen der drei Dekrete (siehe unten) für die Wirtschaft untersucht.

Die Finanzanalysten untersuchten in ihrer Erhebung folgende Fragestellungen:
1. Welche Maßnahmen hat der Präsident also bereits ergriffen und auf den Weg gebracht?
2. Wie könnten sich diese auf die illegale und die legale Einwanderung auswirken?
3. Was würde das für Wachstum, Inflation und Anlageerträge bedeuten?


Die Abdichtung der USA per Trump-Dekret

  • Der Mauerbau. Am 25. Januar gab Präsident Trump ein Dekret heraus, das den „sofortigen Bau einer physischen Mauer an der südlichen Landesgrenze“ anordnete. Die Regierung behauptet ferner, dass die Kosten letztlich von Mexiko getragen werden.
  • Das Einreise-Dekret. Am 27. Januar ordnete der Präsident ein vorübergehendes Einreiseverbot für sieben Länder an: Iran, Irak, Libyen, Somalia, Sudan, Syrien und Jemen. Gleich mehrere Bundesgerichte hatten das Dekret unmittelbar nach dem Erlass aufgehoben. Auch der zweite Versuch am 6. März scheiterte. Trump hatte nun den Irak von der Liste der betroffenen Länder entfernt. Auch das zweite Einreiseverbot wurde am 16. März erneut von zwei Gerichten vorläufig gestoppt.
  • Das Einstellungs-Dekret. Am 24. Februar hatte Trump ein Dekret zur Einstellung weiterer Einwanderungs- und Zollbeamter (5.000) und zusätzlicher US-Grenzschutzbeamter (10.000) erlassen. Beide Behörden wurden angewiesen, illegale Einwanderer abzuschieben, denen ein Verbrechen zur Last gelegt wird. Darüber hinaus ordnete Trump die Schaffung einer Behörde innerhalb des Department of Homeland Security mit der Bezeichnung Victims of Immigration Crime Engagement (VOICE) an. Diesee soll Informationen über Verbrechen sammeln und verbreiten, die von illegalen Einwanderern begangen wurden.

Die Folgen der Zuwanderung

Der 47. Präsident der USA hatte bereits im Wahlkampf zum Teil drastisch erklärt, dass er die illegal in den USA lebenden Menschen sofort abschieben und illegale Zuwanderung unterbinden will. Gegenüber Mexiko sollte sofort mit dem Bau einer Mauer oder von Grenzzäunen begonnen werden. Menschen aus muslimischen Ländern hatte Trump schon zu Wahlkampfzeiten im Frühjahr 2016 ausgerichtet, sie erst gar nicht einreisen lassen zu wollen - auch wenn sie über legale Einreisepapiere verfügen.

Ein Blick auf die Statistik der illegalen Zuwanderer zeigt, dass die Zahl der illegal in die USA gekommenen Menschen seit dem Jahr 2015 abnimmt. Mit geschätzten 12,2 Millionen Illegalen hat die USA im Jahr 2015 demnach den Höhepunkt erreicht (siehe Abb. 1).

Die Zahlen sind laut J.P.Morgen-Experten mit Vorsicht zu genießen. Sie US-Regierung hatte 2015 11 Millionen Visa ausgestellt, darunter 7 Millionen für Touristen und eine halbe Million für befristete Arbeitsvisa. Ein Großteil der "Illegalen" ergibt sich daraus, dass Illegale im Land bleiben und nicht über die grüne Grenze von Mexiko etwa im Dunkel der Nacht eingereist sind.

Die Abschreckung

Zwar könnte eine Mauer zu Mexiko der illegalen Einwanderung in gewisser Hinsicht einen Riegel vorschieben. Aber der Großteil der illegalen Immigranten kommt ohnehin nicht über die grüne Grenze in die USA. Die illegale Netto-Einwanderung (siehe Abb. s) ist mit 416.000 Menschen weit geringer, was die illegalen Grenzübertritte anbetrifft. Die Zahl derer, die nach Ablauf ihrer Visa in den USA bleibt, beläuft sich auf etwas mehr als eine halbe Million Personen.

Und hier kommt erstmals ein wirtschaftliche Aspekt ins Spiel: "Zwar könnte eine Mauer der illegalen Einwanderung in gewisser Hinsicht einen Riegel vorschieben", so der J.P. Morgan-Report. "Andererseits aber stellen abgelaufene Visa die am weitesten verbreitete Form der illegalen Zuwanderung dar, die auch weiterhin vorherrschen wird, solange sich die illegale Einwanderung für Immigranten wirtschaftlich rechnet."

Empfindlich hohe Geldstrafen gegen die illegal Aufgegriffenen sowie gegen Unternehmen, die Illegale beschäftigen, könnten zwar abschrecken, so die Finanzexperten von J.P. Morgan. Ob diese Maßnahmen dem Image der USA Positives bringt, wird indes von J.P.Morgan angezweifelt. Es könnte nämlich auch auf die legale Einwanderung ausstrahlen und zuwanderungswillige Menschen dazu ermuntern, um die USA einen Bogen zu machen. Dasselbe gilt für Pläne, die Vergabe der befristeten H1B-Visas massiv zu kürzen. Auch Einwanderer, die legal in die USA einreisen wollen, könnte diese Einwanderungspolitik abschrecken. Ausländer würden sich in den USA dann unter Umständen als „weniger erwünscht“ wahrnehmen.

In den USA leben Schätzungen zufolge 11,1 Millionen illegale Einwanderer, von denen aber etwa 8 Millionen erwerbstätig sind. Offiziellen Zahlen zufolge gibt es derzeit in den USA rund 7,8 Millionen Arbeitslose, wovon eine gewisse Anzahl aufgrund von Entlassungen, Arbeitssuche, Arbeitgeberwechsel oder Berufseintritt ohne Arbeit sind.

Drohender Arbeitskräftemangel

Würde die Trump-Regierung die Abschiebungen Illegaler forcieren und Massen außer Landes verweisen, würden die die Unternehmen zuerst merken. Für viele Unternehmen hätte das einen Arbeitskräftemangel zur Folge.

Betroffen sind dabei vor allem der Dienstleistungssektor, das Bauwesen und die Landwirtschaft. Ein Arbeitskräftemangel würde dazu führen, dass Aufträge nicht fristgerecht oder überhaupt erledigt werden können. Zudem würde das zu Preissteigerungen etwa bei Konsumgütern führen. Und ob ein Teil der inländischen Arbeitslosen so schnell in diese Branche transferiert werden könnte, darf bezweifelt werden. Der Bau der Mauer oder des Grenzzauns zu Mexiko wäre zudem teuer.

Nicht ganz so groß wäre der Negativeffekt beim Steueraufkommen, da Illegale keine Einkommenssteuer zahlen. Allerdings: Bei den Einnahmen der indirekten Steuern, wie den Konsumsteuern oder Umsatzsteuern, käme es zu einem spürbaren Rückgang.

Der Altersschock

Sollte die Trump-Administration auch die legale Zuwanderung massiv verringern oder gar stoppen, hätte dies à la longue gravierende Folgen für die USA. Die "Baby-Boomber-Generation" geht in Rente. Diese Entwicklung ist seit dem Jahr 2012 schon eingetreten. Die Gesellschaft der USA altert. Das Wachstum der erwerbsfähigen Bevölkerung ist deutlich geschwächt (siehe Abb. 5).

Laut J.P-Morgan sind die so genannten Millenials aufgrund eines Qualifikationsdefizits nicht in der Lage, einen Ausgleich zu schaffen. Von 1960 bis 2010 stieg die Bevölkerung in den USA in der Altersgruppe von 16 bis 64 Jahren um durchschnittlich 1,3 Prozent pro Jahr. Sie stellte somit die für ein reales BIP-Wachstum von im Durchschnitt 3,5 Prozent erforderliche Anzahl der Arbeitnehmer zur Verfügung. Seit dem Jahr 2012 ist dieses Wachstum in der Bevölkerung jedoch auf jährlich 0,5 Prozent eingebrochen (siehe Abb. 4, unten). Und in den kommenden zehn Jahren dürfte es sogar bei lediglich 0,3 Prozent liegen. Die Krux: rund 85 Prozent dieses Wachstums dürfte von Einwanderern herrühren.

Das fehlende Stück

Die Demografie der USA spielt eine wesentliche Rolle, die die US-Gesellschaft selbst alleine nicht schafffen kann.

Die Alterspyramide der Eingewanderten verbreitert sich dagegen just an dem Punkt, an dem die einheimische Bevölkerung rückläufig ist. Es scheint also, als ob die Einwanderer das fehlende Stück im demografischen Puzzle darstellen.

Eine verstärkte legale Einwanderung könnte insbesondere in den nächsten zehn Jahren helfen, der Überalterung der US-Bevölkerung entgegenzuwirken. Darüber hinaus würde die Altersverteilung unter Eingewanderten, die sich hauptsächlich im erwerbsfähigen Alter befinden, die legale Einwanderung in fiskalischer Hinsicht vorteilhaft erscheinen lassen. Der Grund: Ein stärkeres Wachstum potenzieller Steuereinnahmen würden die erhöhten Ausgaben für Bildung und das Gesundheitswesen wettmachen.

Alleine die derzeitige Einwanderung genügt nicht, um das der in Rente gehenden "Bayb Boomer" geschaffene Vakuum auszugleichen. Das bedeutet: Sollte die US-Wirtschaft weiterhin wachsen, braucht es eine höhere Zuwanderung .

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