Trump-Effekt an der Seidenstraße: Europa profitiert von China

Neue Seidenstraße: Wirtschaftsimpulse aus China

Neue Seidenstraße: Wirtschaftsimpulse aus China

Im Herbst 2013 verkündete Chinas Partei- und Staatschef Xi Jinping den Aufbau eines „Seidenstraßen-Wirtschaftsgürtels“ und einer „maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“. Die Seidenstraßeninitiative „One Belt, One Road“ reicht weit über den Aufbau von linearen Verkehrs- und Transportverbindungen zwischen Europa und Asien hinaus. Es soll ein umfassendes Infrastrukturnetzwerk in Eurasien entstehen. Die Politik der USA unter Präsident Donald Trump wird dem einen zusätzlichen Schub geben.

Mit einer gigantischen Silk-Road-Initiative will Peking einen ökonomischen Gürtel von der chinesischen Pazifikküste über Zentralasien bis nach Europa spannen. Das auch als "One Belt One Road" Initiative bekannte Projekt soll die Vorherrschaft Chinas zumindest in Asien für den Rest dieses Jahrhunderts einzementieren.

Die neue Seidenstraße auf den Spuren der legendären Handeslwege Marco Polos wird Land- und Seerouten umfassen. Die "21st-Century Maritime Silk Road“ soll vom Pazifischen über den Indischen Ozean bis ins Mittelmeer und an Afrikas Küsten reichen. Die einzelnen Stränge der Land- und Seeroute sollen durch Verbindungskorridore miteinander verknüpft werden.

Der "Silk Road Economic Belt“ soll fast alle Länder Südost- und Zentralasiens mit einer Art Wirtschaftsgürtel verbinden. Am Ende soll ein Wirtschafts- und Handelsraum mit etwa 4,4 Milliarden Menschen, das sind rund 63 Prozent der Weltbevölkerung, und mit knapp 30 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung (ohne China und Europa) unter dem ausgeprägten Einfluss Chinas stehen.

Als primärer Geldgeber und Architekt des eurasischen Infrastrukturnetzwerks konzipiert Peking neue, auf China ausgerichtete Pipeline-, Eisenbahn- und Transportnetze. Die chinesische Führung konzentriert sich zudem auf den Ausbau von Tiefseehäfen, insbesondere im Indischen Ozean.

Geld spielte dabei vom Start weg keine Rolle: Zu den 100 Milliarden Dollar Grundkapital der "Asia Infrastructure Investment Bank“ (AIIB), an der 57 Staaten Anteile halten, hat Peking die Hälfte beigesteuert. Der "Silk Road Fund“ wurde von China mit 40 Milliarden Dollar Startkapital ausgestattet. In die "Maritime Silk Road Bank“ wurden 16 Milliarden Dollar Kapital gesteckt. Und schließlich hat Peking 2015 etwa 62 Milliarden Dollar als Kapitalspritze für drei große, strategische Staatsbanken abgezweigt - mit der ausschließlichen Zweckwidmung für "One Belt, One Road“-Projekte.

Der Trump-Effekt

Nach dem Amtstantritt von US-Präsident Donald Trump und seinen ersten Amtshandlungen - darunter die Aufkündigung der Transpazifischen Partnerschaft TPP - erwarten Experten nun, dass China seine Investitionen entlang der neuen Seidenstraße - und damit auch nach Südosteuropa und nach Österreich - weiter verstärken wird.

"Die Intensivierung der chinesischen Investitionen in Europa hat schon 2013 begonnen", erklärt Christian Mikosch, Partner der Rechtsanwaltssozietät Wolf Theiss, im Rahmen eines von Wolf Theiss organisierten China Breakfast: "Ursprünglich unter anderem als Gegenreaktion auf TPP vorgesehen, entwickelt sich die Ende 2013 ins Leben gerufene 'One Belt One Road Initiative' zu einem immer wesentlicheren wirtschaftlichen Entwicklungskatalysator. Sie symbolisiert eine Hinwendung chinesischer Investitionspolitik nach Europa und damit eine gewisse Abwendung von den USA."

Auch der Ausstieg der USA aus der Transnationalen Partnerschaft TPP würde das nicht mehr umkehren, längst schon haben chinesische Unternehmen Schlüsselinvestitionen in die Infrastruktur des Landweges nach Europa unternommen.

Shan Luo, Head of China Desk der Raiffeisen Bank International (RBI), bestätigte diese Entwicklung mit dem Anstieg der chinesischen Exporte nach Südosteuropa: "Seit Oktober 2011 sind Chinas Exporte von 1,36 Milliarden Dollar 1,78 Milliarden Dollar im Oktober 2016 angestiegen". In Zukunft würden für die Kooperation von europäischen und chinesischen Unternehmen Business-Modelle wie Technologie-Transfer, Investment funding (M&A), gemeinsame Partnerschaften oder Engineering-Procurement-Construction vielversprechend sein, so Shan Luo.

Die Beziehungen zwischen China und Südosteurooa dürften daher unter Donald Trump neue Impulse bekommen. Denn während US-Präsident Trump der Welt die Tür vor der Nase zuschlägt und etwa europäischen Automobilherstellern mit Einfuhrzöllen von über 30 Prozent droht, baut China Barrieren für Unternehmen aus dem Ausland ab.

Wolfgang Maurer, Partner, Aracon Consulting dazu: "Europa und China werden ihre Beziehungen hinsichtlich Handel, Investment und Peacekeeping intensivieren und China wird Barrieren für ausländische Direktinvestitionen abbauen, denn ausländische Unternehmen müssen beim Erwerb chinesischer Unternehmen künftig angemessene Rahmenbedingungen vorfinden."

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