Tristesse unter Palmen - Preissturz trifft Mexikos Öl-Branche hart

Tristesse unter Palmen - Preissturz trifft Mexikos Öl-Branche hart
Tristesse unter Palmen - Preissturz trifft Mexikos Öl-Branche hart

Raffinerie des staatlichen Ölkonzerns Pemex in Salamanca.

In Ciudad del Carmen herrscht Ausverkauf. "Se vende" (Zu verkaufen) oder "Se renta" (Zu vermieten) steht auf Plakaten an jedem zweiten Haus in der Stadt an der mexikanischen Golfküste. Der Absturz des Ölpreises hat das Zentrum von Mexikos Offshore-Industrie im Bundesstaat Campeche kalt erwischt. Der Boom ist vorbei - jetzt herrscht Tristesse unter der brennenden Karibiksonne.

"In guten Zeiten hatten wir 32 Angestellte, jetzt sind es noch zwölf. Die anderen mussten wir kündigen", sagt Mario Solache Rosinol. Sein Unternehmen Hydra Marine hat zwei Schiffe, mit denen Personal und Material zu den Förderplattformen im Meer transportiert werden. Früher fuhren die Schiffe dreimal pro Woche raus, jetzt nur noch einmal. "Wie lange wir diesen Auftrag noch haben, weiß ich nicht", sagt Solache. "Unsere Auftraggeber lassen uns im Unklaren."

Zwischen 2011 und 2013 kostete das Barrel (159 Liter) mexikanischen Öls im Jahresdurchschnitt etwa 100 US-Dollar, mittlerweile ist der Preis auf gut 30 Dollar (26,6 Euro) eingebrochen. In den fetten Jahren brachte das Öl Wohlstand in die frühere Krabbenfischer-Stadt Ciudad del Carmen, nun sind Hotels, Restaurants und Einkaufszentren verwaist.

"Wir waren fast immer ausgebucht. Manager, Ingenieure und Ölarbeiter aus ganz Mexiko, aber auch aus den USA, Kolumbien und Venezuela haben bei uns übernachtet", erzählt Manuel, der in einem großen Hotel hinter der Bar arbeitet. "Jetzt stehen die meisten Zimmer leer." Pablo Lopez von der Ölarbeitergewerkschaft Untypp sagt: "Das Schlimmste steht uns noch bevor. In kurzer Zeit kann sich das in eine Geisterstadt verwandeln."

Ausländische Investoren zögern

Mexikos Ölindustrie wird von dem Staatskonzern Pemex dominiert. Zwar öffnete das lateinamerikanische Land zuletzt seinen bis jetzt streng regulierten Energiemarkt für private Unternehmen. Angesichts des niedrigen Ölpreises kommen ausländische Investoren derzeit allerdings nur zögerlich nach Mexiko.

Pemex strich sein Budget im laufenden Jahr um 5,6 Mrd. US-Dollar (rund 5 Mrd. Euro) zusammen und legte eine Reihe von Förderprojekten auf Eis. Bei Zulieferbetrieben und Dienstleistern verloren bereits Zehntausende Menschen ihren Arbeitsplätze. Allein in den Bundesstaaten Campeche, Tabasco und Veracruz gingen innerhalb von einem Jahr über 40.000 Arbeitsplätze verloren. Die Wirtschaftsleistung von Campeche brach um 6,5 Prozent ein.

"Nach Rechnungstellung lässt sich Pemex mit der Zahlung 90 bis 180 Tage Zeit", sagte Solache von Hydra Marine. "Einer kleinen Firma wie uns kann das das Genick brechen." Der Geschäftsführer begrüßt die Liberalisierung des Energiemarktes zwar, sieht bisher aber noch keine Verbesserungen. "Uns würde es schon helfen, wenn wir nicht so von einem einzigen Kunden abhängig wären."

Kannibalisierung der Service-Industrie

Hermilo Valladares Sanchez vom Dienstleister Marinsa beobachtet eine Kannibalisierung der Service-Industrie. Sein Unternehmen vermietet Spezialschiffe für die Öl- und Gasförderung. "Es gibt immer weniger Aufträge und immer mehr Schiffe. Das drückt die Preise", sagt Valladares.

Mit 800 Mitarbeitern ist Marina ein relativ großer Dienstleister, das Unternehmen verfügt über Büros in Houston, Bogota und Singapur. "Wir versuchen jetzt, Aufträge in anderen Ländern an Land zu ziehen. Wir gehen dorthin, wo die Arbeit ist", sagt Valladares. Er will nun antizyklisch investieren. Derzeit baut Marinsa seine Bürogebäude in Ciudad del Carmen aus und heuert gut ausgebildete Leute an, die von anderen Firmen entlassen wurden. "Wir hoffen, dass sich der Markt erholt", sagt Valladares.

Als Bürger von Ciudad del Carmen schmerzt ihn der Niedergang seiner Heimatstadt aber. "Die örtlichen Geschäfte leiden. Viele Leute ziehen weg und die, die bleiben, haben kein Geld", sagt er. "Ich bin letztens nach Houston geflogen. Da waren wir zwei Passagiere im ganzen Flugzeug. Früher musste man seine Tickets Wochen im Voraus buchen."

Im Hafen von Ciudad del Carmen herrscht noch immer geschäftige Betriebsamkeit. "Auch wenn die Geschäfte schlecht laufen, die Schiffe müssen ja instand gehalten werden", sagt Hafenverwalter Enrique Novedo Gonzalez. Etwa 1.000 Ankünfte verzeichnet der Hafen pro Monat. "Aber auf lange Sicht ist der niedrige Ölpreis natürlich auch für uns gefährlich. Wenn Unternehmen pleite gehen und die ganze Industrie kleiner wird, schadet das auch uns", sagt Novedo.

Vor einem großen Autohaus auf der Hauptstraße von Ciudad del Carmen glänzen blank polierte Geländewagen in der Sonne. "Früher habe ich fünf, sechs Stück von denen in der Woche verkauft", sagt der Händler. "Heute kommen die Leute und geben ihre Wagen zurück, weil sie die Raten nicht mehr zahlen können."

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