Erste Group CEO Andreas Treichl: „Brauchen wir noch Banker?“

Erste Group CEO Andreas Treichl
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Andreas Treichl, der CEO der Erste Group, hält Banker für einen möglicherweise aussterbenden Beruf und den Tod der privaten Altersvorsorge für eine gesellschaftliche Katastrophe.

Erste-Boss Andreas Treichl befürchtet, der Beruf des Bankers könnte aussterben. Im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "trend" wandelt er einen Spruch von Bill Gates aus den 90er-Jahren – „We need banking, but we don´t need banks“ – so ab: „We need banks, but maybe we don´t need bankers.“ Durch die Regulierung werde das Bankgeschäft dermaßen stark schematisiert, dass Banker kaum noch Entscheidungen treffen können. Treichl: „Meiner Meinung nach geht dadurch ein großer Wert verloren. Aber es gibt viele, die das anders sehen. Darum halte ich es durchaus für möglich, dass künftig Computer entscheiden, wer einen Kredit bekommt und wer nicht.“

In der am Freitag erscheinenden Ausgabe des "trend" sagt Treichl weiters: „Wir bauen die Erste Group so auf, dass wir unter Umständen nur mit Computertechnikern, Programmierern und Designern auskommen; ohne Leute, die individuell auf die Kunden eingehen – was uns in der Vergangenheit ausgemacht hat. Wir wären dann ein Versorgungsunternehmen. Ich hielte diese Entwicklung aber für schlecht.“

Länder, deren Wirtschaft wie in Österreich vor allem auf Fremdfinanzierung angewiesen sind, würden laut Treichl immer weiter hinter Wirtschaftsräumen mit einem starken Kapitalmarkt zurückfallen. Sein Ärger auf die Politiker seit zehn Jahren beziehe sich darauf, „dass sie nicht realisieren, welchen Nachteil unsere Unternehmen da haben. Woher sollen sich Betriebe denn Eigenkapital holen, wenn es keinen Kapitalmarkt gibt für sie. Nur dadurch, dass sie Gewinne machen. Gewinne können sie nur machen, wenn sie wachsen. Und wachsen können sie nur, wenn wir sie finanzieren dürfen.“ Wenn die Politik den Auftrag an die Regulierung nicht ändere, sei es mit dem Wirtschaftswachstum in Europa vorbei.

Banken besser aufgestellt als vor zehn Jahren

Zu Überlegungen, die anlässlich der Finanzkrise in Italien angestellt werden, europäischen Banken nochmals mit Milliarden an Steuergeldern zu helfen, sagt Treichl im "trend": „Es gibt in Europa sehr viele Banken, die 2016 viel besser aufgestellt sind als 2006. Eine davon ist die Erste Group. Die anderen sollen keinesfalls wieder mit Steuergeldern unterstützt werden, sondern der Markt muss endlich bereinigt werden. Banken, deren Geschäftsmodell nicht funktioniert, sollten jetzt verschwinden – und zwar so schnell wie möglich.“

Das Ende der privaten Altersvorsorge durch die Nullzinspolitik ist für Treichl „eine dramatische gesellschaftliche Veränderung und eine echte Katastrophe, mit der wir uns viel stärker auseinandersetzen müssen. Diese Situation ist der größte Ungleichheitserzeuger überhaupt. Wer heute noch nichts besitzt, hat praktisch keine Chance, sich ein bisserl eine Altersvorsorge aufzubauen. Das führt dazu, dass die Leute immer früher beginnen, ihren Konsum einzuschränken, um für die Pension zu sparen – mit dramatischen volkswirtschaftlichen Konsequenzen, die von vielen Mitgliedern der EZB und der Zentralbanken in sehr oberflächlicher Weise abgetan werden.“


Lesen Sie das ganze Interview mit Erste Group CEO Andreas Treichl in der trend Ausgabe 30/31 2016. Zum Download als E-Paper.

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