ThyssenKrupp und die harte Realität der Krise

ThyssenKrupp und die harte Realität der Krise
ThyssenKrupp und die harte Realität der Krise

ThyssenKrupp CEO Heinrich Hiesinger

Der deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp bekommt die raue Realität der Krise brutal zu spüren. Die Jahresprognose wird deutlich gesenkt.

"Preisverfall", "eingetrübtes Umfeld", "Periodenfehlbetrag", "äußerst schwierige Bedingungen", "Importdruck" und "Kaufzurückhaltung" sind Worte, die Analysten ebenso wie Aktionäre nicht gerne hören, wenn ein Unternehmen Quartalszahlen vorlegt. Entsprechend getrübt ist daher auch die Laune bei den Anteilseignern des deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp (ISIN DE0007500001), nachdem dieser seine jüngsten Quartalszahlen vorgelegt hat, aus denen ein Wort ganz groß herauszulesen ist: "KRISE!"

Alleine die Tatsache, dass die Krise nicht wirklich hausgemacht ist kann Vorstandschef Heinrich Hiesinger und die Aktionäre nicht darüber hinwegtrösten, dass der Stahlkonzern den Gürtel enger schnallen muss. Billigstahl aus China und weltweite Überkapazitäten drücken massiv auf Preise. "Der Preisverfall war stärker als angenommen. Dies führte auch im 2. Quartal des Geschäftsjahres noch zu erheblichen Substanzverlusten", sagt Hiesinger. Das nun vorgelegte Halbjahresergebnis spiegle daher die sehr schwache Situation auf den Werkstoffmärkten wider. Zwar sei inzwischen eine Erholung bei den Werkstoffpreisen absehbar. Die Erholung komme aber später und geringer als ursprünglich erwartet.

In den roten Zahlen

Unter dem Strich ist der Konzern nach der ersten Hälfte des Geschäftsjahres mit neun Millionen Euro in der Verlustzone. Zum Vergleich: Im Vorjahr stand zur gleichen Zeit noch ein Plus von 88 Millionen Euro. Der Auftragseingang lag um acht Prozent (währungsbereinigt: 7%) unter dem Vorjahr. In der gleichen Höhe ging der Umsatz zurück. Den Rückgang bei Auftragseingang und Umsatz begründet das Management durch geringere Mengen, hauptsächlich jedoch durch den starken Preisverfall bei den Werkstoffgeschäften.

Der Free Cashflow vor M&A lag im 1. Halbjahr mit -1,21 Milliarden Euro ebenfalls wie erwartet unter dem Vorjahreswert. Begründet wird das mit einem vorübergehenden Aufbau des Netto-Umlaufvermögens. Das Management rechnet angesichts dieser Entwicklung nun für das Gesamtjahr mit einem Bereinigten EBIT von 1,4 Milliarden Euro, nach 1,7 Milliarden Euro im Vorjahr. 850 Millionen davon sollen alleine aus einem Effizienzsteigerungsprogramm kommen.

Insidern zufolge spricht Thyssenkrupp mit dem Konkurrenten Tata Steel über einen Zusammenschluss. Finanzchef Guido Kerkhoff blieb auf Nachfrage vage. "Im Stahlsektor redet jeder mit jeden. Wenn wir etwas Konkreteres hätten, würden wir darüber informieren müssen und auch tun. Mehr kann man zu diesem Zeitpunkt dazu nicht sagen." Zusammenschlüsse in der Branche seien dennoch sinnvoll. "Wir haben weltweit Überkapazitäten." Dagegen soll angesichts der schlechten Zahlen noch mehr gespart werden: Da gebe es noch Spielraum, sagte Kerkhoff. "Konsolidierung und eine Verringerung der Überkapazitäten ist sicherlich angesagt und sollte passieren."

Verschnupfte Börse

Die Börse reagierte auf das Halbjahresergebnis und die reduzierte Prognose entsprechend verschnupft. Die Aktie gab zeitweise um fünf Prozent nach (12:30 Uhr: -2,4%) und war der größte Verlierer im Dax. Binnen Jahresfrist hat das Papier des Stahlkonzerns somit fast ein Drittel (28,5%) seines Werts verloren. Dennoch sind die Analysten optimistisch und raten, das Papier jetzt zu kaufen.

Die Commerzbank hat die Einstufung für ThyssenKrupp auf "Buy" mit einem Kursziel von 26 Euro belassen. Das zweite Geschäftsquartal des Stahl- und Industriekonzerns sei besser als erwartet ausgefallen, schrieb Analyst Ingo-Martin Schachel in einer Studie. Die britische Investmentbank HSBC hat das Kursziel für ThyssenKrupp von 24,90 auf 23,60 Euro gesenkt, die Einstufung aber ebenfalls auf "Buy" belassen. Die Privatbank Berenberg gibt detto ein "Buy" mit einem Kursziel von 28 Euro aus. Die Ergebnisse des zweiten Geschäftsquartals hätten die Erwartungen übertroffen, meint Analyst Alessandro Abate. Die Senkung der Jahresprognose komme nicht überraschend.

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