Teuerungsrate zieht kräftig auf Zwei-Prozent-Marke an

Teuerungsrate zieht kräftig auf Zwei-Prozent-Marke an

Tägliche Einkäufe sind um über zwei Prozent teurer geworden. Und dennoch: Nicht alles, was teuer ist wurde wirklich teurer.

Die Inflation ist im Jänner 2017 auf zwei Prozent angestiegen und damit erstmals wieder so hoch wie zuletzt im Juli 2013. Vor allem Treibstoffe, Ausgehen und Wohnen wurden teurer. Die Kosten für Energie und Telekommunikation sind hingegen gesunken. Der Inflationsanstieg ist auch auf die Veränderung des Warenkorbs zurückzuführen. Noch heuer sollen Daten direkt von Supermarktkassen für Inflationsberechnung geliefert werden, was zu noch besseren Daten führen soll.

Wien. Das Leben wird wieder teurer und die Schere zwischen dem Kollektivvertragsabschluss geht weiter auseinander. Die Inflationsrate hat im Jänner 2017 erstmals wieder die Zwei-Prozent-Marke überschritten. So wurden die Einkäufe im Jänner 2017 um 2,3 Prozent teurer. Im Dezember lag die Teuerung noch bei 0,5 Prozent. Im November legten die Preise nur um 0,1 Prozent zu und im Oktober waren sie sogar leicht gesunken.

Energie- und Nahrungsmittelpreise sind europaweit deutlich gestiegen und haben auch in Österreich zum starken Anstieg beigetragen. Treibstoffe haben sich hierzulande deutlich mehr verteuert als Erdöl. Ohne teurere Treibstoffe hätte die Inflation nur 1,5 Prozent betragen. "Hausgemacht" ist in Österreich auch der starke Preisanstieg bei Wohnungsmieten und Restaurants. Billiger geworden sind im Vergleich zum Jänner 2016 Handy und Internet. Ebenfalls dämpfend haben sich die Strom- und Gaspreise sowie die Arztkosten ausgewirkt.

Richtig teuer geworden ist das Autofahren. Die Preissteigerung bei Treibstoffen lag zu Jahresbeginn bei 14,3 Prozent. Reparaturen verteuerten sich um 3,7 Prozent. Bei der Kostengruppe "Wohnung, Wasser, Energie" stiegen die Preise um 1,7 Prozent.

Und auch das Wohnen und Ausgehen wurde einmal mehr teurer. Wohnungsmieten erhöhten sich um 4,3 Prozent, die Instandhaltung von Wohnungen verteuerte sich durchschnittlich um 1,4 Prozent. Wer die teure Wohnung verließ, musste auch gleich tiefer in die Tasche greifen. "Restaurants und Hotels" verteuerten sich um 3 Prozent, Beherbergungsdienste wiederum um 3,6 Prozent.

In den vergangenen Jahren sei die Inflation zu niedrig gewesen, so Christoph Varga, Leiter der ZIB-Wirtschaftsredaktion. Jetzt nähere sie sich dem Zielwert der Europäischen Zentralbank an, viele Wirtschaftspolitiker würden aufatmen.

Die im Jahresvergleich drastisch gestiegenen Heizölpreise (32,7 Prozent) wurden durch fallende Preise anderer Energieträger (feste Brennstoffe minus 2,1 Prozent, Gas minus 3,3 Prozent, Strom minus 5,5 Prozent) nahezu kompensiert.

Nahrungsmittel wurden um 1,8 Prozent teurer (Fleisch 1,7 Prozent, Gemüse 2,3 Prozent, Milch, 0,4 Prozent). Die Preise für "Bekleidung und Schuhe" erhöhten sich um durchschnittlich 1,8 Prozent.

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der den täglichen Einkauf widerspiegelt, erhöhte sich im Jahresabstand um 2,3 Prozent. Der Miniwarenkorb, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, stieg um 3,8 Prozent.

Die Teuerung liegt mit 2 Prozent deutlich über den Kollektivvertragsabschlüssen seit der Herbstlohnrunde des Vorjahres, die fast alle bei einem Plus zwischen 1,3 und 1,5 Prozent lagen.

Dies hat historische Gründe - traditionell wird für das Feilschen über die Lohn- und Gehaltszuwächse die Inflationsrate der vergangenen 12 Monate herangezogen - und im Vorjahr lag diese bei 0,9 Prozent.

Der Indexstand des Verbraucherpreisindex 2015 (VPI 2015) lag für den Jänner bei 101,8. Der Indexstand des auf europäischer Ebene harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI 2015) lag im Jänner bei 101,91. Die harmonisierte Inflationsrate betrug plus 2,1 Prozent.

Die Entkoppelung vom Weltrohölpreis

Die "deutliche Entkoppelung" der österreichischen Treibstoffpreise vom Erdölpreis seit Herbst 2016 sei "nur teilweise mit dem Basiseffekt zu erklären", also mit dem besonders niedrigen Preisniveau vor einem Jahr, sagte Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria. "Den Rest erfragen Sie bei jenen, die für die Preise zuständig sind". Wie hoch der Basiseffekt ist, wollte sich Pesendorfer nicht festlegen. Auch die zweiprozentige Inflation vom Jänner sei zu einem Teil auf den Basiseffekt zurückzuführen. Bis zum Sommer werde er eine Rolle spielen, ab September sollte es damit vorbei sein.

Erstmals seit dem Jahr 2011 hat die Statistik Austria wieder eine große Anpassung des Warenkorbs vorgenommen. Nur Waten und Dienstleitungen, auf die zumindest ein Tausendstel der Ausgaben entfällt, sind darin erfasst. Das hat dazu geführt, dass der Teddybär künftig nicht mehr gezählt wird (siehe Grafik, unten) , dafür würden etliche neue Produkte in den Warenkorb aufgenommen.

Auch Inlandsflüge fallen bei den Privatausgaben nicht mehr ins Gewicht. Dafür wird der Trend zum E-Bike künftig im Warenkorb gespiegelt, auch Laugengebäck, Fertigteig, Spezialbier, Pay-TV und Tanzschulen schafften es diesmal in die Liste, von der 67 Produkte gestrichen und in die 36 neu aufgenommen wurden.

36 Produkte gestrichen: unter anderem der Teddy Bär und Inlandsflüge fliegen aus dem Warenkorb. Die Kosten für 67 Waren und Dienstleistungen - darunter für das E-Bike und Spezialbier - wurden dafür neu als Inflationsindikator aufgenommen.

Die Statistik Austria hofft, noch heuer für die Erfassung von Supermarkt-Produkten auf die Daten der Scannerkassen zugreifen zu können. Das ist eine Vorgabe der EU, Gespräche mit den Handelsketten laufen.

Das würde die Erfassung dieser Daten "wahrheitsgetreuer" machen, hofft Pesendorfer, weil Rabatte flächendeckend berücksichtigt würden und weil die Statistiker dann genau wüssten, welche Produkte am häufigsten gekauft werden.

Teuerung in EU 1,7 Prozent - In Eurozone 1,8 Prozent

Die jährliche Inflationsrate in der EU ist im Jänner auf 1,7 Prozent gestiegen. Die Teuerungsrate erhöhte sich in der Eurozone auf 1,8 Prozent. Die höchste Steigerung wies Belgien mit 3,1 Prozent auf, am niedrigsten war sie in Irland mit einem Plus von 0,2 Prozent. Österreichs Inflationsrate lag laut Eurostat-Daten vom Mittwoch mit 2,1 Prozent an neunter Stelle unter den 28 EU-Staaten.

Erstmals seit Monaten gab es in allen EU-Ländern einen Anstieg der Inflation. Im August 2016 wiesen noch elf Staaten eine negative Rate auf, also Verbilligungen statt Verteuerungen. Im Dezember des Vorjahres waren es noch drei Länder, die ein Minus registrierten.

Der stärkste Aufwärtsimpuls für die Teuerung kam von den Bereichen Treibstoffe für Verkehrsmittel (+0,5 Prozentpunkte) und flüssige Brennstoffe und Gemüse (je +0,14 Prozentpunkte), während Telekommunikation (-0,09 Prozentpunkte), Gas (-0,08 Prozentpunkte) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (-0,05 Prozentpunkte) am stärksten senkend wirkten.

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