Tesla fährt an die Spitze der US-Autokonzerne

Der US-Elektroautopionier Tesla mit seinem Gründer und CEO Elon Musk bekommt derzeit die Blumen nur so gestreut. Zu Recht? Einige Analysten sehen in Musk den den großen Visionär der Zukunft. Andere sind skeptisch und sprechen von einer Blase. Tesla hat jedenfalls nach Börsenwert Granddaddy GM überholt und ist die Nummer 1 der USA-Autobauer. Allerdings fahren die E-Autos noch Milliardenverluste ein.

Tesla fährt an die Spitze der US-Autokonzerne

Rund 76.000 Autos hat der Elektro-Autobauer Tesla im vergangenen Jahr ausgeliefert. Und war noch unter seiner Ankündigung von "80.000 bis 90.000 Autos" geblieben. Verglichen mit der Produktionsleistung der Dinos der Autoindustrie General Motors (GM) und Ford ist das bloß ein Bruchteil. GM hat zehn Millionen Autos, Ford immerhin 6,7 Millionen Autos im Jahr 2016 verkauft. Beide US-Konzerne schreiben im Gegensatz zu Tesla zudem stattliche Gewinne. So brachte es GM mit seinem Kernmarken Chevrolet, Buick, GMC und Cadillac im abgelaufenen Jahr auf 9,4 Milliarden Dollar Gewinn bei einem Umsatz von 162 Milliarden Dollar. Ford hatte ebenso einen guten Lauf. 10,4 Milliarden Dollar Gewinn stehen unterm Strich, trotz hoher Sonderabschreibung.

Und dennoch: die Musik in der US-Autoindustrie spielt derweil ganz im Sinne des hoch defizitären E-Autopioniers Tesla. Das Unternehmen schreibt für die vergangenen fünf Jahre zwar über 2,6 Milliarden Dollar Verlust. Bei den Investoren und einem Teil der Analysten dürfte Tesla-CEO Musk den Dreh heraushaben.

Die Spitze der US-Autoindustrie

Die Tesla-Aktie steigt und steigt. Seit Jahresbeginn sind es bereits rund 50 Prozent Kursanstieg. Vorige Woche haben die Tesla-Papiere bereits die Ford-Aktien überholt. Und mit heutigem Tag ist Tesla endgültig der teuerste Autohersteller der USA. Mit einem Börsenwert von 51,4 Milliarden Dollar hat Tesla GM auf Rang zwei verwiesen, das es derzeit auf einen Börsenwert von 50,2 Milliarden Dollar bringt. Ford ist auf Rang drei mit 44,64 Milliarden Dollar.

Zum Vergleich: Die deutschen Flaggschiffe Daimler Benz und BMW sind laut Börsenwert noch über Tesla. Daimler Benz ist derzeit 75,7 Milliarden Dollar wert, BMW notiert bei einem Börsenwert von insgesamt 57 Milliarden Dollar.

Obwohl der E-Autopionier schon vor Wochen leichte Korrekturen vornehmen musste, was die Zahl der Auslieferung seiner E-Autos anbetrifft, und die E-Autos vom Preis eher im Luxussegment anzusiedeln sind, ist die Börse geradezu entzückt. Und das, obwohl das Model Model S je nach Ausführung zwischen 68.000 und bis zu 134.000 Dollar verkauft wird. Der SUV ist mit 85.000 Dollar noch immer preislich ein nobles Schwergewicht. Das Model S soll das Eis brechen und mit 35.000 Dollar ab der zweiten Jahreshälfte auch für weniger gut betuchte Autofreunde erschwinglich sein.

Musk will bis 2018 die Produktion seiner E-Autos auf 500.000 Autos steigern. Bis 2020 will er gar die Millionengrenze erreicht haben. Elon Musk ist vor rund 15 Jahren mit der Gründung von Tesla angetreten, um die Autoindustrie zu revolutionieren.

Die Fanboys auf der Analystenseite

Das Griss um Tesla dürfte zuletzt auch viel mit der Person Elon Musk zu tun haben, der geradezu als neue Visionär abgefeiert wird. Und kaum wie kein anderer Unternehmenslenker einerseits die Öffentlichkeit sucht und polarisiert. Letzteres unter anderem auf Seiten der Analysten, die der Tesla-Story viel Fantasie bescheinigen und gar Großes für die Zukunft in Aussicht stellen. Während die einen Tesla als "Fan-Boys" wie einst dem Computerbauer Apple wohl gesonnen sind und auf die Zukunft des Unternehmens und die Musk-Ideen setzen, gibt es mindestens genauso viele Kritiker.

"Das ist die ultimative Blase", glaubt indes Ex-GM-Chef Lutz, wie die "Washington Post" berichtet. Wenngleich er auch etwas Sympathie für Tesla übrig hat. "Tesla Autor sind in Ordnung, aber nicht das Businessmodell." Lutz glaubt sogar, dass Tesla gar existenzgefährdet ist, sollte das Unternehmen nicht bald eine halbe Million Autos vom Band lassen. Und in eine paar Jahren würde auch die Konkurrenz von GM, Ford sowie Daimler und BMW E-Autos auf den Markt bringen, die die derzeitige einzigartige Vorreiterrolle von Tesla neutralisieren würden.

Michael Farr, Co_Eigentümer des US-Investmentunternehmens Farr, Miller & Washington, meint, dass die Zuschreibungen für Tesla "das Verrückteste ist, was er jemals erlebt hat". Vor allem weil auch im Jahr 2018 der Verlust nochmals ansteigen werde. Und dennoch korrigieren einige Analysten die Kurserwartung nach oben.

Als geradezu visionär und mit großen Vorschusslorbeeren überhäuft wurde Tesla von einem Analyst von Piper Jaffray, der abgesehen von den Fundamentaldaten glaubt, dass Tesla die Begeisterung von Verbrauchern und Investoren wecken kann. Keines der zur Zeit erhältlichen E-Autos soll nach dem Lobgesang von Piper Jeffray ein so cooles und sauberes Image haben.

Eine Börsenweisheit sind klarerweise die recht weiche Fakten, die psychologischen Beweggründe vorhalten. Und eine Wette quasi auf die Zukunft. Der Analyst hat auch das Kursziel von einst 223 Dollar auf 368 Dollar kräftig angehoben. Das Tesla-Papier notierte mit fast 314 Dollar auf Allzeithoch. Am Dienstag hatte das Papier allerdings etwas mehr als die Hälfte des Anstiegs von rund vier Prozent des Vortages wieder verloren.

Die Fantasie

Musk will neben seinen E-Autos auch in Stromspeicher und Sonnen-Akkus investieren, mit denen sich Privatpersonen quasi ihr eigenes Kraftwerk in den Garten oder aufs Dach stellen können. Ebenso plant er neue Verkehrskonzepte. Mit dem sogenannten Hyperloop will er ein Röhrensystem schaffen, durch das Menschen in Hochgeschwindigkeit etwa von der West- zur Ostküste in weniger als einer Stunde befördert werden, statt über vier Stunden im Flugzeug sitzen zu müssen. Außerdem will er die Raumfahrt mit dem Projekt SpaceX revolutionieren und eigene Raketen ins All schicken - unter anderem auch in Kooperation mit der NASA.

Die Verblüffung für die Anleger

"Des einen Leid, des anderen Freud" heißt das Motto freilich an der Börse. Doch einige Anleger, die auf Tesla nicht vertraut haben, dürften in den vergangenen Monaten viel Geld verloren haben. Wer "short" auf Tesla gegangen ist, also auf sinkenden Kurse gesetzt hat, dürfte ziemlich durch die Finger schauen. Und hat viel Geld verloren.

Trotz schlechter Fundamentaldaten hat Teslas Aktienkurs seit Jahresbeginn fast 50 Prozent zugelegt. "Schlechte Zeiten für Short-Seller", feixte kürzliche Elon Musk in Richtung derer, die auf sinkenden Tesla-Kurs gesetzt haben. Laut "Business Insider" dürften einige Investoren mit Short-Selling. Deren Spekulationsverluste mit der Tesla-Aktie sollen sich seit Jahresbeginn somit auf 3,2 Milliarden Dollar belaufen. Der Fehler der Spekulanten: Sie dürften angeblich einen Trend nicht erkannt haben.

Wie lange der Aufstieg der Aktie noch andauert, wird sich letztendlich auch auf von weiteren Botschaften des Unternehmens zu konkreten Daten, Zahlen und Fakten abhängen.

Sollte Tesla mit dem Model 3, das der Start des Massengeschäfts bedeutet, Problem haben wie bei den bisher avisierten Daten, die verfehlt wurden, könnte dies dem Aktienkurs einen Drall in die entgegengesetzte Richtung geben. Bis Juli dürfte die Aktien noch im sicheren Hafen vor sich hinsteuern. Die Auslieferungen des 35.000 Dollar teuren Model 3 soll in der zweiten Jahreshälfte über die Bühne gehen. Und auf für fundamentale Umsätze sorgen.

Andreas Lampl, Chefredakteur trend

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