Tesla, Gewinner der Dieselkrise, geht mit Model 3 auf Überholspur

Auslieferung der ersten Tesla Model 3 aus der Fabrik in Fremont, Kalifornien.

Auslieferung der ersten Tesla Model 3 aus der Fabrik in Fremont, Kalifornien.

Während die deutschen Automobilhersteller mit den Folgen der Dieselkrise zu kämpfen haben beginnt der Elektroauto-Spezialist Tesla mit der Auslieferung seines ersten Großserien-Fahrzeugs, dem Model 3.

Das Wettrennen in der Elektromobilität nimmt Fahrt auf: Während sich die deutschen Autokonzerne noch mit den Folgen des Diesel-Desasters herumschlagen, fährt der Elektroauto-Pionier Tesla seine Produktion hoch.

Dass die von US-Milliardär Elon Musk gegründete Firma gleichzeitig immer tiefer in die roten Zahlen fährt, verunsichert derzeit niemanden. Börsen-Händler schauen stattdessen auf den Umsatz, der sich bei Tesla im abgelaufenen Quartal mehr als verdoppelt hat. Die Aussicht auf eine weiter anziehende Nachfrage ließ die Tesla-Aktie nach US-Börsenschluss um bis zu acht Prozent nach oben schnellen. Die Anleger setzen darauf, dass das Unternehmen bald zu einem Massenhersteller von E-Mobilen aufsteigt und die Konkurrenz abhängt.

Tesla Aktie, Ein-Jahres-Jentwicklung; Stand vom 4. August 2017: 347,09 $. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Tesla Aktie, Ein-Jahres-Jentwicklung; Stand vom 4. August 2017: 347,09 $. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Doch das Rennen im Bereich der Elektromobilität ist noch völlig offen. Auch Deutschlands Autohersteller investieren massiv. Bis zu einem Viertel der Fahrzeuge von Volkswagen und Daimler sollen im nächsten Jahrzehnt Elektroautos sein. VW hat Tesla den Kampf angesagt und will Elektroautos günstiger anbieten als der US-Konkurrent.

Dieselkrise gibt Tesla Schwung

Aktuell spielt Tesla allerdings die Dieselkrise in die Hände. Denn VW, Daimler & Co haben ein Problem: Wenn die Kunden das Vertrauen in den Diesel verlieren und weniger Selbstzünder kaufen, gehen ihnen Einnahmen verloren, um Geld in die Erforschung von Zukunftstechnologien zu stecken. Tesla dagegen kann unbelastet durchstarten.

"Tesla kümmert sich intensiv um die Elektromobilität. Das tun die Deutschen auch, aber sie steht bei ihnen nicht im Fokus", urteilt Frank Schwope, Autoanalyst der NordLB Bank. "Die Konzentration auf die Elektromobilität fehlt." Wegen der vielen Baustellen von der Dieselkrise bis hin zu den Kartellvorwürfen könne sich das Management dem Aufbau batteriebetriebener Mobilität nicht so stark widmen. Aufgrund dieses Handicaps steht auch die Technologieführerschaft der deutschen Konzerne auf dem Spiel.

Tesla fährt unterdessen die Produktion seines neuen Model 3 hoch, mit dem das Unternehmen nach Erfolgen im Premiumsegment nun zum Massenhersteller aufsteigen will. Wöchentlich gehen nach Unternehmensangaben 1.800 Vorbestellungen für den Wagen ein. 455.000 Vormerkungen gebe es bislang, sagt Firmenchef Musk. Er korrigiert damit frühere Angaben, wonach sich schon mehr als eine Million potenzielle Kunden registriert hätten. Ende Juli wurden die ersten 30 Model 3 ausgeliefert.

Enorme Anlaufkosten

Die Vorbereitung auf den Model-3-Start und Investitionen in eine riesige Akku-Fabrik in Nevada kosteten zuletzt aber viel Geld. Zur Jahresmitte verfügte der Konzern noch über Barbestände von rund drei Milliarden Dollar - nach vier Milliarden zum Ende des Vorquartals. Finanzchef Deepak Ahuja sagte, die Ausgaben seien auf einem "historischen Hoch" von mehr als 100 Millionen Dollar pro Woche. Über eine Kapitalerhöhung denkt Firmenchef Musk nach eigenen Worten aber trotzdem nicht nach. Stattdessen setzt er darauf, dass immer mehr Geld wieder hereinkommt: Die Auslieferungen sowohl der Sportlimousine Model S wie des zweiten bereits für den Markt in Serie produzierten Modells, dem SUV Model X, würden sich im zweiten Halbjahr steigern.

Für das erste Halbjahr hatte Tesla seine Absatz-Prognose gerade so eingehalten. Der Konzern lieferte gut 47.000 Fahrzeuge des Model S und X aus. Die eigene Vorhersage hatte bei 47.000 bis 50.000 gelegen. Eine Unterversorgung mit neuen Batterien beeinträchtigte dann aber bis Juni die Produktion. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Quartal auf 2,8 Milliarden Dollar, der Verlust weitete sich auf die Rekordmarke von 336,4 Millionen Dollar aus.

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