Tesla-Chef Musk zieht die Kryptowährungen runter

Tesla-Chef Musk wirbelt wieder einmal kräftig Staub auf: Dieses Mal am Kryptomarkt, den er noch bis vor Kurzem so hofiert und damit für massive Kursaufschläge gesorgt hatte. Nun geht es in die andere Richtung. Bitcoin notiert auf Dreimonatstief.

Tesla-Chef Musk zieht die Kryptowährungen runter

Schlagseite für Bitcoin: Tesla-Chef Elon Musk sorgt via Twitter für reichliche Verunsicherung - wieder einmal.

Wenn Elon Musk bei Twitter postet, dann werden insbesondere Spekulanten aufmerksam: Der Spannungsbogen reicht dabei von euphorisch bis hin zu größter Nervosität. Denn Der Gründer des E-Autopioniers Tesla pfeift dabei auch oft auf die Regeln, die für börsenotierte Unternehmen gelten. Musks Tweets nehmen die Spekulanten oft als Handlungsanweisung für Deals an den Börsen.

Jüngster Vorgang: Mit seinen jüngsten Tweets hat Tesla-Chef Musk nun der Kryptowährung Bitcoin einen kräftigen Schlag versetzt: Die Kryptowährung Bitcoin ist seit voriger Woche massiv unter Druck und auf dem Sinkflug. Der Bitcoin-Kurs ist seither um über 20 Prozent abgestürzt. Aber auch die anderen Kryptowährungen im Sog mitgezogen worden.

Auf der Handelsplattform Bitstamp hatte Bitcoin ein Tagestief von 42.185 US-Dollar erreicht. Das ist der tiefste Stand seit Februar. Auch andere bekannte Digitalwährungen wie Ether, XRP oder Dogecoin gaben erheblich nach.

Was war passiert? Nur wenige Monate nachdem der CEO und Gründer von Tesla bekanntgegeben hatte, die Kryptowährung Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren, kommt nun der Rückzieher. Tesla wird künftig zur Zahlung keine Bitcoins mehr akzeptieren. Das zum Jahresbeginn noch mit großer Propaganda angekündigte alternative Zahlungsmodell wird eingestampft.

Musks wandelt sich vom Saulus zum Paulus

Der als der Umwelt- und Technologievordenker beschworene Musk will erst jetzt auf einmal festgestellt haben, dass das sogenannte Mining von Kryptowährungen einen massiven Energieaufwand bedeutet. Die Transaktionen, die Herstellung und die Kursbestimmung von Bitcoins via Internet führt zu einem massiven Stromverbrauch. Ganze Serverfarmen müssen dafür eigens Rechenkapazitäten zur Verfügung stellen, die dabei Unmengen Strom erzeugen, der aber nicht produktiv sich in Gütern niederschlägt. Und der dabei erzeugte Strom wird hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen erzeugt, was eigentlich die Ideen von E-Autopionier Musk konterkarrieren müssten. Echte Umweltschützer und -aktivisten belegen objektiv mit Zahlen, Daten und Fakten, dass die Produktion von Kryptowährungen eine reine Stromvergeudung sei.

Doch Musks Wandel vom Saulus zum Paulus ist wohl rein ökonomisches Kalkül. Geläutert und nach einem erfolgreichen Geschäftsquartal von Tesla mit rund 300 Millionen Gewinn, hat Musk nun den Stecker gezogen. Und zwischendurch hat der Tesla-Chef für sein Unternehmen die Bitcoin-Rally genutzt, um offenbar Kasse zu machen, während andere weiter und weiter auf steigende Kurse setzten.

Die Irritation ist indes groß. Wurden doch in den vergangenen Monaten im Sog von Musks losgetretenen Kryptowellen schon erste Fonds aufgelegt, in denen Bitcoins und andere Kryptowährungen verpackt wurden. Das Kryptofieber wurde vom Tesla-Chef so richtig angeheizt. Und nun der Absturz, weil Musk seine Meinung offenbar schlagartig geändert hatte.

Was die Spekulanten zudem verunsichert, was Tesla nun mit den Bitcoin-Reserven machen wird. Für 1,5 Milliarden Dollar soll die E-Auto-Company noch Bitcoins auf der hohen Kante haben. Womit sich nun zwei Fragen stellen: Erstens, hat Tesla vor, die Bitcoins auf den Markt zu werfen und nun Kasse zu machen? Oder zweitens: Ist das vielleicht schon geschehen?

Der Musk-Effekt

Um den 20. Dezember notierte Bitcoin bei 20.000 Dollar. Nachdem Musk eifrig die Stimmung in der Kryptoszene anheizte, etwa mit dem Tweet Bitcoin als Zahlungsmittel für Tesla zu akzeptieren, zog der Kurs an. Zukäufe von Bitcoins durch Tesla selbst bis zum Wert von 1,5 Milliarden Dollar lösten in Folge geradezu eine Hysterie bei Kryptospekulanten, als auch bei bei institutionellen Anlegern und ihren Fondsmanagern aus. Der Kurs von Bitcoin zog bis Mitte April an und notierte bei 64.863,10 am 14. April 2021 das Alltime-High. Im Vergleich: Vor knapp einem Jahr am 25. Mai 2020 war ein Bitcoin gerade einmal 8.719,67 Dollar wert. Und so gut wie ohne Perspektive.

Doch mit dem Sinneswandel und den jüngsten Tweets von Elon Musk ging es zuletzt wieder bergab. Am Montag ging der Kurs nach massiven Verlusten der Vorwoche einmal mehr in die Knie: Bitcoin und andere Kryptowährungen notierten teilweise um fast zehn Prozent unter dem Freitagskurs. Seit Mittwoch hatte Bitcoin somit um satte 20 Prozent verloren. Doch Tesla-Chef Musk beschwichtigte, und meinte Bitcoins wären weiterhin eine gute Sache. Tesla denke nicht daran, Bestände abzubauen. Vielmehr wollte Musk seine Twitteria beruhigen: "Tesla hat noch keinen einzigen Bitcoin verkauft." Nur bedingt dürften die Spekulanten dem Spuk trauen. Am Dienstag notierte Bitcoin weiterhin im Minus. Gegen Mittag (MEZ) war das Minus gegenüber Montag etwas eingebremst bei nur mehr rund 1,5 Prozent. Bitcoin notierte bei 44.135,70 Dollar.

Die Krypto-Community war jedenfalls außer sich, vor allem diejenigen, die an steigende Kurse glaubten. Kaum Wunder, dass sich der Frust dann auch via Twitter zurück an an die Adresse von Elon Musk entladen hat - von Unverständnis bis hin zu Hasstiraden und übelste Beschimpfungen. Alleine auf das Tweet "Bitcoin is down 20% since @ElonMusk started shitposting" erzeute einen von vielen Shitstorms.

Das Musk-Setting

Der Regelbruch, manche nennen es euphemistisch "Disruption", ist Teil der Musk'schen Universums, Vorgangsweise und Teil seines Settings sowohl als Unternehmer bei Tesla als auch bei seinem Weltraumunternehmen SpaceX.

Eingeraucht mit Cannabis hatte sich der E-Autopionier selbst vor ein paar Jahren via Twitter exponiert und für massive Aufregung gesorgt. Und damit die US-Wertpapieraufsicht auf den Plan gerufen wegen illegaler Kursbeeinflussung zu ermitteln. Musk musste kurzfristig als CEO zurücktreten. Den Ruf selbst mit unorthodoxen Mitteilungen Kurspflege zu betreiben, ist der heute 49-Jährige in Südafrika geborene Kanadier nie los geworden. Sein Vermögen wird derweil auf rund 145 Milliarden Dollar laut Forbes-Magazin geschätzt, vorige Woche betrug es sogar noch 166 Milliarden Dollar. Der Absturz dabei kam nachdem er sich im Fernsehen geoutet hatte, dass er am Asperger-Syndrom leide.

Elon Musk auf dem Weg zu seinem Autowerk und der "Giga Factory" nach Grünheide bei Berlin.

Dass es Musk auch mit den Gesetzen in anderen Staaten nicht so genau nimmt, zeigt auch den Bau einer Autofabrik und einer sogenannten "Gigafactory" für die Herstellung von Brennstoffzellen, vor den Toren von Berlin. Der Bau ist schon weit fortgeschritten, ohne dafür sämtliche Genehmigungen zu haben. Bisher ist nicht absehbar, wann und ob diese erteilt wird.

In Grünheide bei Berlin, einem riesigen Areal, das bis dato zum Teil ein Natur- und Wasserschutzgebiet ist und größtenteils Wald war, wurden ganze Wälder bereits gerodet. Zudem wird Tesla aller Voraussicht nach pro Tag einen Wasserverbrauch für die Produktion benötigen, mit dem eine Kleinstadt üblicherweise versorgt wird. Das Ärgernis: Bisherige Berechnungen gingen von einem weitaus niedrigerem Verbrauch aus.

Teslas Bau ist umstritten, zumal mit dem Bau schon begonnen wurde, obwohl der US-Konzern nur vorläufige Genehmigungen der Behörden bekommen hat. Werkshallen, aber auch Zufahrtsstraßen sind schon errichtet. Im Juni sollten dort die ersten Autos schon vom Band gehen.

Aber nicht nur wegen fehlender Genehmigungen, sondern auch wegen seiner rücksichtslosen Art, Gesetze und Regeln mit seinem unerschrockenen, halblegitimen und gar rücksichtslosen Handeln zu brechen oder mit dem Verhalten Fakten zu schaffen, so dass die Behörden zu keinem anderen Beschluss mehr kommen könnten, als die ausstehenden Genehmigungen schlussendlich zu erteilen, trotz objektiver Bedenken.

Tesla baut bei Berlin sein neues Werk - für die Baustelle gibt es aber nur vorläufige Genehmigungen. Die Betriebsanlage selbst ist noch nicht genehmigt.

Doch nicht nur die bis an die Grenzen ausgereizten Regeln und Verordnungen bringt die Kritiker auf Musks auf den Plan. Zudem wurden auf den Baustellen auch in den Lockdown-Phasen der Corona-Pandemie Bauarbeiter beschäftigt. Ganz abgesehen davon, würden etliche der Arbeiter über Sublieferanten unter den geltenden Kollektivverträgen auf der Baustelle beschäftigt.

Und Musk wird nicht müde die Behörden zu kritisieren, die für das Genehmigungsverfahren zuständig sind. Der US-Konzern ist unzufrieden, weil der Bau nicht zügig vorankommt.

Der Tesla-Absturz

Tesla hat an der Börse auch schon bessere Zeiten erlebt: Die Tesla-Aktie [ISIN US88160R1014] notierte am Dienstag [MEZ 15:15 Uhr] mit 576,83 Dollar 1,45 Prozent schwächer. Aber weit entfernt vom Jahres- und Alltime-High: Der Börsenliebling der Spekulanten und Analysten hatte Anfang Januar 2021 noch bei 880,02 Dollar notiert. Und binnen fünf Monaten somit über 34 Prozent an Wert eingebüßt.

Der E-Autopionier war gemessen am Börsenwert mehr wert als etwa Volkswagen, Daimler und BMW zusammen, obwohl Tesla nur ein Bruchteil der Stückzahlen produziert, die bei den Konkurrenten vom Band rollen. Das oberste Limit an der Börse schien für die Tesla-Fanboys und Fangirls keine Grenzen zu haben. Doch gibt es noch immer Analysten, die an ihrem prognostizierten Kursziel von 1000 Dollar unbedingt festhalten.

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher

Arbeits- und Wirtschaftsminister Kocher: "Kein Grund für Panik"

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher über die Energiekrise und …

Hohe Energiekosten: Gratisstrom für alle scheint eine gangbare Lösung zur Eindämmung zu sein.

Gratis-Strom: eine "überlegene Handlungsoption"

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat seinen Vorschlag für ein …

Erste Group CEO Willibald Cernko

Erste Group CEO Willibald Cernko: "Wir sollten uns nicht so fürchten"

Der neue Erste-Group-Chef Willibald Cernko im trend. INTERVIEW über …

Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich.

Martin Selmayr: „Der Rubel ist auf der Intensivstation“

Martin Selmayr, Leiter der EU-Kommissions-Niederlassung in Österreich, im …