Telekom-Chef Arnoldner: "Wir würden gerne freier agieren" [Interview]

Telekom-Chef Arnoldner: "Wir würden gerne freier agieren" [Interview]

Telekom Austria CEO Thomas Arnoldner

Thomas Arnoldner, neuer CEO der A1 Telekom Austria Group, über Regulierungen, die erste 5G-Versteigerung im Jahr 2019, die Champions League, die Auslandstöchter und eine Antwort des früheren Google-Chefs Eric Schmidt.


Thomas Arnoldner über...

  • ... den 5G-Test mit der Konkurrenz - im Dreier-Pakt.
  • ... die bevorstehende 5G-Versteigerung und die Regulierung.
  • ... was die neue Bandbreite den Kunden bringt.
  • ... den ewigen Kampf gegen die Trittbrettfahrer Google & Co.
  • ... die Telekom und ihre Auslandstöchter.

trend: Am Wiener Christkindlmarkt vor dem Wiener Rathaus wurde 2018 nicht nur Punsch getrunken, sondern gleich die nächste Mobilfunkgeneration 5G getestet. Wie kam es dazu?
Thomas Arnoldner: Es ist wichtig für uns als Industrie, 5G als Technologie noch besser zu verstehen. Noch bei jedem Technologiesprung haben wir gemerkt, dass man einfach eine gewisse Zeit braucht, bis man die Spezifika versteht und gut beherrscht. Wir testen das Zusammenspiel verschiedener Komponenten und natürlich auch, ob die Erwartungshaltungen erfüllt werden. Die Idee war, die Technologie einem kleinen Stresstest auszusetzen.

Spannend ist, dass die drei großen Anbieter mit eigener Infrastruktur, A1, T-Mobile und Drei, gemeinsam getestet haben. Ein Vorgeschmack auf neue Allianzen?
Wir sind ja schließlich in einer Industrie, deren Kerngeschäft die Vernetzung ist. Dazu gehört, dass man in unterschiedlichsten Bereichen zusammenarbeitet, international etwa im Bereich der Standardisierung, national zum Beispiel beim Ausbau der Bahnstrecken (Mobilfunkversorgung, Anm. ). Wir arbeiten zusammen, wenn es ums Teilen von Infrastruktur geht, etwa von Masten. Nur beim Kampf um die Kunden sind wir immer Wettbewerber.


Die 5G-Technologie wird uns viele neue Möglichkeiten geben.

Wettbewerber werden Sie auch 2019 sein, wenn die erste 5G-Versteigerung stattfinden wird. Sie dürfen das vermutlich nicht kommentieren, aber der Regulator hat bereits angedeutet, dass möglicherweise auch kleinere Wettbewerber aus dem Energieversorgerbereich mitbieten werden. Wie wird das den österreichischen Markt verändern?
Ich kann, darf und will nicht darüber spekulieren, was in einem laufenden Verfahren passiert, auch nicht darüber, wer an diesem Verfahren teilnehmen könnte. Faktum ist, dass 5G ein wichtiger Schritt für die Industrie ist. Die Technologie wird uns viele neue Möglichkeiten geben, etwa entlegene Gebiete mit sehr hoher Bandbreite zu versorgen, und das auf eine viel kostengünstigere Art und Weise. Denken Sie an die vielen Maschinen, die man miteinander verknüpfen kann. Oder denken Sie an eine Livesportübertragung, wo 4K-Bilder in Echtzeit nach Hause geliefert werden, wo Sie als Zuseher zu Hause selbst die Perspektiven wechseln können. Das sind Dinge, die brauchen sehr viel Know-how. Wir haben als Telekom-Anbieter sehr viel Erfahrung darin, und das wird uns auch künftig von anderen möglichen neuen Markteinsteigern unterscheiden.

Was machen Ihre Kunden eigentlich mit der ganzen Bandbreite?
Das Schöne ist ja, dass die Bandbreite noch immer ihre Abnehmer gefunden hat. Evident ist, dass der größte Treiber nach wie vor das Bewegtbild ist. Wir sehen jährlich ungefähr eine Verdoppelung der genutzten Bandbreite, und die wird für ganz unterschiedliche Dienste in Anspruch genommen, Streamingdienste wie A1 Xplore TV oder unseren eigenen Kanal A1 Now, der zu Hause am Fernseher, Tablet oder Smartphone genutzt wird.

Oder E-Sports vermutlich. A1 sponsert ja die Österreich-Liga. Sind Ihre Kinder eigentlich schon alt genug für E-Sports?
(Lacht.) Der Größere ist sechs. Aber wir merken natürlich, dass das Interesse an diesen Tools sehr groß ist, weil sie es bei den Eltern erleben. Und wir sehen auch, dass die Nutzungsschwelle eine sehr niedrige ist. Es ist ja im Wortsinne kinderleicht zu bedienen, und das macht es für die Kleinen superinteressant.


Europas Telekom-Unternehmen sind zu stark reguliert.

Ein Dauerklagethema der Telekom-Anbieter sind die unterschiedlichen Spielbedingungen der großen, meist US-amerikanischen Diensteanbieter und der lokalen Telekom-Konzerne. Sehen Sie das auch so?
Wenn man sich ansieht, wo die Wertschöpfung passiert, geht vieles zu diesen Playern - die unsere Infrastruktur nützen -, und nicht in den klassischen Telekom-Bereich. Ich hatte kürzlich Gelegenheit, mit dem ehemaligen Google-Chef Eric Schmidt zu reden und ihn zu fragen, woran es liegt, dass die Telcos in Europa nicht mehr davon profitieren können. Seine knappe Antwort: Sie sind zu stark reguliert, um an diesem Wettbewerb teilnehmen zu können. Interessant, wenn das aus diesem Mund kommt. Wir sollten uns aber nicht zu sehr auf die Regulierung ausreden. Wir machen viel, um für unsere Kunden relevanter zu werden. Denken Sie an das TV-Service, an die eigenen Streamingdienste oder den Smart-Home-Bereich. Natürlich gibt es Bereiche, wo wir gern freier agieren würden und wo wir mehr Wertschöpfung aus Österreich heraus haben möchten. Die österreichische Regierung hat das erkannt, und es gibt auch Anzeichen auf europäischer Ebene, dass es zu einem Umdenken kommt. Merkel hat vor ein paar Wochen gesagt, wir brauchen mehr internationale Champions. Aber das ist natürlich ein Prozess, der in einer sich sehr schnell wandelnden Industrie manchmal nur sehr langsam stattfindet.

Verbesserte Rahmenbedingungen für die Digitalisierung Österreichs scheinen der Regierung tatsächlich ein großes Anliegen zu sein, und sich bei ihren Beteiligungen auch stärker zu involvieren, die in der ÖBAG neu gebündelt werden. Was bedeutet das für A1?
Aus Vorstandssicht ist es wichtig, Eigentümer zu haben, die ein großes Interesse für das Unternehmen mitbringen, die die strategischen Herausforderungen verstehen und nachhaltig an der Weiterentwicklung des Unternehmens mitarbeiten. Ich glaube, dass der Schritt zur ÖBAG genau das zum Ziel hat. Meine Wahrnehmung ist bislang sehr positiv und wird sich 2019 hoffentlich weiter verstärken.


Digitale Infrastruktur ist ein entscheidender Standortfaktor.

Heißt mehr Einfluss?
Ich glaube, dass die digitale Infrastruktur einer der ganz entscheidenden Standortfaktoren für das Land ist. Deswegen ist es wichtig, eine stabile und positive Eigentümerstruktur für das Unternehmen zu haben.

Wie sieht die 2018er-Bilanz der A1-Auslandstöchter aus?
Wir haben Wachstum, aber unterschiedliche regionale Entwicklungen. Slowenien ist aufgrund des intensiven Wettbewerbs am Mobilfunkmarkt sicher eine Herausforderung. Dafür haben wir in Serbien, Bulgarien und Mazedonien wichtige strategische Schritte setzen können in Richtung Konvergenz oder auch in Richtung Content. In Bulgarien sind wir einer der wichtigsten Sportrechteinhaber: Wir haben dort die Champions-League-Rechte, auch die für die spanische und italienische Liga. Dieses Angebot nehmen die Kunden sehr gut an. Auch in Kroatien haben wir die Champions League. In Mazedonien sind wir einer von zwei konvergenten Anbietern im Markt. Insgesamt sind wir sehr zufrieden. Selbst in Weißrussland hat sich die makroökonomische Entwicklung verbessert. Es ist nicht mehr so turbulent, wie es vor einigen Jahren war. Wir haben dort aber noch keine 4G-Lizenz. Das wäre ein wichtiger Schritt.


Zur Person

Thomas Arnoldner , 41, folgte am 1. September 2018 Alejandro Plater (nun COO) als CEO der A1 Telekom Austria Group nach. Er war zuletzt in der Geschäftsführung von T-Systems Austria für Vertrieb und Service zuständig. Davor war er u. a. für Nokia und Alcatel-Lucent tätig. Die Gruppe erwirtschaftete im dritten Quartal 1,13 Mrd. Euro Umsatz (+1,4 %) und ein Nettoergebnis von 116,7 Mio. Euro (-21,1 %), das u. a. auf Markenwertabschreibungen zurückzuführen ist.


Das Interview ist der trend.PREMIUM-Ausgabe 50-52/2018 vom 14. Dezember 2018 entnommen.

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