Telekom-CEO Ametsreiter: Sein Abgang, seine Karrierestationen

Telekom-CEO Ametsreiter: Sein Abgang, seine Karrierestationen

Hannes Ametsreiter war seit April 2009 Chef der Telekom Austria, zum 31. Juli wird er das Unternehmen verlassen.

Hannes Ametsreiter zieht überraschend seinen Hut und verlässt zum 31. Juli die Telekom Austria. Der 48-Jährige CEO bat den Aufsichtsrat um eine vorzeitige Auflösung des Vertrages. Warum Ametsreiter zurücktritt und wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt. Der Salzburger hätte im nächsten Jahr sein 20-jähriges Dienstjubiläum gefeiert.

Die Telekom Austria braucht einen neuen Generaldirektor. Hannes Ametsreiter verlässt am 31. Juli 2015 nach fast 20 Dienstjahren, die letzten sechs als Vorstandschef, den teilstaatlichen Ex-Monopolisten. Ametsreiter habe um eine einvernehmliche vorzeitige Vertragsauflösung ersucht. Einer mit den Vorgängen im Unternehmen vertrauten Person zufolge findet das Treffen des Kontrollgremiums am 24. Juli statt.

Laut "Kurier" verlässt Ametsreiter das Unternehmen freiwillig, laut "Presse" auf Druck des mexikanischen Mehrheitsaktionärs America Movil. Der zweite Kernaktionär, die Staatsholding ÖBIB, die den neuen Generaldirektor vorschlagen darf, ist bereits dabei, einen Prozess für die Nachfolgeregelung aufzusetzen.

Betriebsratschef Walter Hotz hat bereits zwei Namen parat: Siegfried Mayrhofer und Alejandro Plater. Aus seiner Sicht sollte die ÖBIB einen der beiden bisherigen Vorstände als Generaldirektor nominieren. Die Telekom Austria habe lange Zeit einen Zweiervorstand gehabt, so Hotz. Dies sei ausreichend.

Wer als Nachfolger von Ametsreiter nominiert wird, entscheidet gemäß Syndikatsvertrag die ÖBIB und damit deren neue Geschäftsführerin Martha Oberndorfer. Es ist ihre erste wichtige Entscheidung als ÖBIB-Chefin, nachdem sie erst vergangene Woche Rudolf Kemler abgelöst hat. Die ÖBIB ist dem Finanzministerium unterstellt. Die Nominierung sei aber Thema der ÖBIB, nicht des Finanzministeriums, erklärte die Sprecherin von Finanzminister Hans Jörg Schelling. Dieser war überrascht über den Abgang Ametsreiters. Sollte bis Ende Juli kein Nachfolger gefunden sein, würde der stellvertretende CEO, Alejandro Plater, interimistisch die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden übernehmen.

Angebot, dass man nicht ablehnen kann

Aufsichtsratschef Wolfgang Ruttenstorfer dankte Ametsreiter für die "Führung des Unternehmens in herausfordernden Zeiten, auch in der Phase des Überganges der Telekom Austria Group zu einer Konzerngesellschaft der America Movil". Laut "Kurier" hat Ametsreiter ein besseres Angebot. Wohin er wechseln wird, sei noch nicht kommuniziert, sagte der Sprecher.

Der Rücktritt des Firmenchefs komme überraschend, sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Einer der beiden Personen betonte, Ametsreiter hätte ein Angebot bekommen, das man nicht ablehnen könne. Ametsreiter selbst wollte sich heute noch nicht dazu äußern: "Ich bitte um Verständnis, dass ich heute noch keine konkrete Aussage machen kann, welche Aufgaben das sein werden", erklärte er in einem Schreiben an die Telekom-Mitarbeiter.

Abgang nicht freiwillig?

Laut "Presse" war sein Abgang allerdings nicht freiwillig. Der Druck von America Movil sei zu groß gewesen. Es sei ein "offenes Geheimnis" gewesen, dass Ametsreiters Vertrag, der im kommenden Herbst zur Verlängerung angestanden wäre, aufgelöst wird, berichtete die Zeitung in ihrer Onlineausgabe.

Die Aktien der Telekom Austria reagierten auf die während des Börsenhandels bekannt gewordenen Nachrichten kaum. Die Aktie war schon zuvor in einem schwachen Umfeld im Minus. Aktuell kostet sie 5,81 Euro, das ist ein Minus von 2,61 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag.

Ametsreiter hatte fast seine gesamte bisherige Berufskarriere bei der Telekom Austria absolviert. 1996 wechselte er vom Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble zur damaligen mobilkom Austria AG, seit 2009 ist er Generaldirektor der Telekom Austria Group. Er ist der längstdienende Chef des Unternehmens seit dem Börsengang im Jahr 2000. Der gebürtige Salzburger studierte zunächst in seiner Heimatstadt Publizistik und Sport und absolvierte nach seiner Promotion ein MBA-Studium in Kalifornien.

Ermittlungen gegen Ametsreiter noch nicht abgeschlossen

Als Nachfolger von Boris Nemsic musste Ametsreiter aber einen guten Teil seiner Arbeitszeit den Aufräumarbeiten nach einer Korruptionsaffäre im Zusammenhang mit dubiosen Aufträgen an den Lobbyisten Peter Hochegger widmen. Ametsreiter selbst ging aus der Affäre unbeschadet hervor, ebenso aus einem Skandal um Kursmanipulationen im Jahr 2004, für die mehrere hochrangige Telekom-Manager verurteilt wurden.
Nach wie vor nicht abgeschlossen sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien in der "Causa Burgtheater", auch gegen Ametsreiter selbst, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag auf APA-Anfrage bestätigte.

Fusion von Festnetz- und Mobilgesellschaft

Unter Ametsreiters Führung erfolgten auch wesentliche Weichenstellungen für die Telekom Austria: Er fusionierte 2010 die getrennten Festnetz- und Mobilfunkgesellschaften in Österreich zur A1 Telekom Austria AG und vergangenen Herbst wickelte er die eine Milliarde schwere Kapitalerhöhung ab.
Prägend für die Zukunft des Unternehmens war zuletzt der Einstieg des mexikanischen Telekom-Konzerns America Movil des Milliardärs Carlos Slim. Die Mexikaner bauten ihre Beteiliung ing in mehreren Schritten aus und kontrollieren das Unternehmen nun mit einer Mehrheit von 59,7 Prozent. Die Staatsholding ÖBIB hält 28,4 Prozent und hat laut Syndikatsvertrag des Vorschlagsrecht für den neuen Generaldirektor, den Nachfolger Ametsreiters.

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