Telekom Austria-Chef Plater: Über Schmerzen der Veränderung

Telekom Austria-Chef Plater: Über Schmerzen der Veränderung
Telekom Austria-Chef Plater: Über Schmerzen der Veränderung

Telekom-Austria-Chef Alejandro Plater hat das Vertrauen der Aufsichtsräte und offenbar seit heute auch der Investoren - die Aktie kommt in Bewegung. Beim Halbjahresergebnis wehrt er noch ab und beschwichtigt gestenreich.

Telekom-Austria CEO Plater glaubt, dass seine Strategie trotz rückläufigem Ergebnis im 1. Halbjahr greift. Er will in dem kleinteiligen Telekom-Markt in Europa mit Expansion Größe gewinnen. Kritik kommt aus den eigenen Reihen wegen der Dividendenerhöhung.

Wien/Mexiko-Stadt. Am Freitag hatte Telekom Austria Chef Alejandro Plater in einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch noch ausgelassen. Die Aufsichtsratschefs hatten alleine das Wort ergriffen. Und zeigten sich darüber verwundert, wie die internen Befindlichkeiten bei der Telekom Austria in den Medien ihren Niederschlag finden. Und vor allem: Dass sich die Darstellung von CEO Alejandro Plater in der Öffentlichkeit nicht mit der Sicht des Aufsichtsrates deckt.

Die Schützenhilfe war offenbar notwendig geworden, denn dem seit August des Vorjahres amitierenden Telekom-Chef Plater weht spätestens seit Jahresbeginn ein rauher Wind ins Gesicht. Viel davon kommt aus den eigenen Reihen.

Am Montag stellte sich der CEO dann doch der Presse, galt es doch den Halbjahresbericht samt Ergebnisse zu erläutern. "Unsere Eigentümer sind mit unserer Performance sehr zufrieden", betonte Telekom-Austria-Chef Plater bei der Präsentation der Halbjahreszahlen eigentlich exakt das, was die Aufsichtsratschefs Wolfgang Ruttenstorfer (früher OMV-Chef) und Carlos García Moreno Elizondo, Finanzchef des Haupteigentümers América Móvil und stellvertretender Aufsichtsratschef, am Freitag bereits vorglegt hatten. Das Unternehmen sei in einem Transformationsprozess, "und das ist manchmal schmerzhaft", ergänzte Plater, der seit August 2015 CEO ist und in einer Doppelfunktion auch seine vorige Rolle als COO (Chief Operating Officer) fortführt. Zumindest bis auf weiteres.

Wandel mit Schmerzen

Seit drei Quartalen liegt die Telekom Austria über den Erwartungen. Plater selbst glaubt, den Rückhalt seiner beiden Hauptaktionären América Móvil (59,7 Prozent) und der Republik Österreich (über die Holding ÖBIB, 28,42 Prozent) zu haben.

Die kolportierten schlechten internen Umfragewerte zu seinem "Standing" unter den Mitarbeitern relativierte er. Dies sei eben auch eine Folge des Wandlungsvorganges. "Es wird immer Mitarbeiter geben, die man überzeugen muss", sagt Plater. Und etwa fünf Prozent werden den Wandel nicht mitmachen wollen. "Aber auch für diese Leute muss man das Unternehmen leiten."


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Bei den Chefausehern hat Plater noch immer Rückendeckung, das am Freitag vom den beiden Aufsichtsratschefs bekräftigt wurde. Es wurde seitens des Aufsichtsrats bereits eine "Trendumkehr" bestätigt, die CEO Plater geschafft habe. Eine Jobgarantie für Plater über die kommenden sechs Monate hinaus wollte jedoch das Aufseher-Chef-Duo nicht geben.

Der große Plan

Plater hat mit der Telekom noch Großes vor: In der nächsten Zukunft steht die Expansion am Plan, nachdem die Finanzen in den vergangenen zwei Jahren stablisiert wurden. In Europa gibt es laut Plater zu viele kleine Mobilfunkunternehmen. Und auch die Telekom sei derzeit zu klein für den internationalen Wettbewerb. "Wir wollen zurück zum Wachstum", bekräftigt Plater. Dafür sei heuer schon sehr viel Geld investiert worden.

Wachstumspotenzial sieht der Telekom-Chef auch bei neuen Services, etwa zur "künstlichen Intelligenz" und das "Internet der Dinge" (Internet 4.0). Hier müssten sich alle umstellen, so kämen durch die selbstfahrenden Autos und die damit rückläufigen Unfallzahlen die Versicherungen unter Druck.

Die Telekom setzt daher selbst auch auf Investitionen. Alleine in Österreich habe die Telekom in den ersten sechs Monaten 200 Millionen Euro investiert, rechnete Finanzchef Siegfried Mayrhofer vor. "In Summe war das erste Halbjahr gut, wir haben die Erwartungen übertroffen und erwarten auch ein gutes Gesamtjahr", erklärte der Finanzboss. Zu etwaigen Zukäufen meinte er: "Im jetzigen Zinsumfeld versucht man natürlich den Cashbestand kurz zu halten. Die Kapitalmärkte sind weit offen, es gibt Liquidität im Überfluss."

In Zahlen heißt das: Der Cash Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit verschlechterte sich im 1. Halbjahr um 18,6 Prozent auf 562,3 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung blieb mit 2,5 Milliarden Euro nahezu stabil.

Die Aktie hebt ab

In der Finanz-Community wurden die Halbjahreszahlen jedenfalls positiv aufgenommen. Die Telekom-Aktie (ISIN AT0000720008) war heute der Spitzenperformer im ATX und legte seit der Früh um bis zu 3,7 Prozent auf 5,35 Euro das Stück zu. Seit Amtsantritt von Plater hat das Papier rund 18 Prozent an Wert verloren.

Am Freitag hatte die Telekom bekannt gegeben, die Dividende von derzeit 5 auf 20 Cent je Aktie für das Geschäftsjahr anzuheben - trotz nicht gerade berauschender Ergebnisse.

Die Telekom Austria hatte am Freitag nach Börsenschluss die Ergebnisse für das 1. Halbjahr 2016 präsentiert. Beim Betriebsergebnis musste der Konzern einen Rückgang von 9,8 Prozent auf 231,7 Millionen Euro verkraften. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gab um ein Prozent auf 663,6 Millionen Euro nach. "Sondereffekte" hätten laut Telekom-Chef Plater auf das Ergebnis gedrückt. Beim Umsatz gab es ein Minus von 1,2 Prozent auf 2,04 Milliarden Euro. Analysten hatten mit einem Umsatzzuwachs von rund drei Prozent gerechnet.

Im 2. Quartal sei hingegen wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. um 4,9 Prozent auf 82,4 Millionen Euro gestiegen ist. Dies sei auf die starke Entwicklung in Österreich und die Nachfrage nach Festnetzprodukten bei den Töchtern in Südosteuropa zurück zu führen. Im Halbjahresvergleich war aber das Nettoergebnis um 4,6 auf 163,4 Millionen Euro zurückgegangen.

Die Sorgen der Töchter

Sorgen bereitet der Telekom vor allem die Tochter in Bulgarien, wo das Vorsteuerergebnis (Ebitda) um 13,5 Prozent nachgab.) sowie in Serbien (minus 14,8 Prozent) und vor allem in Slowenien wo ein Minus von 39,8 Prozent angeschrieben wurde. In Mazedonien erhöhte sich das Vorsteuerergebnis um 7,7 Prozent. In Kroatien gab es - bei einem erheblichen Anstieg der Investitionen - ein Ebit-Plus von 5,8 Prozent. Auch in Weißrussland gab es ein Plus (11,8 Prozent), wo die Telekom zuletzt von Amnesty International gerügt wurde.

Die Mobilfunktochter Velcom hat mit der Staatspolizei in Weißrussland zusammengearbeitet hat, indem sie Daten ausgehändigt hatte. "Das sei keine moralische oder ethische Kategorie", rechtfertigt Plater die Kooperation der TA-Tochter mit den Überwachungsorganen der weißrussichen Diktatur. "Es gibt Gesetze, die einzuhalten sind - das gilt auch, wenn sie etwa in Deutschland eine Tochter haben", meint Plater im Interviwe mit dem ORF Ö1-Mittagsjournal.

Kritik an der Anhebung der Dividende kommt von der Belegschaftsvertretung. Zentralbetriebsratschef Walter Hotz wirft der Staatsholding ÖBIB (28,42 Prozent der Aktien) vor, Arbeitsplätze mit ihrer Forderung nach einer höheren Dividende zu gefährden. "Das ist aus unserer Sicht geschäftsschädigende Unternehmenspolitik", sagt Hotz.

In Österreich hat sich einmal mehr der Personalstand reduziert. Er ging um 2,2 Prozent auf 8.464 zurück. Konzernweit, also mit den sechs südosteuropäischen Tochterunternehmen sowie Liechtenstein gab es einen Zuwachs von 9,8 Prozent auf 17.660 Mitarbeiter.

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