Tage der Wahrheit für VW: Rückruf-Lawine rollt an

Tage der Wahrheit für VW: Rückruf-Lawine rollt an

Ende Jänner beginnt der vom Volkswagen-Konzern angekündigte Rückruf der Autos mit manipulierter Software. In Deutschland müssen 2,4 Millionen Autos, in Österreich 388.000 in die Werkstatt. Es ist eine logistische Mammutaufgabe. Jede Werkstatt muss im Schnitt 1.100 Fahrzeuge betreuen. Die Arbeiten an den Autos werden durchschnittlich 90 Minuten dauern.

Für Volkswagen rücken die Tage der Wahrheit immer näher. Ende Jänner sollen die ersten Dieselwagen mit manipulierter Software in Deutschland und auch in Österreich in die Werkstatt rollen, damit die Mechaniker per Programm-Update den Auslöser für den größten Skandal in der VW-Firmengeschichte ausmerzen.

Auf das Netz der VW-Vertragswerkstätten rollt mit dem Massenrückruf in der Diesel-Affäre eine gigantische Arbeitswelle zu. Laut VW gibt es deutschlandweit 2.173 Volkswagen-Partner, deren Werkstätten für den Rückruf autorisiert sind. Damit ergeben sich mit den 2,4 Millionen zurückgerufenen Autos rechnerisch 1.100 Fahrzeuge pro Werkstatt. In Österreich müssen rund 388.000 VW-Fahrzeuge in die Werkstatt. Etwa 60 Prozent sind Autos mit 2.0-TDI-Motor mit Euro-4 und Euro-5, bei denen ein Software-Update genügt. Bei den 1.6-TDI-Modellen muss auch an der Hardware herumgeschraubt werden. Die Besitzer der Autos werden oder wurden bereits vom jeweiligen Importeur der Marke angeschrieben.

In Österreich gibt es derzeit 277 Servicebetriebe für VW, 223 für Audi, 180 für Skoda und 149 für Seat. Da die Rückrufaktion auch in Österreich nun über die Vertragswerkstätten abgewickelt werden soll, müssen diese 696 Werkstätten die 388.000 Autos verarzten, was einen Schnitt von 640 Fahrzeugen pro Werkstatt bedeutet. Andere Kfz-Werkstätten sind nicht involviert, weil der VW-Konzern die Arbeiten dokumentieren muss.

90 Minuten Boxenstopp

Brancheninsider gehen von durchschnittlich mindestens 90 Minuten Arbeitszeit pro betroffenem Wagen aus, worin neben der eigentlichen Nachbesserung auch die Zeit für Formulare und Dokumentation steckt. VW nennt 30 Minuten reine Arbeitszeit. Für die Kunden dürfte eine Stunde realistisch sein - rein ins Autohaus, dort den Papierkram erledigen, auf die Einfahrt in die Werkstatt warten, dann die halbe Stunde dort, dann wieder raus. Vielleicht gibt es auch Wartezeiten. Volkswagen wird versuchen, die Updates im Zuge des Jahresservice abzuwickeln.

Mit der 90-Minuten-Rechnung ergeben sich gut 200 Arbeitstage für eine Kfz-Arbeitskraft - wenn diese sich ausschließlich mit dem Rückruf beschäftigt. Je nach Personalschlüssel und Werkstattkapazitäten bräuchte also jeder VW-Servicepartner etliche Wochen für die Aktion. Und das neben dem Tagesgeschäft wie Reifenwechseln.

Kein Sicherheitsrisiko

In den nächsten Tagen, in Kalenderwoche vier, sollen zunächst alle deutschen Halter eines VW-Pick-Up-Trucks Amarok mit dem 2,0-Liter-Dieselmotor in Abgasnorm Euro-5 Post erhalten. Sie könnten dann voraussichtlich ab Ende Jänner in die Werkstätten. Feste Zeitfenster für die Fahrt zum VW-Service gebe es nicht. Die Halter hätten die Wahl bei der Absprache für einen Termin mit der Werkstatt. Das ist auch so üblich bei Rückrufen, die nicht sicherheitsrelevant sind. Die manipulierten Wagen sind noch immer fahrbereit und bergen kein technisches Risiko.

Nach den Amaroks folgen die ersten Varianten der Passat-Diesel mit 2,0 Liter Hubraum und Euro-5 - aber erst in einigem Abstand. Die ersten Passat-Halter sollen demnach frühestens im Februar Post bekommen. Wann die übrigen Passats drankommen, ist noch unklar. Auch zum Verkaufsschlager Golf, dem meistverkauften Pkw in Deutschland, sind noch keine Details klar. VW will aber möglichst zeitnah informieren.

Die vielen Wellen bei Anschreiben und Rückrufen hängen an den vielen Varianten, die sich mit den verschiedenen Motorgrößen, Modellreihen, Baujahren und Getriebearten ergeben. Frühestens ab April sind die betroffenen Motorversionen mit 1,2 Liter Hubraum an der Reihe. Im Herbst folgen die 1,6-Liter-Maschinen. Bei ihnen ist auch der Einbau eines Röhrchens mit Gitternetz nötig, es reicht nicht nur das Update der Software. Dennoch soll auch hier die reine Arbeitszeit noch unter einer Stunde liegen. "Wir bieten allen betroffenen Kunden eine angemessene und kostenfreie Ersatzmobilität an", verspricht VW.

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