"Die Tage des Verbrennungsmotors sind gezählt"

"Die Tage des Verbrennungsmotors sind gezählt"

Wirtschaftswissenschafter Karl Aiginger zieht eine kritische Bilanz des "Dieselgipfels": Die getroffenen Vereinbarungen seien ein falsches Zeichen, ein Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor bei Neuwagen ab 2030 realistisch.

Karl Aiginger, der frühere Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO und nunmehrige Leiter der "Querdenkerplattform Wien-Europa", hält die zwischen Verkehrsminister Jörg Leichtfried und Vertretern der Automobilbranche am österreichischen Dieselgipfel getroffenen Vereinbarungen für unglücklich. Dass der Umstieg auf neuere Dieselautos propagiert werde, ist für ihn das falsche Zeichen.

"Die Tage des Verbrennungsmotors sind gezählt, mit dieser Technologie geht es nicht weiter. Der Totalausstieg ist möglich", meint Aiginger. Der Wirtschaftswissenschaftler fordert die Wiederbelebung des Emissionshandels, Steuern auf Flug- und Schifffahrt sowie die Orientierung von Freihandelsabkommen an ökologischen Kriterien. Eine Wende in der Verkehrspolitik hin zu einer Ökologisierung wäre mittelfristig "günstiger als das Dahinwurschteln".

Benzin oder Diesel - die falsche Frage

Ob Benzin oder Diesel besser ist, ist die falsche Frage", stellte Aiginger bei der Präsentation der VCÖ-Publikation "Ausgeblendete Kosten des Verkehrs" fest. Der Verkehr sei nämlich nicht nur für ein Viertel der Emissionen verantwortlich, im Gegensatz zu anderen Sektoren würden hier auch noch die Emissionen deutlich steigen, warnt er.

Der Dieselskandal verdeutliche, wie Gesundheitsschäden an die Allgemeinheit ausgelagert werden. Stickoxide führen zu Atemwegserkrankungen und Lungenschäden und belasten das Gesundheitssystem. Es sei inakzeptabel, wenn die Abgasreinigung nur über 15 Grad Celsius funktioniere. Gerade in der kalten Jahreszeit wäre die Schadstoffbelastung ohnedies sehr hoch. "Der Verbrennungsmotor ist mit den Klimazielen nicht vereinbar", stellt Aiginger fest.

Verbrennungsmotor: Ausstieg ab 2030 möglich

VCÖ-Experte Markus Gansterer hält einen Ausstieg aus Benzin und Diesel bei Neuwagen ab dem Jahr 2030 für realistisch möglich. Dadurch würden auch die Kosten für Ölimporte reduziert. Österreichs Privathaushalte geben aktuell mehr als 18 Milliarden Euro jährlich für das Auto aus. Alleine die Ölimporte für den Verkehr hätten seit dem Jahr 2010 mehr als 30 Milliarden Euro gekostet. Im Schnitt würden 14 Prozent des Haushaltseinkommens ins Auto fließen, was dem 13-fachen der Ausgaben für Bildung entspreche.

Die Verlagerung von Autofahrten auf Öffentlichen Verkehr, Radfahren und bei sehr kurzen Strecken auf Gehen verbessere die Umweltbilanz, verringerte die Kosten des Verkehrs und habe positive ökonomische Effekte auf Beschäftigung und Wohlstands.

Auch der Lkw-Verkehr wälze große Teile seiner Kosten auf die Allgemeinheit ab. Gansterer beziffert die nicht von den Lkw bezahlten Schäden durch Abgase, Treibhausgase, Lärm und Verkehrsunfälle in Österreich mit rund 2,2 Milliarden Euro pro Jahr. Zudem sei im Schwerverkehr Sozial- und Lohndumping weit verbreitet, etwa durch die Auslagerung der Frachtunternehmen ins Ausland. Gansterer: "Während in Österreich der kollektivvertragliche Mindestlohn 1.501 Euro für den Lkw-Verkehr beträgt, ist dieser in Ungarn mit nur 358 Euro um 76 Prozent niedriger".


Die Publikation „Ausgeblendete Kosten des Verkehrs“ ist unter www.vcoe.at erhältlich.

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