T-Mobile Austria wärmt sich auf für den Dreisprung

T-Mobile Österreich CEO Andreas Bierwirth

Andreas Bierwirth - Der Teamchef will aus T-Mobile Austria und UPC eine eche Breitband- und Entertainment-Company bauen.

Österreichs zweitgrößter Mobilfunkanbieter T-Mobile stellt die Weichen für eine neue Zukunft. Mit dem OK der Wettbewerbsbehörde zur UPC-Übernahme will die Deutsche Telekom-Tochter den Platzhirsch A1 attackieren. Mit UPC im Huckepack will T-Mobile-Chef Bierwirth auch sein persönliches Meisterstück bauen.

Zahlen, Daten und Fakten sind die Essenz, die nicht nur an der Donau wichtig sind, sondern auch am Rhein. Das statistische Material, das T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth und sein neuer Finanzchef Gero Niemeyer für 2017 nach Bonn funken, dürften die Konzernherren der Deutschen Telekom zumindest milde stimmen: Der Umsatz wurde immerhin um fünf Prozent auf runde 900 Millionen Euro gesteigert. Unterm Strich - je nach Rechenart und Sichtweise - dürfte das Herzklopfen der obersten Führungsriege am Rhein sich in Grenzen halten. Der Gewinn - EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) - konnte um drei Prozent auf 266 Millionen Euro angehoben werden. Abzüglich der Abschreibungen, blieb unterm Strich dann doch weniger übrig als im Vorjahr - das EBIT ist um sechs Prozent gesunken, auf einen Gewinn von 110 Millionen Euro.

Schlecht? "Alles in allem ein erfolgreiches Jahr", konzedierte ein durchaus entspannter T-Mobile-Chef. Kaum je zuvor konnte T-eam-Chef Bierwirth ein Zahlenwerk präsentieren, das ihm so wenig Sorgen bereitet hätte. Rückläufige Umsätze und Profite waren lange Jahre im Mobilfunk selbstverständlich, dank ruinösem und selbst gestricktem Preiskampf nach dem Motto: "Jeder gegen jeden".

Auch der Ausblick lässt hoffen, trotz der großen Veränderungen und finanziellen Herausforderungen, die im Jahr 2018 noch zu erwarten sind: Trotz weiterhin sinkender Roaming-Erträge erwartet Bierwirth auch für das Jahr 2018 Zuwächse. Auch heuer werden die Investitionen gesteigert und laut Neo-Finanzchef Niemeyer eher "einiges über den 155 Millionen Euro liegen", die in 2017 in die Netze gepumpt wurden. Mobilfunknetze, mit denen sich der T-Konzern in Österreich so aufgestellt hat, dass er über sich selbst "Wir sind Breitband" spricht - quasi für alle Lebenslagen.

Der Dreisprung

Und das hat (noch) nichts mit UPC zu tun, das ja von T-Mobile vor Weihnachten für rund zwei Milliarden Euro geschnupft wurde. Der Neuzugang UPC eröffnet unter dem Dach von T-Mobile ganz neue Perspektiven für Bierwirth & Co, um in den Offensiv-Modus schalten zu können: Binnen weniger Monate wird das Unternehmen von "nur" einem Mobilfunker zu einem richtigen Telekomunternehmen zu mutieren.

Mit dem Portfolio von UPC will Bierwirth als Triple-Play-Anbieter - mit Mobilfunk, Festnetz und Internet aus einer Hand - mehr als nur eine Kabelcompany mit angeschlossenem Mobilfunk sein. Und erneut so richtig durchstarten. Und zwar noch im Sommer, vorausgesetzt die Bundeswettbewerbsbehörde gibt dem Zwei-Milliarden-Deal vom Dezember 2017 auch den Segen.

Die neue Laufwege von Herrn Bierwirth

War es bisher schwierig ohne Festnetz als "richtiger" Telekomanbieter hierzulande wahrgenommen zu werden, wird es ab Jahresmitte nun auch für T-Mobile seinm in Österreich als Triple-Play-Anbieter aufzutreten. Dass das noch nicht ganz verinnerlichert ist, zeigt sich an der Jahrespressekonferenz daran, dass die Frage nach der Möglichkeit der Mitnahme einer Festnetznummer von A1 zu T-Mobile zu kleineren Verwirrungen und Irrungen auf Managementseite gesorgt hat.

Aber es ist ja noch Zeit, sich damit zu beschäftigen und die Detailfragen zu dem neuen Technologie-Krimskrams zu klären. Noch ist T-Mobile quasi in der Aufwärmphase zu Bierwirths "Dreisprung". Die gut zwei Millionen Festnetzbesitzer von A1, die wohl mehrheitlich nicht mehr via Festnetz telefonieren, wird's dennoch interessieren, wie das mit der Mitnahme der Festnetznummer zum Magenta-Konzern sein wird - vor allem wenn sie Firmenkunden sind.

Nebst neuester Breitband-Krimskrams-Technologie, die das Zuhause, den Arbeitsplatz und auch das Auto komplett mit Mobilfunk vermint und vernetzt, Daten in fast unbeschreiblicher Weise zügig durch die Netze drückt, plant T-Mobile in Österreich quasi großes Kino - im wahrsten Sinn des Wortes.

Bierwirth spricht vom "Dreisprung der Technologie", dem nun Dank UPC nicht nur Kabel, TV und Festnetz, sondern auch Taten folgen sollen: "Wir werden Entertainment und Content liefern", sagt der T-Mobile-Chef und zeigt der Konkurrenz auf, dass er künftig auf Augenhöhe in die Offensive gehen wird. "A1 werden wir an dieser Stelle herausfordern", meinte Bierwirth dennoch etwas bescheiden, launisch und kleinlaut zugleich. Der von manchen als Hauptargument angeführte Punkt gegen T-Mobile - nicht über ein Festnetz zu verfügen und somit nicht als Komplettanbieter angesehen zu werden, habe sich aber nun "aufgelöst".

Volle Kraft voraus

Im 2. Halbjahr 2018 will der frühere Lufthansa- und Austrian-Airlines-Manager Bierwirth seiner bis dahin auf Runderneuerung getrimmten Telefoncompany den neuen Schub geben. Der T-Manager, Fan von Borussia Dortmund und Austria Wien, baut aber auch als Teamchef des neuen Players individuell an seinem Meisterstück: Aus zwei unterschiedlichen Unternehmen mit 1.300 T-Mobile-Mitarbeitern und 1.000 UPC-Beschäftigten muss er einen schlagkräftigen Telekomkonzern bauen, der sofort mit Zug zum Tor agieren muss.

Denn Druck kommt auch vom Mitbewerber Drei, der im Jahr 2016 Tele2 übernommen hatte und mit demselben Programm als Triple-Player gegen T-Mobile und A1 quasi zum Gegenpressing anschiebt. Für Entertainment und Content ist also im wahrsten Sinne gleich von drei Telekomkonzernen gesorgt. Nicht nur die Netze werden glühen, wenn der Preiskampf wieder auszubrechen droht, wie in den besten Mobilfunkzeiten der vergangenen 20 Jahre.

Die Black Box im Funkenhagel

Und gleichzeitig heißt es wieder Milliarden zu kalkulieren und zu investieren. Im Herbst werden wohl wieder Hunderte Millionen für den Telekom-Rohstoff Funkfrequenzen locker gemacht werden. Die Versteigerung der Frequenzen für die nächste, fünfte Mobilfunkgeneration (5G) steht an. Die Republik Österreich will dabei einen großen Schnitt machen: Einerseits einen hohen Versteigerungserlös lukrieren und andererseits eine komplette Netzabdeckung einfordern. Denn bis zum Jahr 2022 soll auch der letzte Winkel mit ultraschnellem Breitband-Mobilfunk ausgeleuchtet ein. Ähnliches war auch das Ziel mit LTE, der aktuellen, 4. Mobilfunkgeneration, die derzeit Zug um Zug ausgerollt wird.

Die Telekom-Manager wollen freilich für die neuen Frequenzen so wenig wie möglich ausgeben. Können doch zu hohe Versteigerungserlöse nicht nur das Ergebnis, sondern auch die persönliche Karriere nach höheren Ämtern verhageln. Das Trauma aus der LTE-Versteigerung ist den Telekom-Chefs noch in den Knochen. Vor vier Jahren hatten sie sich gegenseitig hochgepusht und am Ende insgesamt zwei Milliarden Euro nur für die Frequenzen beim Finanzminister abgegeben.

Bierwirth hielt sich bei der ersten Beurteilung der soeben bekanntgegebenen Ausschreibungsunterlagen noch zurück. Er ist ja bekannt dafür, dass er mit entsprechender Lautstärke stets darauf pocht, dass die Politik nicht nur die Versteigerungserlöse als zentrales Kriterium ansetzen soll. Die Einstiegshürden der 5G-Auktion dürfte laut Bierwirth niedrig sein. Details wie die Regionalisierung bei der Frequenzvergabe seien aber so nicht erwartet worden. "Das kommt dann doch überraschend", meint Bierwirth. Für eine abschließende Beurteilung sei es jedoch noch zu früh. Doch dieses Mal soll jedenfalls alles billiger werden.

Die Transferzahlungen für den Neuzugang UPC und vor allem die jetzige "Black Box" 5G-Auktion könnten das Ergebnis für das Jahr 2018 verhageln. Und T-Mobile Austria-Teamchef Bierwirth beim "Dreisprung der Technologie" zum stolpern bringen. Aber bei den Zahlen, Daten und Fakten wird die Rechnung ohnehin nicht ohne den Wirt vom Rhein gemacht. Wenn das Entertainment aus dem Triple Play stimmt, das Runde im Eckigen klingelt, dann wird auch die Weinseligkeit an der Donau goutiert.

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