Heizen: Umstieg auf erneuerbare Energien ist bis 2050 möglich

Heizen: Bis zum Jahr 2050 ist einer TU-Wien-Studie zufolge der Umstieg auf erneuerbare Energien möglich.

Heizen: Bis zum Jahr 2050 ist einer TU-Wien-Studie zufolge der Umstieg auf erneuerbare Energien möglich.

Eine neue Studie der TU Wien zeigt: Die österreichweite Wärmeversorgung von Gebäuden mit erneuerbaren Energien ist technisch möglich und wirtschaftlich sogar günstiger. Allerdings sind dafür auch der politische Wille und bauliche Maßnahmen erforderlich.

Winter in Österreich. Selbst Auch wenn der Jänner 2018 zu den wärmsten aller Zeiten gehört - damit es in den Gebäuden auch angenehm warm ist muss ordentlich eingeheizt werden. Das schlägt sich auf den Energieverbrauch nieder: Mehr als ein Drittel der gesamten in Österreich eingesetzten Energie wird für das Heizen benötigt und rund 20 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes gehen auf das Heizen zurück, weil noch immer 60 Prozent der Wärme aus fossiler Energie erzeugt wird.

Im Auftrag des Verbands Erneuerbare Energie Österreich ist die Energy Economics Group der TU Wien der Frage nachgegangen, ob und unter welchen Voraussetzungen auch im Bereich der Wärmeversorgung bis zum Jahr 2050 eine Energiewende und ein Abschied von den fossilen Brennstoffen möglich ist. Eine Frage, die Studienautor Lukas Kranzl mit einem klaren "Ja" beantwortet. "Die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung ist technisch möglich und bringt wirtschaftlich sogar Vorteile", schließt er. Allerdings wären dafür ein ganzes Bündel politischer Maßnahmen nötig.

Bislang fehlte der entschiedene politische Wille im Bereichder Wärmeversorgung, weshalb Peter Püspök, der Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ), auch den Bereich Raumwärme als die härteste Nuss der Energiewende sieht. In drei weiteren großen Bereichen - Verkehr, Industrie und Strom - wird die Situation als einfacher eingeschätzt. "Ohne Wärmewende sind die Energiewende und die Ziele des Pariser Klimaabkommen aber nicht erreichbar", gibt Püspöck zu bedenken.

Notwendige Gebäudesanierung

Der TU-Studie zeigt, dass eine Energiewende im Wärmebereich nicht nur möglich wäre, sondern dass dadurch sogar rund drei Milliarden Euro Heizkosten jährlich eingespart werden könnten. Die zusätzlich notwendigen Investitionen in die thermische Sanierung von Gebäuden und der Tausch fossiler Heizsysteme auf Erneuerbare sollten sich außerdem positiv auf die Beschäftigung in den betroffenen Branchen auswirken. Die Studienautoren beziffern das Plus mit 2,5 Prozent zwischen 2020 und 2030 und mt 2,4 Prozent zwischen 2030 und 2040. In Summe seien sind die langfristigen Einsparungen höher als das nötige Investitionsvolumen.

In der Studienprojektion wird davon ausgegangen, dass die Nutzung von Kohle und Heizöl bis zum jahr 2030 gänzlich ausläuft, der Einsatz von Erdgas gleichzeitig und in der Folge kontinuierlich reduziert und der verbleibende Erdgas-Anteil sukzessive durch Biogas und Wasserstoff zu ersetzen ist (siehe Grafik).

Anteil jährlich installierter Leistung an Heiz- und Warmwassersystemen in Österreich bis 2050

Anteil jährlich installierter Leistung an Heiz- und Warmwassersystemen in Österreich bis 2050

Obwohl sich die Zahl der verkauften Biomassekessel bis 2030 beinahe vervierfachen soll gehen die Studienautoren sogar davon aus, dass der Holzverbrauch aufgrund des technologischen Fortschritts und der besseren Wärmedämmung der Gebäude insgesamt sinkt. Selbiges soll auch für den Stromverbrauch der Wärmepumpen gelten, die 2050 bereits in einem Drittel aller Heizanlagen installiert sein sollen. „Voraussetzung dafür ist, dass Stromdirektheizungen weitgehend durch andere Systeme ersetzt und Wärmepumpen nur in Verbindung mit niedrigen Vorlauftemperaturen eingesetzt werden“, erklären die Studienautoren. In Summe soll der gesamte Energiebedarf für die Wärmeversorgung im Jahr 2050 nur noch halb so hoch sein wie heute.

Die umfassende Sanierung des Gebäudebestandes - die thermische Sanierung ebenso wie die Erneuerung der Heizanlagen - ist der Studie zufolge die Voraussetzung für die Wärmewende. Werde die Sanierung des Gebäudebestandes vernachlässigt oder die falschen Heizungsanlagen eingebaut, schlage die Wärmewende fehl.

Notwendige politische Maßnahmen

Der Umbau der Wärmeversorgung erfordere laut Studienautor Kranzl auch ein umfassendes politisches Maßnahmenbündel. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen demnach die Änderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie das Ende der steuerlichen Bevorzugung von Heizöl. Obwohl technisch derselbe Stoff wie Diesel, beträgt die Mineralölsteuer für Heizöl nur ein Viertel der Steuer auf Diesel. Auch ordnungspolitische Maßnahmen wie eine verbesserte und verpflichtend wiederkehrende Überprüfung von Heizanlagen, die Entwicklung von Sanierungsplänen für Gebäude müssten beschlossen werden. Informationskampagnen, die Bürger über die Chancen und Vorteile informieren, hält Kranzl für wichtig.

„Die Wärmewende ist kein Selbstläufer“, betont auch Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich. Der Gegenwind der fossilen Besitzstandswahrer sei enorm, weil mit Öl und Erdgas sehr viel Geld verdient werde. In besonderem Maße seit die Politik gefordert. "Was uns optimistisch stimmt ist, dass die neue Bundesregierung dem Thema Erneuerbare Energien in ihrem Regierungsprogramm hohe Aufmerksamkeit schenkt", meint Püspöck, "nun müssen zügig politische Maßnahmenpakete geschnürt werden, um diese Ziele auch zu verwirklichen.“

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