Studie: Pläne zur Ausbau der Wasserkraft kommen teuer

Studie: Pläne zur Ausbau der Wasserkraft kommen teuer

Für die Energiewende kramt die E-Wirtschaft ihre alten Wasserkraftprojekte wieder aus den Schubladen. Und könnte dabei bis zu 1,9 Milliarden Euro versenken, warnt eine Studie. Das umstrittene Murkraftwerk in Graz zählt zu den teuersten der untersuchten Kraftwerke.

Eigentlich sind sie das Rückgrat der heimischen Stromversorgung: Wasserkraftwerke. Und geht es nach dem neuen Arbeitsprogramm der Koalition, könnte nach langen Jahren des Baustopps wieder die eine oder andere Turbine dazukommen. Denn wenn Österreich tatsächlich seine Stromversorgung bis zum Jahr 2030 auf annähernd 100 Prozent Eigenversorgung umgestellt haben will - und das noch aus halbwegs erneuerbaren Quellen -, wird man mit Windrädern und Photovoltaikpaneelen alleine nicht das Auslangen finden.

Allerdings könnte das noch schwerer werden als gedacht. Denn was für Geldgeber derzeit an Gewinnen aus Investments in Wasserkraftwerke zurückfließt, entspricht eher dem Rinnsal im Unterlauf nach der Staustufe. Vor allem neue Projekte scheinen sich derzeit kaum zu rechnen, zeigt eine dem trend vorliegende brandneue Studie zu den Herausforderungen für den Ausbau der Wasserkraft in Österreich, die vom Energieberater e3 im Auftrag der Umweltschutzorganisation WWF erstellt wurde.

Insgesamt wurden 159 geplante, oder in den vergangenen sechs Jahren in Betrieb gegangene Anlagen mit Investitionskosten von insgesamt 4,2 Milliarden Euro bewertet. Ein Drittel davon (50 Projekte)"sind tendenziell unwirtschaftlich", schreibt Studienautor Jürgen Neubarth. Das betroffene Investitionsvolumen, das womöglich nicht mehr zurückverdient wird, beträgt beachtliche 1,9 Milliarden Euro.

Strom: Überangebot, Überkapazitäten

Die magere Wirtschaftlichkeit hat mehrere Gründe: Zum einen fehlt noch die steigende Nachfrage nach Grünstrom, die die Erlöse aufbessern würde. Das Gegenteil ist der Fall: Die Strompreise an den Börsen sackten auf bis zu 20 Euro je Megawattstunde ab (siehe Grafik). Die Förderung von Windkraftanlagen und Photovoltaik -am deutlichsten in Deutschland -hat im europäischen Strommarkt ein Überangebot an Kraftwerkskapazitäten hervorgerufen, denn auch die konventionellen Kohlemeiler oder Gaskraftwerke blieben Großteils am Netz. Dass dank kalter Wintertemperaturen am Spotmarkt derzeit doch auch Rekordpreise bezahlt werden, hat auf die Langfristrechnung keinen Einfluss.


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Die komplette Studie "Wirtschaftliche Herausforderungen für den Ausbau der Wasserkraft in Österreich" zum Download.
Studienautor:e3 Consult im Auftrag des WWF
(PDF-Dokument, 60 Seiten, 4 MB)
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Dazu kommt: Gute neue Standorte für Wasserkraftwerke sind gar nicht mehr so leicht zu finden. Die logischen Flussabschnitte sind bereits energietechnisch verbaut. Will man Erträge aus der Wasserkraft noch weiter stärken, müssten nun auch die weniger geeigneten Strecken in Angriff genommen werden, etwa in verbautem Gebiet oder in der Nähe von Naturschutzflächen. Dort allerdings sind die finanziellen Aufwendungen für Ausgleichsmaßnahmen besonders hoch.

Stromproduktion: Die Kosten der Energiegewinnung in 159 Wasserkraftwerken im Vergleich zu den Börsenpreisen (in Euro/MWh; Kalkulation mit realem Zinssatz 4,43%)

Stromproduktion: Die Kosten der Energiegewinnung in 159 Wasserkraftwerken im Vergleich zu den Börsenpreisen (in Euro/MWh; Kalkulation mit realem Zinssatz 4,43%)

Die e3-Studie zeigt, dass die Gestehungskostem für Strom aus Wasserkraft neuerdings weit über 100 Euro je MWh liegen können, in Extremfällen bis 160 Euro. Dabei wurden sowohl Investitions-,Betriebskosten und Kapitalverzinsung über 50 Jahre berücksichtigt. Mit einem Wort: Das eingesetzte Geld fließt ohne Rendite den Fluss hinunter.

Kampf um die Mur

Eines der umstrittensten Wasserkraftprojekte derzeit ist das geplante Mur-Kraftwerk der Energie Steiermark in Graz-Puntigam. Das Projekt ist dank aufwendiger Infrastruktrurmaßnahmen auch eines der teureren in der Liste der Studie: Mit einer Bandbreite von 85 bis 95 Euro je Megawattstunde liegen die spezifischen Stromgestehungskosten deutlich über dem langfristigem Börsenniveau. Dennoch wurde mit dem Bau vor wenigen Wochen begonnen. Urs Harnik, Sprecher des Kraftwerkbetreibers Energie Steiermark, kritisiert die Studie: "Die Zahlen, die den Berechnungen zugrunde liegen, sind veraltet. Das Kraftwerk ist hoch wirtschaftlich." Laut seinen Angaben soll es deutlich weniger kosten und gleichzeitig mehr Stromertrag bringen als ursprünglich geplant.

Andere Projektbetreiber bemühen sich erst gar nicht, das Dilemma zu kaschieren. So will etwa die niederösterreichische EVN in Rosenburg am Kamp einen alten Kraftwerksstandort von Grund auf runderneuern. Und landet mit Stromerzeugungskosten von 94 Euro je MWh ebenfalls in der Liste jener Projekte, die durch hohen Investitionsaufwand und geringen Stromertrag glänzen. EVN-Sprecher Zach gibt zu:"Wäre es ein ganz neues Kraftwerk, wüssten wir auch bessere Investments." Für die EVN rechnet sich die Aktion über Umwege. Ließe man den Standort verfallen, würden wasserrechtliche Genehmigung auslaufen und teure Rückbaukosten anfallen.

Naturschützer wie der WWF befürchten jedenfalls, dass der wirtschaftliche Druck die ökologischen Standards aufweichen könnte. Nicht ganz unberechtigt. Leo Windtner, der scheidende Boss des oberösterreichischen Stromversorgers Energie AG, beklagt sich im trend-Interview bitter über überbordende wasserrechtliche Auflagen: "Es werden Millionen ohne ökologischen Erfolg verpulvert."

Die Fronten um den geplanten Kraftwerksbau verhärten sich derweil zusehends. Die Polizei hat am Mittwoch die von Projektgegnern besetzte Baustelle geräumt. Aus diesem Anlass hat der WWF am 15. Februar einen offenen Brief an den steirischen Landeshauptmann Hermann Schützenhofer geschickt, in dem er diesen aufforderte, als Schlichter aufzutreten. Nur ein umfassender Runder Tisch mit allen Beteiligten könne aufklären, wie es mit der Auseinandersetzung um das Murkraftwerk weitergehe, heißt es in dem Brief. Schützenhofer trage als Landeshauptmann Verantwortung. "Auch für die tausenden besorgten Grazer Bürger, die sich seit vielen Jahren auf friedliche Art und Weise gegen diesen massiven Eingriff in die Flussnatur und den Verlust ihres Naherholungsgebietes engagieren."

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