Frey-Gruppe erhält Stromstoß aus China

Die Frey-Gruppe will mit dem exklusiven Vertrieb chinesischer E-Autos wachsen. Doch gerade heuer fachen europäische Hersteller den Wettbewerb mit eigenen Modellen stark an - zum Vorteil der Kunden.

Frey-Gruppe erhält Stromstoß aus China

E-OFFENSIVE. Die Frey Holding wird unter der Führung von Anja Frey-Winkelbauer exklusiver Vertriebspartner von SAIC aus Shanghai.

Wir haben ein anstrengendes Jahr hinter uns, aber am Ende der Strecke ist alles zum richtigen Zeitpunkt aufgegangen", sagt Anja Frey-Winkelbauer, geschäftsführende Gesellschafterin der Frey Holding, und wirkt erleichtert. Im Keller ihres Stammhauses in Wien-Inzersdorf stehen die ersten 50 Elektroautos aus der Produktion des größten chinesischen Herstellers, SAIC Motor, als dessen exklusiver Vertriebspartner sich das in der dritten Generation geführte Familienunternehmen in einem harten Auswahlverfahren durchsetzen konnte. Und beinahe täglich werden neue Kompakt-SUVs der ehemals britischen Traditionsmarke MG ausgeliefert, die vor einigen Jahren von SAIC erworben wurde.

Erstmals öffentlich präsentieren will Frey-Winkelbauer das neue Elektroauto auf der diese Woche stattfindenden Vienna Autoshow. "Wir sind die ersten in Österreich, die mit einem starken globalen Partner lieferfähig sind. Das E-Auto von SAIC ist in der Qualität top und bietet ein sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis", schwärmt die Unternehmerin vom jüngsten Neuzugang ihrer bisher aus den Marken Toyota, Lexus und Aston Martin bestehenden Autofamilie, die nun einen weiteren Stromstoß aus China bekommt.

So wurde Frey-Winkelbauer - wie der trend in Erfahrung bringen konnte - dieser Tage zum exklusiven Vertriebspartner für die Marke Maxus ernannt, über die SAIC elektronische Transporter anbietet. Fährt die Österreichische Post mit einer Maxus-Flotte bereits Packerl im Rahmen eines Pilotprojektes aus, wird das zweite Modell eines kleineren Kastenwagens ab dem zweiten Quartal ausgeliefert werden. Die Unternehmerin hat ehrgeizige Verkaufspläne für ihre beiden Neuzugänge. Rund 1.000 MGs und 650 Maxus will sie 2020 absetzen.

Die Partnerschaft mit dem größten chinesischen Autobauer ist so etwas wie ein Befreiungsschlag für sie. Denn zuletzt lief es in der Gruppe nicht gerade rund. Anfang 2019 musste Frey-Winkelbauer auch auf Grund sinkender Verkaufszahlen das Toyota-Import-Geschäft, das seit 1971 zur Gruppe gehörte und über das sie 100 Händler in Österreich belieferte, an den japanischen Autobauer verkaufen. Damit verlor sie auf einen Schlag einen Großteil des Umsatzes. Zudem hatte das Ganze auch in der Familie für Zwist gesorgt. Nur einige Monate zuvor ließ sich ihr Bruder und Co-Geschäftsführer Friedrich auszahlen, um eigene Wege zu gehen. Anja Frey-Winkelbauer wurde zur Frontfrau des Familienunternehmens.

Ihre Vision für die Gruppe zeigt sich in der jetzt gestarteten E-Offensive, die über den Verkauf elektrischer Autos hinausgehen und dem Unternehmen auch wirtschaftlich zugutekommen soll. "Unser Ziel ist es, den Umsatz von aktuell rund 70 Millionen Euro in den nächsten ein bis drei Jahren zu verdoppeln", sagt sie. Auch das Ergebnis soll sich in dem Zeitraum weiter erholen - im Geschäftsjahr 2018/19 konnte der Break-even erreicht werden. An die alte Größe, als man noch Toyota-Importeur war, wird die Frey Holding aber nicht so schnell wieder herankommen.

Von Tanzkursen bis E-Trading

Die Neuausrichtung muss die Unternehmerin in einem schwierigen Marktumfeld bewältigen. So verkaufte der Mercedes-Händler Wiesenthal sein Österreich-Geschäft an einen Schweizer Autohändler. Und Mazda Rainer schloss seinen zweiten Standort in der Donaustadt und führte am Hauptsitz in Wien-Wieden die Viertagewoche ein. "Von vier Kunden kommt nur noch einer ins Autohaus. Die anderen drei informieren sich im Netz. Unsere Chancen im Schauraum reduzieren sich um 25 Prozent", beschreibt die Frey-Chefin die Herausforderungen für Autohändler.

Das Autohaus, wie wir es kennen, hat für sie daher keine Zukunft. Auch nicht die Verkäufer im traditionellen Sinne, die an den Standorten auf Kunden warten - und dies eben oft vergeblich. In ihrem neuen Vertriebskonzept setzt sie auf "fliegende Verkäufer". Das sind solche, die die Autos dort präsentieren, wo die Menschen sich auch tatsächlich aufhalten - etwa in Auto-Pop-up-Stores in Form von verglasten Containern an belebten Innenstadtstandorten, auf Stadtfesten oder bei Unternehmen.

JAC E-S2. Der chinesische Autobauer JAC vertreibt seinen Kompakt- SUV in Österreich über die Raiffeisen-Lagerhäuser.

Der neue COO in der automobilen Tochtergesellschaft Toyota Frey Retail (Toyota und Lexus) und British Luxury Cars (Aston Martin), der ehemalige T-Mobile-Austria-Chef Stefan Gubi, will getreu dem neuen Frey-Motto "Freunde bewegen" sogar künftig Tanzkurse oder Yoga in den Autohäusern anbieten, um das Geschäft zu beleben.

Andere Ideen im Bereich Elektromobilität überzeugen da schon eher. So ist angedacht, den E-Auto-Käufern auch die Möglichkeit zu bieten, als E-Strom-Trader aufzutreten: Wer sein Auto mal Stunden-oder Tageweise nicht benötigt, verkauft den Strom aus seiner voll aufgeladenen Autobatterie ins Netz - und verdient sich damit ein paar Euro dazu. Zur Umsetzung des E-Tradings sucht man bei Frey derzeit einen Partner.

Satte Rabatte für E-Autos

Doch das ist nur Beiwerk zur E-Offensive in Partnerschaft mit den Chinesen, die wohl kein Selbstläufer wird. Ab heuer greifen in Europa härtere Umweltauflagen. So muss die Autoindustrie den durchschnittlichen CO2-Ausstoß ihrer Modellpalette auf 95 Gramm pro 100 Kilometer senken. "Dadurch steigt der Druck auf die Produzenten, die Anzahl der verkauften E-Autos deutlich zu steigern", sagt Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure.

Der Weg dorthin führt über den Preis. "Die Hersteller werden den Kunden sehr große Nachlässe bieten, um den Absatz anzukurbeln. Denn für sie ist es besser, Autos mit Verlust zu verkaufen, als hohe Strafen nach Brüssel zu überweisen", erklärt der Experte.

Das wird sich wiederum positiv auf die E-Auto-Verkaufszahlen auswirken. Hier rechnet Kerle heuer mit einer Verdopplung. 2019 (bis November) wurden rund 8.500 E-Autos verkauft, das sind rund 2,8 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen. "Der Wettbewerb wird sich heuer deutlich verschärfen, weil die renommierten Hersteller voll auf E-Mobilität setzen und in den nächsten zwei bis drei Quartalen neue Modelle auf den Markt bringen", erwartet Friedrich Hackl, Österreich-Importeur des chinesischen Autobauers JAC. Allein auf der Vienna Autoshow wurden heuer 15 reine E-Autos sowie eine Vielzahl von Hybridmodellen präsentiert, also einer Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor. 2019 erzielte JAC einen "Achtungserfolg" in Österreich, heuer will Hackl über die Raiffeisen-Lagerhäuser rund 1.000 Stück der Kompakt-SUVs JAC e-S2 und e-S4 verkaufen.

In diese Dimension will auch Anja Frey-Winkelbauer die Verkaufszahlen ihres neuen Elektroautos hieven. Der batteriebetriebene MG in den zwei Versionen Komfort (31.800 Euro) und Luxus (33.800 Euro) muss es aber schon bald mit einem ernsthaften europäischen Konkurrenten aufnehmen: dem e-Golf- Nachfolger ID.3 von Volkswagen, der im Sommer in die Autohäuser kommt. "Die Freys betreten schwieriges Terrain", sagt Branchenexperte Kerle. Dies auch deshalb, weil chinesische E-Autos nach wie vor mit Imageproblemen zu kämpfen haben, was etwa die Sicherheit des Autos betrifft.

Bei Frey gibt man sich betont gelassen: "In den nächsten sechs Monaten ist unser MG-Modell sehr gut positioniert", sagt Co-Geschäftsführer Gubi, der für 2021 bereits eine Ausweitung des Angebotes um zwei weitere Modelle plant. Sein Trumpf im Kampf um Stückzahlen: "Wir bieten mehr Auto für ein vernünftiges Maß an Geld."



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