Stresstest: Institute vor Schocks weniger gewappnet als 2014

Stresstest: Institute vor Schocks weniger gewappnet als 2014

Banker erzielen zu niedrige Überschüsse. Das gilt vor allem für die Deutsche Bank.

Die Banken haben ihre Institute mit mehr Eigenkapital ausgestattet, aber sie kämpfen gegen Windmühlen. Denn das Risiko ist seit 2014 deutlich gestiegen. Warum das so ist und was sich bei den Banken seit 2014 geändert hat und ob es eine Konzentration von Problembanken in Südeuropa gibt. Was bei Krisen Banken droht.

Die Bankenunion hat manchen der 51 Banken in Europa nach dem Stresstest ein vernichtendes Urteil ausgestellt. Die Banken mussten beweisen, ob sie widerstandsfähig gegen substantielle Abkühlung der Wirtschaft oder deutlich sinkenden Immobilienpreisen sind. Die Frage war, ob ihre Kapitaldecken ausreichen, um solche Schocks von außen abzufedern. Solche Szenarien würden europaweit einen Kapitalbedarf von 16 bis 20 Milliarden Euro ausmachen. Das entspricht einem notwendigen Anstieg der aktuellen Kapitalausstattung um rund ein Prozent. Banken müssen unter solchen Stressbedingungen damit rechnen im Schnitt 30 Prozent ihres Kapitals zu verlieren.

Risiko massiv gestiegen, Verbesserung der Eigenmittelausstattung kann nicht mithalten

Das Ergebnis gegenüber dem Stresstest 2014 ist ernüchternd. Die Kernkapitalquote ist weiter zurückgegangen. Der durchschnittliche Rückgang der harten Kernkapitalquote - unter negativen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – betrug 3,8 Prozentpunkt. 2014 betrug der Rückgang 3,3 Prozentpunkte. Daran ändert auch die Stärkung der Kapitalausstattung von 11,1 Prozent im Jahr 2014 auf 13,2 Prozent in diesem Jahr wenig, sollte es zu den simulierten Schocks kommt. Denn die in solchen Fällen erwartete Kapitallücke zwischen 16 bis 20 Milliarden Euro wird laut den Berechnungen der Experten signifikant höher als 2014 ausfallen. Damals mussten Banken lediglich 4,7 Milliarden Euro zusätzliches Kapital aufnehmen.

Italienische Banken besser als erwartet

Voraussichtlich bis zu neun Banken würden nach Auswertung des Stresstests unter diesen Voraussetzungen zusätzliches Kapital benötigen. “Die Ergebnisse sind über die unterschiedlichen Länder gut vergleichbar, eine Konzentration von Problembanken in Südeuropa gibt es nicht“, resümiert Philipp Wackerbeck, Leiter der Strategieberatung von PwC. Italienische Banken haben beispielsweise im Durchschnitt besser abgeschnitten als erwartet.

Stark sinkende Renditen, kaum Möglichkeiten Kapital zu beschaffen

Eines der Hauptprobleme mit denen die Banken zu kämpfen haben, sind deren sinkende Renditen. 2015 lagen diese mit 6,5 Prozent signifikant unter dem Vorkrisenniveau von 15 bis 20 Prozent . „Es ist zu erwarten, dass die Kapitalmärkte den betroffenen Banken in einer Krise nur zögerlich zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten anbieten werden“, so Wackerbeck. Das bedeutet, dass die Eigenkapitalgeber und damit auch die Anleger bei der Rettung der Bank die Last tragen müssen, sprich um ihren Kapitaleinsatz ganz oder teilweise umfallen.

Kreditrisiken leicht gesunken –mit Ausnahmen

Bei schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen stellen das größte Risiko für Banken Verluste aus Kreditrisiken und fallenden Bewertungen von Sicherheiten dar. Verluste aus Kreditrisiken belaufen sich jedoch auf ähnliche Werte wie im letzten Stresstest. Wackerbeck: „Daraus lässt sich ableiten, dass Banken ihr Risikoprofil im Kreditgeschäft nicht wesentlich verändert haben.“ Der durchschnittliche Anteil notleidender Kredite am gesamten Kreditvolumen ist seit dem letzten Stresstest bei europäischen Banken sogar von 4,8 Prozent auf 4,1 Prozent gesunken. Mit Ausnahme italienischer Banken. Die kämpfen noch immer damit ihre hohe Anzahl von notleidenden Krediten in den Bankbilanzen zu reduzieren.

Fallende Nettozinserträge bei steigenden Marktrisiken und regulatorischer Druck

„Die erhöhten Auswirkungen unter Stressbedingungen stammen neben den Verlusten durch Kreditausfälle auch aus dem verschärfenden Rückgang der Nettozinserträge, einem stärkeren Einfluss von Marktrisiken und der fortschreitenden Einführung der Basel III-Regularien. Dies spiegelt eine konservativere Methodik im diesjährigen Stresstest wider“, sagt Andreas Putz, Partner und Bankenexperte bei Strategy& Österreich. „Auch Banken in Irland und Spanien haben laut PriceWaterhouse die Basel III-Anforderungen noch nicht ausreichend in ihren Kapitalpositionen reflektiert, was zum Teil zu deutlichen Kapitalrückgängen im Stresstest führt. Putz: „Gleichzeitig erwirtschaften diese Banken jedoch nur geringe, nicht nachhaltige Überschüsse.“ Das gelte insbesondere für deutsche Banken.

Zinsertrag könnte bei einer Krise noch deutlich zurückgehen

Dies wird auch in den Stresstestergebnissen zum Nettozinsertrag deutlich, die je nach Konjunktureinbruch oder Immopreisrückgang zwischen sechs und 17 Prozent zurückgehen könnten.

Was Banken jetzt tun sollten

„Mit dem diesjährigen Stresstest erhöhen die europäischen Aufseher den Druck auf die Banken, sich zu reformieren. Kapital aufzunehmen sei aber nicht ausreichend, um die strukturellen Probleme der Branche zu lösen, Helfen würden nur höhere Einnahmen oder Wachstumsraten.“ Banken sollten sich darauf fokussieren, ihre Erträge zu verbessern und gleichzeitig ihre Abhängigkeit von Zinserträgen zu reduzieren.

„Banken sind daher gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken und andere Ertragsquellen zu erschließen“, analysiert Wackerbeck. Damit würde auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stressbedingungen erhöht. „Reine Kostensenkungsprogramme reichen wohl aus nicht aus, um den im Stresstest zu Tage getretenen strategischen Herausforderungen zu begegnen. Die europäische Bankenindustrie muss vielmehr ihre gesamte Wertschöpfungskette hinterfragen und wo nötig neu ausrichten. Banken müssten laut PwC auch ihre Strategie in Bezug auf die zunehmende Konkurrenz durch Start-ups aus dem FinTech-Bereich neu bewerten. Banken sollten daher in Innovationen, Produktion und Marketing investieren, um die Chancen der Digitalisierung zur Transformation des bisherigen Geschäftsmodells zu nutzen.


Service: Das Ergebnis des Banken-Stresstest zum Download

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