Streit um Krankentransporte geht in die nächste Runde

Streit um Krankentransporte geht in die nächste Runde

Im Streit um Fahrtendienste wird mit harten Bandagen gekämpft

Den Wiener Blaulichtorganisationen schwimmen die Felle davon. Immer mehr einfache Fahrtendienste übernehmen billigere private Fahrtendienste. Trend deckt auf, wie viel sich Gebietskrankenkassen so schon an Kosten gespart haben und wie auf der anderen Seite das Rote Kreuz durch weniger Aufträge und hohe Kostenstrukturen zuletzt immer tiefer in die Verlustzone gerutscht ist.

Wien. Die Rettungsdienste der Wiener Blaulichtorganisationen Rotes Kreuz (RK), Samariterbund, Malteser und Johanniter machen gegen die privaten Fahrtendienste wie Hallermobil, Alois Czach, Blaguss, ÖHTB, Pokorny und GWS mobil. Hintergrund ist ein seit Wochen schwelender Streit, da die Wiener Gebietskrankenkasse immer mehr Krankentransporte an die kostengünstigeren Fahrtendienstanbieter auslagert. Das wiederum führt zu Umsatzeinbußen bei den Blaulichtorganisationen.

Jetzt droht das Rote Kreuz mit einem Mitarbeiterabbau von 35 Sanitätern zum 1. August. Die Sanitäter wiederum drohen mit Kampfmaßnahmen und Streik.

Nicht alle Krankentransporte müssen von Blaulicht-Krankenwagen durchgeführt werden

Auf Nachfrage des Wirtschaftsmagazins trend erklärt die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), „dass Krankentransporte nach medizinischen Bedarf zu organisieren sind“. Nicht in jedem Fall ist das ein Blaulicht-Krankenwagen mit zwei Sanitätern und einer Krankenliege. Oftmals reicht – auch nach ärztlicher Einschätzung – ein Fahrtendienst aus“.

Deshalb wurde bei der Wiener Gebietskrankenkasse auch die Kategorie „Fahrtendienste für mobil eingeschränkte Patienten“ und einfache Krankenbeförderung durch Fahrtendienste, bei denen keine sanitätsdienstliche Hilfestellung notwendig ist“ eingeführt.

Private um 25 Prozent billiger

Die privaten Fahrtendienst-Unternehmen liegen mit den Kosten weit unter den Blaulichtorganisationen. Während beim Roten Kreuz der günstigste Transport mit Tragesessel und Liege plus einem Zivildiener und einem Sanitäter 66 Euro kostet, liegen die Kosten bei den Privatanbietern mit zwei hauptberuflichen Mitarbeitern bei 50 Euro – also um fast 25 Prozent niedriger.

Acht Millionen Euro bereits gespart

„Fakt ist, dass die Krankenkassen seit 2013 mit unseren Dienstleistungen etwa acht Millionen Euro eingespart haben“, erklärt Thomas Haller, Geschäftsführer von Hallermobil, der über 111 Fahrzeuge verfügt und 200 hauptberufliche Mitarbeiter beschäftigt. Auch lässt der Unternehmer die Vorwürfe nicht gelten, dass mangelnde Hygiene und Inkompetenz bei den Privaten vorherrsche: „Das ist nachweislich unrichtig, unserer Mitarbeiter werden laufend geschult“.

Private Fahrtendienste à la Hallermobil drängen auf Chancengleichheit.


Wir haben nur hauptberufliche Mitarbeiter angestellt und können weder auf kostengünstige Zivildiener, noch auf Subventionen oder die Unterstützung der öffentlichen Hand zurückgreifen.

Haller sieht vielmehr ein Ungleichgewicht zwischen Privaten und den Blaulichtorganisationen: „Wir haben nur hauptberufliche Mitarbeiter angestellt und können weder auf kostengünstige Zivildiener, noch auf Subventionen oder die Unterstützung der öffentlichen Hand zurückgreifen“.

Kosten beim Roten Kreuz massiv gestiegen

Die Blaulichtorganisationen verzeichnen hingegen in den vergangenen Jahren einen massiven Kostenanstieg. Nach der Fusion mit dem Grünen Kreuz stiegen die Personalkosten, wie aus den Bilanzen hervorgeht, beim Roten Kreuz um zwei Millionen Euro auf 15,34 Millionen Euro. Dabei wollte man durch die Übernahme Synergien heben. Die Umsatzerlöse stiegen zwar von 33,50 Millionen auf 35,97 Millionen Euro, der Verlust verdoppelte sich jedoch auf 994.183 Euro. Die hohen Kosten etwa beim Roten Kreuz resultieren letzten Endes nicht aus dem Krankentransport sondern vielmehr aus der Verwaltung.

Hohe Gehälter in der Verwaltung

Die Kollektivverträge etwa vom Roten Kreuz garantieren sehr hohe Gehälter in der Verwaltung. In der Verwaltungsgruppe V (etwa Abteilungsleiter) werden Bruttogehälter von bis zu 5.721,21 Euro gezahlt. Mitglieder der Geschäftsleitung verdienen bis zu 7.445,37 Euro im Monat. Der Rettungsdienst verdient in der höchsten Stufe 3.997,52 Euro plus Zulagen. Notärzte hingegen bekommen maximal 4.024,46 Euro.

Zum Vergleich: bei den Privaten sieht der Kollektivvertrag für die Mitarbeiter des Fahrtendienstes für eine 45-Stunden-Woche ein Mindestgehalt von 1200 Euro vor. Beim Roten Kreuz wird für eine 35-Wochen-Stunde mindestens 1500 Euro bezahlt plus Zulagen.

Die hohen Gehälter, insbesondere in der Verwaltung, sind auch dem Roten Kreuz ein Dorn im Auge. Dem trend liegen Informationen vor, dass es die Absicht gab die hohen Gehaltsspitzen zu kappen. Dieses Vorhaben ist allerdings am Widerstand der Gewerkschafter gescheitert. Jetzt ist es aber gerade die Gewerkschaft Vida, die bedauert, dass das Rote Kreuz 35 Sanitäter kündigen muss.

Blaulichtorganisationen erhalten Kosten von der Stadt rückerstattet

In die Diskussion um die Zukunft der Fahrtendienste hat sich auch Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) eingeschaltet. Sie beruhigt und verweist auf einen schon vor Wochen einberufenen runden Tisch. Eine einfache Geldspritze wird es für die Rettungsdienste nicht geben.

Auch die Vorwürfe, dass Wien als einziges Bundesland keinen Beitrag an die Blaulichtorganisationen leistet, versucht das Büro der Gesundheitsstadträtin zu entkräften: „Wir sind auch das einzige Bundesland, das eine eigene Berufsrettung hat. Übernehmen die Blaulichtorganisationen für uns Rettungseinsätze, werden die dadurch entstanden Kosten selbstverständlich rückerstattet“.

Patienten sollen nur wenn notwendig mit der Rettung ins Spital gebracht werden

Auch Patientenanwältin Sigrid Pilz begrüßte per Aussendung die laufende Debatte. Auch sie will verhindern, dass Patienten von der Rettung unnötig ins Krankenhaus gebracht werden: „Wir wissen, dass mehr als 60 Prozent der Patienten, die mit einem Rettungsauto in eine Akutambulanz gebracht werden, ohne Krankenhausaufnahme wieder nach Hause entlassen werden können“.

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