Streit über Flughafen Salzburg: Aufsichtsrat gegen Aufsichtsrat

Am Salzburger Flughafen fliegen derzeit die Fetzen. Zu Ebener Erde eskaliert ein Streit unter den Aufsichtsräten. Jetzt hat sich Aufsichtsrat-Mitglied Anton Bucek sogar in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. Warum seiner Ansicht nach Aufsichtsratsvorsitzender Christian Stöckl zurücktreten soll.

Streit über Flughafen Salzburg: Aufsichtsrat gegen Aufsichtsrat

Der Streit im Aufsichtsrats des Salzburger Flughafens wird nun öffentlich ausgetragen. Die Kritik ist beinhart.

Es ist ein Brief, der dem Beschuldigten wohl ins Mark geht. Denn Anton Bucek, Aufsichtsrat beim Salzburger Flughafen (SFG), beschuldigt in einem offenen Brief gnadenlos Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Stöckl, seines Zeichens auch Landeshauptmann-Stellvertreter des Landes Salzburger. Bucek, dienstälteste Aufsichtsrat des Flughafens, kommt ohne Umschweife zu Wort.

Die Beschuldigungen an den Aufsichtsratschef Stöckl im Wortlaut:

"Ich muss leider feststellen, dass keiner der Aufsichtsratsvorsitzenden so schlecht vorbereitet in die Sitzungen gegangen ist, sich keiner so wenig um die Probleme der Salzburger Flughafen gekümmert hat, keiner die Anregungen der Aufsichtsratsmitglieder so unreflektiert und ununterstützt ließ und derart feindschaftlich auf Wortmeldungen einzugehen pflegte wie Sie. In den vergangenen 5 Jahren Ihrer Vorsitzführung haben Sie das Gefühl verbreitet, dass Angst und Schrecken, also gefühlte Repression, Maxime ihres Führungsstiles ist", so Bucek im offenen Brief an Stöckl, der auch an trend.at erging.

Stückl als Eigentümervertreter im Aufsichtsrat befangen

Was Bucek kräftig gegen den Strich geht: "Der Rechnungshof hat bereits unter der Führung von Franz Fiedler empfohlen, dass keine aktiven politischen Mandatsträger im Aufsichtsrat der Salzburger Flughafen Gesellschaft vertreten sein sollen, sondern echte Fachleute." Und ortet Befangenheit in der Personalunion "Vorsitzender des Aufsichtsrates, Haupteigentümervertreter in der Generalversammlung und ressortverantwortliches Regierungsmitglied“. Schließlich ist das Land zu 75 Prozent Eigentümer des Flughafens, der Stadt Salzburg gehören die restlichen 25 Prozent.


Sie sind weder ein Luftfahrtfachmann, noch ein Mann mit Wirtschaftserfahrung

Und Bucek legt noch eins nach: "Sie sind weder ein Luftfahrtfachmann, noch ein Mann mit Wirtschaftserfahrung, Sie sind gelernter und freigestellter Pädagoge einer Mittelschule, was Sie eher für einen Schulratsposten prädestiniert, nicht jedoch für ein Wirtschaftsunternehmen wie die SFG.

Stöckl soll Vorsitz zurücklegen

Zudem wirft Bucek dem Aufsichtsratsvorsitzenden einen autokratischen Stil. "Seit ihrer Vorsitzübernahme 2013 haben sie jegliches Fachgespräch vermieden." Und wirft Stöckl auch vor ihm als Aufsichtsratsmitglied bei der Arbeit behindert zu haben. Seine Forderung: Stöckl soll mit sofortiger Wirkung den Vorsitz im Aufsichtsrat zurücklegen.

ÖVP-Mann Stöckl schießt im Gespräch mit den Salzburger Nachrichten zurück: "Herr Bucek hat ein Problem. Er hat uns schon längere Zeit bombadiert, weil er unbedingt im Aufsichtsrat bleiben will. Er spürt offensichtlich, dass eine Zeit gekommen ist, und schlägt wie wild um sich."

Fakt ist, dass der Flughafen, die einstige Vorzeige-Sanierung eines kleineren Flughafens, wirtschaftlich erheblich in Bedrängnis geraten ist, wenn der Flughafen 2017 auch einen Gewinn von sechs Millionen Euro geschrieben hat und die Passagierzahl im Vorjahr um fast neun Prozent gestiegen ist.

Aus von Air Berlin und FlyNiki setzt Flughafen massiv zu

Den Flughafen treffen die Insolvenzen von Air Berlin und Tochter FlyNiki mit voller Wucht. So war Air Berlin für Salzburg ein sogenannter Hub Carrier gewesen, also ein Drehkreuz, das auch Verbindungen zu Langstreckendestinationen bot. Wichtige Destinationen Zürich und Paris sind ebenfalls wegfallen. Auch diese beiden Zielflughäfen hatten eine wichtige Drehkreuzfunktion.

Gigantisches Ferienflugnetzwerk von Salzburg aus bedient, fällt nun weg

Die Pleite von Air Berlin geht auch aus einem anderen Grund an die Substanz: Die Airline bildete laut der neuen Flughafenchefin Bettina Ganghofer ein "gigantisches Ferienflugnetzwerk, das von Salzburg aus bedient wurde. Bis Lauda Motion das aufgebaut hätte, braucht es Zeit."

Millionen auf Pump für drei Großprojekte, um neue Einnahmequellen zu erschließen

Flughafen-Direktorin Ganghofer versucht nun mit massiven Investitionen von insgesamt 60 Millionen Euro bis 2023 gegenzusteuern. So soll mit dem Geld die Piste saniert werden, eine neue Pistenentwässerungsanlage gebaut werden und wie in Zürich oder Stuttgart eine Airport-City aus dem Boden gestampft werden. Die drei Großprojekte sollen ohne Subventionen von Stadt und Land Salzburg finanziert werden. Um die Summe aufzubringen, will Ganghofer statt dessen eine Kreditfinanzierung ausschreiben. Immerhin ist auch Geld in der Kasse. Die Eigenkapitalquote beträgt stattliche 71,4 Prozent. Freie Rücklagen sind in Höhe von knapp 26 Millionen Euro vorhanden. Heuer rechnet Ganghofer, aufgrund der Folgen der Airline-Pleite zwar mit sinkenden Einnahmen, aber dennoch mit einem Gewinn.

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