Strategische Kooperation von Voestalpine und Verbund

Strategische Kooperation von Voestalpine und Verbund
Strategische Kooperation von Voestalpine und Verbund

voestalpine-CEO Wolfgang Eder (L.) und der Vorstandsvorsitzende der Verbund AG Wolfgang Anzengruber haben mehrere Kooperationsprojekte vereinbart.

Der Stahl- und Technologiekonzern voestalpine und der Energiekonzern Verbund haben eine auf sechs Jahre angelegte Kooperation geschlossen. Hintergrund ist die effiziente, klimaneutrale Nutzung von Energie. Für die voestalpine ein wichtiger Schritt, um die Kosten zur Erreichung der von der EU vorgegebenen Klima- und Energieziele zu minimieren. Von der Regierung fordern beide Konzern einen Energie-Masterplan, der auch Wahlperioden überdauern kann.

Die Voestalpine und der Verbund verstärken ihre Zusammenarbeit. Dazu gehören neben neu konzipierten längerfristigen Verbund-Stromlieferungen für verschiedene voestalpine-Standorte Flexibilisierungskonzepte in den Bereichen Stromerzeugung und Strombedarf, die Prüfung von möglichen Photovoltaik-Projekten an österreichischen voestalpine-Standorten sowie eine Forschungszusammenarbeit im Zukunftsbereich Wasserstoff.

Am Standort Linz baut die voestalpine gemeinsam mit Verbund eine Anlage zur Erzeugung von Stahl mittels Wasserstofftechnologie. Der Investitionswert der Anlage wird auf einen zweistelligen Millionenbetrag beziffert, wie voestalpine-Chef Wolfgang Eder bestätigt. Den genauen Millionenbetrag - „es steht ein einser vorne“ - wollte Eder nicht nennen, "das interessiert mehr die Konkurrenz". Das Volumen soll sich vorläufig auf 15 bis 20 Millionen Euro belaufen inklusive Forschungsförderung.

In Donawitz bauen beide Unternehmen eine großflächige Photovoltaik-Anlage. Das Investitionsvolumen wurde nicht beziffert. Anzengruber: "Es geht da um eine große Anlage, nicht nur um ein Hausdach." Aufgrund der technologischen Innovationen erhoffen sich die beiden Unternehmen auch entsprechende staatliche Förderungen abholen zu können.

Für den Zeitraum 2017 bis 2022 wurde zudem ein Stromliefervertrag zur Versorgung der voestalpine-Standorte abgeschlossen. Gegenstand der Kooperation sind nicht nur die beiden Infrastrukturprojekte, sondern auch eine gemeinsame Kooperation bei Forschung und Entwicklung in zumindest vier Clustergebieten. Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die Stahlerzeugung mit dem Einsatz von Wasserstofftechnologie. Ein Forschungsprojekt, das auch bei der voestalpine-Konkurrenz auf der Agenda steht.

Die Projektkooperation von Verbund und voestalpine ist vorerst auf einen Zeitraum von sechs Jahren angelegt. Das Partnerschaftsabkommen sieht vor, die aktuellen Themenbereiche gegebenenfalls um weitere gemeinsame Projekte zu ergänzen. Aus meiner Sicht kann das eine "open-end-Kooperation" werden, meinte Eder, der über den vereinbarten Zeitraum hinaus seine Perspektive gerichtet hat.

Forderung: Die Rahmenbedingungen

"Wir haben begonnen uns in die richtige Richtung zu entwickeln", sagt voestalpine-Chef Eder. Bei der Kooperation voestalpine/Verbund insbesondere bei der Wasserstofftechnologie gehe es bereits mehr als "nur um einen Laborversuch". "Wir können aber nicht eine Vorreiterrolle einnehmen bis die Voraussetzungen geklärt sind", sagt Eder.

Die Kritik richten sowohl Eder als auch Anzengruber an die Politik, die noch säumig ist, was die Umsetzung der Ergebnisse der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris anbetrifft. "Es fehlen die Rahmenbedingungen, es muss endlich ein Pflock in den Boden geschlagen werden, damit wir wissen, woran wir sind", sagt Verbund-CEO Anzengruber. "Es reicht nicht in Paris Verträge zu unterschreiben", sagt Anzengruber. "Und diese Rahmenbedingungen müssen auch über einer Wahlperiode hinweg halten."

Bei den Investitionen geht es für beide Branchen um Entscheidungen, die "für die nächsten 30, 50 oder noch mehr Jahre" getroffen, sagt Eder. Die beiden Top-Manager fordern daher von der österreichischen Regierung, den bereits dem im Vorjahr angekündigten Energie-Masterplan, in dem die Rahmenbedingungen fixiert werden.

Hintergrund ist, dass sowohl die Energieerzeuger als auch die Industrie mit großen energiepolitischen Herausforderungen konfrontiert sind. Im Zuge der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris wurden die Klima- und Energieziele festgezurrt, ohne konkrete Rahmenbedingungen folgen zu lassen, wie voestalpine-Chef Eder kritisiert. Bis zum Jahr 2030 müssen die CO2-Emissionen um 40 Prozent gesenkt werden (im Vergleich zum Jahr 1990), bis 2050 um mindestens 80 Prozent. Für die energieintensive Industrie, aber auch für die Energiewirtschaft bedeutet die ein radikaler Wandel in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens.

Sowohl die Stahlindustrie als auch die Energiebranche stehen daher vor einem grundlegenden Wandel. "Die Energiewirtschaft der Vergangenheit ist nicht mehr die Energiewirtschaft der Zukunft", betont Verbund-CEO Anzengruber. "Wir entwickeln uns zum Energieprovider sowohl für Privatkunden aber auch zum Partner der Industrie."

Langfristig tragfähige, stabile Partnerschaften zwischen Energie- und Industrieunternehmen werden daher für beide Seiten immer wichtiger. Die neue Kooperation zwischen dem Technologie- und Industriegüterkonzern und dem größten österreichischen Stromerzeuger geht daher erstmals weit über den klassischen Bereich der bloßen Stromlieferung hinaus. Auch die Stahlkonkurrenz in Deutschland, den USA sowie Schweden haben bereits derartige Kooperationen bereits vereinbart oder schon in Betrieb genommen.

Strategische Kooperationsprojekte in vier Kernbereichen

Die jetzt geplante Zusammenarbeit beinhaltet zunächst die Lieferung von Verbund-Strom für einzelne Unternehmensstandorte der voestalpine in Österreich auf einer erweiterten, den komplexen Preis- und Leistungsstrukturen der Zukunft besser als bisher Rechnung tragenden Basis. Ein entsprechender Liefervertrag wurde für einen Zeitraum von vorerst sechs Jahren fixiert.

Des Weiteren wird an Projekten für erneuerbare Eigenstromerzeugung an inländischen voestalpine Konzern-Standorten gearbeitet. Konkret geht es dabei um die Prüfung hinsichtlich Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit sowie um die Entwicklung von Betreibermodellen für Photovoltaik-Anlagen. Außerdem wollen die Partner bei Demand-Side-Management-Lösungen – sprich dem Ausgleich von kurzfristigen Schwankungen im Stromnetz durch Erzeugungsanlagen der voestalpine – umfassender als bisher zusammenarbeiten. Beim vierten Kernbereich handelt es sich um eine gemeinsame langfristige Forschungsinitiative zum Thema Wasserstoff, bei der es schwerpunktmäßig um Potenziale und Möglichkeiten für den Einsatz von Wasserstoff in den einzelnen Prozessstufen der Stahlherstellung geht.

Gemeinsames erklärtes Ziel der strategischen Projektarbeit ist es, letztlich die langfristige Konkurrenzfähigkeit des Industriestandortes Österreich in Bezug auf die energiespezifischen Voraussetzungen einer kritischen Prüfung und Bewertung zu unterziehen.

voestalpine als Ökologie-Benchmark in der Stahlerzeugung

Die voestalpine gilt in ihrer Branche bereits seit längerem als Umwelt- und Effizienzbenchmark. Auf über 2,2 Milliarden Euro belaufen sich allein in den letzten zehn Jahren nur die laufenden Betriebsaufwendungen für Umweltanlagen in Österreich. Die Stahlstandorte Linz und Donawitz sind durch einen integrierten Energiekreislauf, bei dem die in der Stahlproduktion anfallenden Prozessgase in eigenen Kraftwerken in Strom umgewandelt und dieser dann in den nachgelagerten Anlagen (insbesondere den Walzwerken) verwendet wird, nahezu stromautark.

„Die voestalpine will konsequent weiter in Richtung schrittweiser Dekarbonisierung der Stahlproduktion gehen, um langfristig von Kohle über nachfolgende Brückentechnologien vor allem auf Erdgasbasis hin zu einer möglichen Anwendung von CO2-neutralem Wasserstoff zu gelangen – auch wenn dieser Weg sicher noch ein sehr langer sein wird“, so Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG. Beispielgebend sei das Werk mit der Direktreduktionsanlage in Corpus Christi im US-Bundesstaat Texas.

Wasserstoffbasierte Stahlerzeugung ist derzeit ein Zukunftsszenario, das aus heutiger Sicht in etwa 20 Jahren Realität sein könnte. Der Konzern würde für die komplette Umstellung seiner Produktion auf erneuerbare Energie rund 33 TWh (Terawattstunden) pro Jahr aus dem externen Netz benötigen, da im Falle einer umfassenden Technologieänderung der Energiebedarf nicht mehr aus eigener Stromproduktion gedeckt werden könnte. Dies entspricht der Leistung von mehr als 30 Großwasserkraftwerken bzw. rund 50 Prozent des gesamten heutigen Strombedarfs Österreichs.

Somit wäre eine Technologieumstellung für die voestalpine in absehbarer Zeit weder technisch noch wirtschaftlich umsetzbar. „Eine Transformation erfordert die langfristige permanente Koordination von Energieerzeugern und -verbrauchern, wobei eine Technologieumstellung nur in dem Ausmaß Sinn macht, als jeweils entsprechende Energie in ausreichendem Umfang und zu global konkurrenzfähigen Bedingungen zur Verfügung steht“, so Eder. Der voestalpine-CEO betont zudem, dass die Rahmenbedingungen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit in jeder Phase eines so tiefgreifenden Transformationsprozesses auf politischen und nicht wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen beruhen.

Verbund auf dem Weg zum CO2-freien Erzeuger

Verbund setzt den Weg zum 100 Prozent CO2-freien Erzeuger konsequent fort. Rund 95 Prozent des Verbund-Stroms kommen aktuell aus erneuerbaren Energien, vorrangig Wasserkraft. Neben Stromerzeugung, -übertragung, -handel und -vertrieb setzt das Unternehmen zunehmend auf den Ausbau energienaher Dienstleistungen für Industrie- und Gewerbekunden wie auch Haushaltskunden. „Wir freuen uns über diese zukunftsweisende Kooperation zwischen zwei großen österreichischen Unternehmen, die beweist, dass sich die Anliegen der produzierenden Industrie und die effiziente Nutzung sauberer Energie ergänzen. Unser gemeinsames Ziel ist die Reduktion der CO2-Emissionen und die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Österreich“, sagt Verbund-Vorstandsvorsitzender Anzengruber. „Gerade das Thema Wasserstoff bietet großes Potenzial für den industriellen Einsatz wie auch als Speichertechnologie, um die volatile Stromerzeugung aus den neuen erneuerbaren Energien auszugleichen.“

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