Strabag-CEO Thomas Birtel: "Von Fall zu Fall prüfen"

Beim Baukonzern Strabag prüft man gemeinsam mit Politik und Sozialpartnern, den Bau teilweise wieder in Schwung zu bringen.

Strabag-CEO Thomas Birtel: "Von Fall zu Fall prüfen"

Die Strabag mit ihrer berühmten Tausendfüßler-Strategie ist fast geräuschlos durch die Finanzkrise ab 2008 gekommen, und auch die Krim-Krise ab 2014 hat dem in Osteuropa stark verankerten Baukonzern wenig angetan. "Aber die derzeitige Situation ist völlig neu", sagt CEO Thomas Birtel, der vom Kölner Strabag-Büro aus das Krisenmanagement koordiniert.

Seit Sonntag, 15. März, tagt täglich per Videokonferenz der Konzernkrisenstab, der ident mit dem Konzernvorstand ist. Meist zu Mittag, "High Noon", sagt Birtel dazu. Dazu kommen länderweise Krisenstäbe. Denn die Situation ist von Land zu Land höchst unterschiedlich: In Belgien, Luxemburg und Italien ist Bauen behördlich untersagt. In Deutschland, das für rund 45 Prozent der gesamten Strabag-Bauleistung steht, läuft der Straßenbau fast unberührt weiter. "Da sind wir Herr der Lieferkette und arbeiten mit eigenem Personal", erklärt Birtel. Im Hochbau hingegen, wo die Lieferkette "großteils ausgelagert" sei, fehlen auch in Deutschland die Polen, die in ihre Heimat gefahren sind.

Als die Strabag am 18. März ihre 1.000 österreichischen Baustellen still legte und vorsorglich die Belegschaft beim Frühwarnservice des AMS ankündigte, war der Schock groß -nicht nur in der Politik, sondern auch bei den Mitarbeitern. Der nötige Ein-Meter-Abstand zwischen den Beschäftigten auf Baustellen könne vielfach nicht eingehalten werden, argumentierte das Unternehmen. Die interne Krisenkommunikation lief über das firmeneigene Intranet Stranet, in dem sich Birtel selbst per Videobotschaft an die Belegschaft wandte. Ein erheblicher Teil der Kommunikation passierte aber vor Ort, was bei insgesamt 11.000 Strabag-Baustellen nicht immer ganz einfach ist, Die "Dezentralität ist in einer so einer Situation Segen und Fluch zugleich", stöhnt Birtel.


STRABAG
SITZ: Wien
LÄNDER: >80
MITARBEITER: 77.000
UMSATZ: 16,8 Mrd. Euro

Nach zwei Tagen schwenkte die Strabag auf das nachgebesserte Kurzarbeitsmodell in Österreich um. Die Löhne und Gehälter in der Kurzarbeitsphase kurzfristig vorzufinanzieren, sei "kein Problem", sagt der CEO: "Wir haben eine kerngesunde Bilanz und hatten in den letzten Jahren eher mit Überliquidität zu kämpfen."

Heikel könnten die rechtlichen Folgen in der Post-Corona-Zeit werden. Zahlen Bauherren, wenn die Baufirma aus eigenem Antrieb die Arbeit einstellt? Birtel verweist auf eine klare Önorm, die außergewöhnliche Ereignisse der Auftraggebersphäre zuschlägt. Nicht immer sieht das die andere Seite allerdings auch so: "Bisher gibt es in Österreich weniger als ein Dutzend Baustellen, wo wir uns in dieser Frage mit dem Auftraggeber nicht einig sind."

Um die Wirtschaft wenigstens nicht gänzlich austrocknen zu lassen, gab es zuletzt Gespräche mit Minister Anschober und den Sozialpartnern, die den Bau im Land wenigstens teilweise wieder in Schwung bringen sollen. Es werde nach vertretbaren Rahmenbedingungen gesucht, so Birtel, aber "das muss von Einzelfall zu Einzelfall geprüft werden." Eine Einigung sollte es noch vor der Karwoche geben.



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Zur Person. Georg Schwondra, 51, ist Partner bei Deloitte und für den Ausbau und die Leitung des Bereiches Cyber Risk/Cyber Security bei Deloitte Risk Advisory verantwortlich. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen sowohl im Bereich von Security Strategy, der Beratung und Implementierung von Cybersecurity-Lösungen, dem Outsourcing von Security-Funktionen auf Auftraggeberseite und Dienstleisterseite als auch in der Begleitung und dem Management von Transformationsprojekten bei Unternehmen aller Größen, insbesondere auch im Bereich von Familien- und Privatunternehmen.

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