Strabag-CEO Birtel: "Uns ist es egal, wo eine Straße gebaut wird"

Strabag-Boss THOMAS BIRTEL über hohe Materialkosten, einen höheren Streubesitz, eine Rekorddividende und seine Nachfolge.

Strabag-CEO Birtel: "Uns ist es egal, wo eine Straße gebaut wird"

MIT RUHIGER HAND steuerte Thomas Birtel den Bauriesen Strabag in den letzten acht Jahren. Seinen Abgang Ende 2022 bezeichnen viele in und außerhalb des Unternehmens als "großen Verlust".

trend: Die Bauwirtschaft boomt, Ihre Auftragsbücher sind voll, aber Sie kämpfen mit Materialknappheit und teuren Rohstoffen. Überwiegt die Freude oder die Sorge, den Aufträgen nicht nachkommen zu können?
Thomas Birtel: Die positive Einschätzung überwiegt. Wir nehmen neue Aufträge sehr selektiv an, weil wir sie uns aussuchen können und auch müssen, alleine aus Ressourcengründen. Aber die Panikmeldungen über das Explodieren der Rohstoffpreise betreffen uns nicht so dramatisch. Ja, wir sind betroffen, aber da sprechen wir höchstens von Verzögerungen, etwa weil Kunststoffrohre später geliefert werden. Dass bei uns die Baustellen flächendeckend stillstehen, trifft sicher nicht zu.

Wann rechnen Sie mit einer Entspannung der Lage bei der Materialknappheit?
Schon im zweiten Halbjahr. Zum Teil macht sie sich schon bemerkbar. Aber die Preise bleiben sicher noch länger hoch.

Das wirkt sich auf Ihren Gewinn aus oder auf die Geldtaschen Ihrer Auftraggeber?
Das wird sich natürlich auf den Gewinn niederschlagen, aber wir haben bereits angefangen, die höheren Preise an die Kunden weiterzugeben. Dadurch riskieren wir natürlich, dass wir eben keinen Auftrag bekommen. Aber wenn man auf unseren Auftragsbestand schaut, ist das für uns kein Problem. Im ersten Quartal hatten wir ja erstmals einen Auftragsbestand von über 20 Milliarden Euro. Wir haben also mehr Aufträge bekommen, als wir abgearbeitet haben. Und dieser Trend wird sich weiter fortsetzen.

Sie gehen also nicht davon aus, dass Ihnen die Kunden bei höheren Preisen abspringen?
Es gibt schon Auftraggeber, die zurückschrecken. Aber das prägt den Markt nicht. Die meisten sagen eher: "Lieber jetzt vergeben, weil morgen wird es vielleicht noch teurer." Anders ist es in der Infrastruktur, die bedarfsgetrieben ist.

Kommen denn Ihrer Meinung nach die großen Corona-Infrastrukturprojekte jetzt zur Unzeit, wo sie ohnehin so ausgelastet sind?
Ich glaube, man hat in der Vergangenheit in vielen Ländern zu lange zugewartet. Das trifft nicht auf Österreich zu, wo wir keinen derartigen Infrastruktur-Stau wie etwa in Deutschland sehen. Wir sagen immer, Österreich ist eine Bank, weil verlässlich und stabil investiert wird.

Wenn Umweltministerin Gewessler ankündigt, alle großen Straßenbauprojekte auf Ihre Klimaverträglichkeit zu überprüfen, wie finden Sie das?
Nachhaltigkeit ist für uns natürlich auch ein Thema. Für uns ist es aber letztlich egal, wo die Straße gebaut wird. Neue Trassenführungen sind für uns kein Problem.

Gehen Sie davon aus, dass Strabag-Projekte deswegen wackeln könnten?
Nein, bestehende Projekte können alleine aus rechtlichen Gründen nicht wackeln.

Müssen Sie jetzt auch mehr Mitarbeiter einstellen, um die Aufträge abzuarbeiten?
Ja, das würden wir gerne, aber das ist ein Problem. Im Moment haben wir konzernweit 2.000 offene Stellen. Wir suchen permanent mehr Personal, als wir bekommen. Um junge Leute zu bekommen, haben wir letztes Jahr in Ybbs an der Donau begonnen, einen Ausbildungscampus zu bauen. Damit wollen wir uns einen Wettbewerbsvorteil bei der Nachwuchssuche erarbeiten. Als klassisch männerdominiertes Geschäft fehlen uns vor allem Frauen. Daran wollen wir jedenfalls weiterarbeiten.

In Chile arbeiten Sie ja an einem riesigen Kraftwerksprojekt. Stimmt es, dass die Strabag dort viel Geld in den Sand gesetzt hat?
Es stimmt, das ist ein Projekt, das uns ergebnismäßig keine Freude bereitet hat. Aber es ist technisch ein Paradeprojekt, ein unterirdisches Wasserkraftwerk, das es so auf der Welt noch nicht gibt.

Die BWB hat wegen des Baukartells eine Geldbuße in Millionenhöhe gegen die Strabag beantragt. Ist das Verfahren damit für Sie vom Tisch?
Ja, dabei handelt es sich um einen Generalvergleich, der diesen Komplex erledigen soll. Allerdings braucht es noch die rechtskräftige Entscheidung des Kartellgerichts.

Welche Lehren hat die Strabag aus dem Kartell gezogen?
Ich selbst war sehr betroffen, weil ich das nie für möglich gehalten hatte. Es war über viele Jahre offenbar so gelebt. Ich kenne keinen namhaften Marktteilnehmer, der daran nicht beteiligt war. Natürlich hinterfragt man auch, wie die Zusammenarbeit mit anderen Marktteilnehmern künftig zu geschehen hat. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe haben wir außerdem unser Compliance-System grundlegend überarbeitet, haben im Haus eine Awareness-Kampagne gestartet und sind freiwillig in ein Monitoring gegangen. Das Kernstück ist eine externe Monitoring-Kommission unter der Führung von Brigitte Ederer, die unser Compliance-System laufend überprüft.

Mussten deswegen auch Mitarbeiter das Unternehmen verlassen?
Ja.

Sie haben mit Ihrem Vorgänger (Hans Peter Haselsteiner) einen sehr präsenten Hauptaktionär. Ist das schwierig?
Das ist gar nicht schwierig - er steht mir immer mit Rat und Tat zur Seite, wenn ich ihn darum bitte. Unser Verhältnis ist sehr konstruktiv. Es gibt ja auch Patriarchen, die nicht loslassen können. Das ist bei Hans Peter Haselsteiner überhaupt nicht so.

Dennoch hatten Sie kürzlich unterschiedliche Vorstellungen, die Dividende betreffend: Sie haben 1,9 Euro vorgeschlagen, die Hauptaktionäre haben aber fast das Vierfache beschlossen.
Das ist für mich ein einmaliger Vorgang, aber natürlich sind die Aktionäre der Souverän des Unternehmens. Als CEO bin ich mit dem übrigen Vorstand derjenige, der den Jahresabschluss erstellt, und ausgeschüttet kann nur das werden, was als ausschüttungsfähiges Ergebnis ausgewiesen wurde. Und wir haben einen Jahresabschluss erstellt, der eine Ausschüttung dieser Größenordnung ermöglicht hat.

Würden Sie sich einen höheren Streubesitz der Strabag wünschen?
Ja. Ich glaube, dass das eine ganz wesentliche Voraussetzung für einen fairen Aktienkurs wäre. Wünschenswert wären 40 Prozent Streubesitz. Das würde auch an den Beherrschungsverhältnissen nichts ändern, wenn sich das Kernaktionariat auf insgesamt 60 Prozent zurückzöge.

Ihr Vertrag läuft bis Ende 2022. Ist es noch Ihr Ziel, dass Sie die 47 Euro Emissionskurs bis dahin einstellen?
Ja, das ist jedenfalls ein Ziel von mir, und die Firma wäre es auch wert.

Sie sind jetzt 67 Jahre alt. Ich gehe davon aus, Sie bleiben nach 2022 nicht Strabag-CEO?
Ja, das geht allein aufgrund des Alters nicht.

Haben Sie einen Wunschnachfolger?
Nein, das ist nicht meine Aufgabe. Das wird der Aufsichtsrat voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022 entscheiden.

Klemens Haselsteiner wird als Ihr Nachfolger gehandelt. Trauen Sie ihm den Vorstandsvorsitz zu?
Absolut. Alle im Vorstand sind schon lange im Unternehmen. Auch Klemens Haselsteiner war mehr als zehn Jahre im Unternehmen, ehe er in den Vorstand kam. Wir haben auch gemeinsam für die Strabag in Russland gut zusammengearbeitet.



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