Schlechte Stimmung bei Österreichs Führungskräften

Ein Jahr nach Ausbruch der Covid-Krise ist Österreichs Wirtschaft am Scheideweg. Das ist das Ergebnis des Deloitte Radar 2021, bei dem die Stimmungslage von Österreichs Führungskräften abgeholt wurde. Viel Power muss künftig in die Digitalisierung und Flexibilisierung gesteckt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Schlechte Stimmung bei Österreichs Führungskräften

Wien. Die Corona-Krise mit all den Lockdowns hat Spuren in Österreichs Wirtschaft hinterlassen. Nach der jüngsten Umfrage unter Führungskräften des Beratungsunternehmens Deloitte ist Handlungsbedarf angesagt, um den Aufschwung zu schaffen. Und vor allem den Standort Österreich weiterhin attraktiv zu halten. War vor einem Jahr der Optimismus noch ausgeprägt, gibt es in der Zwischenzeit massive Zweifel, dass die Trendumkehr rasch geschafft werden kann. "Die Pandemie hat uns fest im Griff, wirtschaftlich und sozial", sagt Harald Breit, designierter CEO von Deloitte Österreich. "Es ist Ermüdung und Ernüchterung eingekehrt."

Verflogen sei der Optimismus etwa zur Mitte des vorigen Jahres, als man in Österreich noch geglaubt hatte, rasch die Covid-Krsie hinter sich zu lassen. "Die Pandemie wirkt wie eine Lupe, wie ein Vergrößerungsglas, mit der Stärken, aber vor allem auch Schwächen aufgedeckt wurden", so Breit.

Unmittelbar erlebbar für jeden wurden die Mängel beispielsweise in Schulen, wo es etwa an WLAN, Technik und Notebooks gemangelt hat. Und zudem mangelhafte Kenntnisse des Lehrpersonals noch dazu kamen. "Dies wird alles eine Konsequenz auf den Berufseintritt haben", befürchtet Breit.

Das Mittelmaß

Das Fazit des designierten Deloitte Österreich CEO stützt sich auf die Befragung von 250 österreichischen Top-Führungskräften. Aktuell glauben nur mehr 27 Prozent der befragten Top-Entscheider, dass Österreich den Aufschwung im Vergleich zur Konkurrenz in Europa "gut" oder "sehr gut" meistern werden.

Die anhaltende Krise dämpft die Zuversicht von Unternehmen. Im Sommer 2020 vertrauten noch 64 Prozent, die Krise rasch zu meistern. Mit dem aus der Umfrage resultierenden Deloitte Radar wird jährlich die Attraktivität und internationale Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Wirtschaftsstandortes ermittelt.

Das Vertrauen sinkt

Große Schwächen kamen so zutage bei Krisenmanagement der Regierung, das im März und April noch "sehr gut", im Mai bis zum Sommer schon kritisch gesehen wurde, so Breit. Ein Jahr danach habe sich das nicht gebessert. Auch der "Soziale Zusammenhalt" hat sich demnach verschlechtert. Von den Befragten gaben nun noch 65 Prozent die Note "sehr gut", vor einem Jahr hatten 83 Prozent Die Bestnote gegeben.

Große Probleme brachte die Covid-Pandemie auch im Bildungswesen, in der öffentlichen Verwaltung mit dem überbordenden Föderalismus samt Ineffizienzen in der Bürokratie sowie beim Rückstand bei der Digitalisierung an die Oberfläche. Durch den mangelhaften Ausbau mit leistungsfähigem Breitbandinternet seien die Schwächen massiv aufgedeckt worden. Positiv schneidet jedoch das Gesundheitswesen ab, wo mit einer großen Mehrheit die Zufrieden die Note "gut" bis "sehr gut" bekommen hat.

Harald Breit, designierter CEO von Deloitte Österreich, fordert massive Anstrengungen, um die Wirtschaft anzukurbeln und auch positive Stimmung zu erzeugen.

Andere Länder in vergleichbarer Größe, wie Dänemark, Schweden, die Schweiz oder die Niederlande schneiden deutlich besser ab. Laut IMD-Ranking ist Österreich nur auf Rang 9 und somit bestenfalls im Mittelfeld.

„Für unsere Volkswirtschaft ist es spielentscheidend, wie schnell wir wieder an Fahrt aufnehmen können", betont Breit. „Wir müssen jetzt an den richtigen Stellschrauben drehen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um erfolgreich aus der Krise zu kommen.“

Das Sechser-Paket

Die Auswirkungen von der Regierung am Beginn der Covidkrise ausgegeben Maxime "Koste, was es wolle" wird erst in einigen Monaten abschätzbar sein, sagt Breit. Allein nur Geld in die Wirtschaft zu pumpen, würde aber nicht ausreichen. Vielmehr seien nun auch strukturelle Maßnahmen notwendig.

Die Umfrage machte sechs Schwerpunkte sichtbar, die von den Top-Executives für die Stärkung des Wirtschaftsstandorts gefordert werden:

  1. Die lange geforderte Senkung der Lohnnebenkosten (92 Prozent)
  2. Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung (96 %)
  3. Die Digitalisierung des Schulsystems (93 %)
  4. Die Digitalisierung des Gesundheitssystems (93 %)
  5. Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes (89 %
  6. Die Förderung von Investitionen (87 %) – speziell im Bereich Umwelttechnologien (86 %)

„Wir brauchen eine umfassende Digitalisierungsoffensive insbesondere im Schulbereich, im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung, um die bestehenden Versäumnisse auszuräumen. Nur so kann sich der Wirtschaftsstandort Österreich für die Zeit nach der Pandemie wappnen und an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen“, ist Deloitte Österreich-Chef Breit überzeugt.

Die mangelnde Digitalisierung erweise sich bereits als Hemmschuh. Nachholbedarf, oder "Optimierungspotenzial" wie es Deloitte Partner Herbert Kovar milder ausdrückt, gibt es demnach auch bei Innovationen. In Hinblick auf Risikokapital (57 % „Genügend“ oder „Nicht genügend“) und Start-up-Kultur (58 % „Genügend“ oder „Nicht genügend“) gibt es demnach noch genügend Luft nach oben. Der Forschungsförderung als Anreizsystem hätte sich hingegen bewährt und wurde von den Befragten mit Bestnoten ausgezeichnet.

Mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt

Große Verwerfungen gab es im Zuge der Covid-Krise freilich auch am Arbeitsmarkt. Nachdem die Zahl der Arbeitslosen sowie Kurzarbeiter massiv gesenkt wurden, kann jedoch noch immer nicht von Entwarnung gesprochen werden. Die Arbeitslosenquote beläuft sich mit 9 Prozent noch immer auf Höchststand in der zweiten Republik, die Zahl der in Kurzarbeit geschickte Personen wurde zwar auf eine halb Million halbiert, so Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich.

"Die Achillesverse" ist und bleibt dennoch die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, wie aus dem Deloitte Radar hervorgeht. Trotz hoher Arbeitslosigkeit bezeichnen nur zwölf Prozent der Befragen dies mit "sehr gut", 44 Prozent mit befriedigend und 44 Prozent mit "genügend" oder "ungenügend".

Das größte Problem bleibt weiterhin der Mangel an Facharbeitskräften, aber auch die Flexibilität der Arbeitskräfte, was Umschulung sowie den innerösterreichischen Ortswechsel anbetrifft. Und auch bei der Arbeitszeitregelung wollen die Arbeitgeber ansetzen, weil dort ebenso zu wenig Flexibilität möglich sei.

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