Stimmung im deutschen Mittelstand stürzt ab

Nach den Großunternehmen trifft nun in Deutschland auch die Klein- und Mittelbetriebe die Konjunkturflaute mit voller Wucht.

Stimmung im deutschen Mittelstand stürzt ab

Die Stimmung bei deutschen mittelständischen Betrieben war zuletzt vor 19 Jahren so schlecht wie jetzt.

Die Konjunkturflaute hat den Mittelstand in Deutschland voll erreicht. Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Firmen (KMU) verschlechterte sich im Juli erneut und setzt damit den "steilen Abwärtstrend fort", wie am Donnerstag aus dem KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer hervorgeht. "Bei den Großunternehmen ist die Stimmung mittlerweile alarmierend schlecht."

Großindustrie so pessimistisch wie zuletzt vor 19 Jahren
Deutlich pessimistischer schätzen die großen Industriebetriebe ihre Lage ein. Das Barometer dazu fiel auf den tiefsten Wert seit April 2010. "Die Großunternehmen und das Verarbeitende Gewerbe befinden sich nach stetigen Stimmungsverschlechterungen in den Vormonaten und dem Sturzflug im Juli in Alarmstimmung", sagte KfW-Experte Philipp Scheuermeyer.

Globale Risiken zu hoch
Abwärtsrisiken wie die globalen Handelskonflikte oder ein No-Deal-Brexit bremsten die exportabhängige deutsche Investitionsgüterindustrie. "Die Binnenwirtschaft sollte zwar vorerst vergleichsweise robust bleiben." Für ein stabiles Wachstum der gesamten Wirtschaft müsste sich aber die "globalen Risikosituation" deutlich entspannen, sagte Scheuermeyer. Damit die Schwäche der Industrie nicht auf den Jobmarkt und die Inlandskonjunktur übergreift, sollte man "über eine großzügige Förderung der Kurzarbeit nachdenken, die zur Weiterbildung genutzt werden sollte".


Die Rezession ist da

Die Metall- und Elektroindustrie (M+E) sieht sich inzwischen auf Talfahrt. "Die Rezession ist da", sagte Chefvolkswirt Michael Stahl vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Die Produktion sei zwischen April und Juni um 2,4 Prozent zum Vorquartal gefallen. Insgesamt lag die M+E-Produktion im ersten Halbjahr laut Verband 4,9 Prozent unter dem Niveau vor einem Jahr. "Die M+E-Unternehmen sind von den Auseinandersetzungen im Welthandel, vom weiter drohenden ungeregelten Brexit und von der aufgeflammten Klimadebatte verunsichert", sagte Stahl. "Aber auch Investoren im In- und Ausland halten sich derzeit zurück." Rund 30 Prozent der Betriebe hätten im Juli "Auftragsmangel" als Hauptgrund für Produktionsbehinderungen angegeben.

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Norbert Grill ist seit 2008 technischer Geschäftsführer der ORS. Er hat das Studium Regelungstechnik und Automatisierung an der TU Wien absolviert und war zuvor beim ORF in leitenden Funktionen für Digitalisierungsprojekte verantwortlich.
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