Steuerakt: KTM-Chef Pierer überlegt rechtliche Schritte

KTM-Chef Stefan Pierer

KTM-Chef Stefan Pierer

KTM-Chef Stefan Pierer überlegt rechtliche Schritte wegen Offenlegung seines Steuerakts. Die Steuerkonstruktion sei seit 1998 in Verwendung. Der Kurz-Großspender Pierer kritisiert "Silberstein-Methoden" der SPÖ.

In einem Interview mit dem „trend“ (Ausgabe 40/2017) kritisiert KTM-Chef Stefan Pierer, größter Einzelspender von Sebastian Kurz, die Verwendung von Informationen aus seinem Steuerakt in einer aktuellen parlamentarischen Anfrage der SPÖ: „Das sind die Silberstein-Methoden der SPÖ, bei denen es nur darum geht, jemanden zu diskreditieren.“

Pierer behalte sich „in jedem Fall rechtliche Schritte vor.“ Die SPÖ hatte behauptet, Pierer habe 2012 und 2013 jeweils nur unter 3.000 Euro Einkommenssteuer gezahlt. Pierer bekräftigt im Gespräch mit dem trend neuerlich, dass sich die veröffentlichten Zahlen auf seine Bezüge als Aufsichtsrat beziehen, während er seine Vorstandsbezüge über eine GmbH abwickle.

Konkret lässt sich Pierer seine Vorstandsgage nicht persönlich auszahlen - in diesem Fall wäre Einkommensteuer von derzeit bis zu 55 Prozent fällig. Stattdessen fließen die Bezüge im Rahmen eines Leiharbeitsvertrages an die Pierer Konzerngesellschaft mbH. Dort wird die Gage in einem ersten Schritt mit 25 Prozent Körperschaftsteuer belegt. Fließt in weiterer Folge Geld an Pierer persönlich, wird dafür auch Kapitalertragsteuer (27,5 Prozent) fällig. Auf diese Weise habe er 2012 rund 200.000 und 2013 rund 300.000 Euro Steuern für seine Tätigkeit als Chef der KTM AG bezahlt. Laut Pierer besteht dieses Modell seit 1998 und wurde vom Bundesfinanzgericht bestätigt. „Es gibt eine positive Entscheidung des unabhängigen und weisungsfreien Bundesfinanzgerichtes dazu“, so Pierer.

Legaler Stundungseffekt

Die von Pierer gewählte Konstruktion zur Versteuerung seiner Bezüge ist auch dem Präsidenten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Klaus Hübner, zufolge zulässig. Wie Hübner der Austria Presse Agentur APA erklärte, besteht Pierers Steuervorteil in einem "legalen Stundungseffekt", weil die volle Besteuerung erst bei Ausschüttung der Gelder an ihn persönlich entsteht. Für normale Arbeitnehmer sei das Modell zu teuer. Dass Pierers Steuerdaten an die SPÖ weitergegeben wurden, ist für Hübner "verwunderlich". Er kritisiert, "dass das Steuergeheimnis dermaßen klassisch verletzt worden ist".

Dass er ein Nutznießer der von der Kurz-ÖVP vorgeschlagenen Befreiung nicht entnommener Gewinne von der Körperschaftssteuer wäre, bestreitet er grundsätzlich nicht. Pierer sieht den entscheidenden Vorteil aber für alle Beteiligten: „Die nicht entnommenen Gewinne verbleiben im Unternehmen, und damit unterstützen wir das weitere Wachstum, Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen.“


Das vollständige Interview mit KTM-Chef Stefan Pierer finden Sie in der trend-Ausgabe Nr. 40/2017 vom 5. Oktober 2017.

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