Steinhoff-Bilanzskandal bringt Kika/Leiner in Bredouille

Steinhoff-Bilanzskandal bringt Kika/Leiner in Bredouille

Auch in Österreich kappen Kreditversicherer mittlerweile ihre Deckungen. Die heimischen Banken sind mit bis zu 750 Mio. Euro bei Steinhoff uns seinen Töchtern Kika und Leiner engagiert. Der Österreich-Chef gibt sich zuversichtlich.

Wien/St. Pölten/Sandton. Der Bilanzskandal beim Möbelriesen Steinhoff bringt auch die Österreich-Tochter Kika/Leiner zunehmend in Bedrängnis. Kreditversicherer kappen mittlerweile ihre Deckungen nicht nur für den Steinhoff-Konzern, berichten die "Salzburger Nachrichten" am Freitag.

Auch Lieferanten der heimischen Möbelketten Kika und Leiner hätten bereits Post von Versicherungen bekommen, dass ihr Versicherungsschutz bei Ausfall von Forderungen mit sofortiger Wirkung gesenkt werde, schreibt die Zeitung. Die österreichische Möbelindustrie sei entsprechend nervös.

Georg Emprechtinger, Eigentümer von Team 7 und Vorsitzender der Möbelindustrie, spricht laut "SN" von einer schwierigen Situation. Einerseits wisse man nicht, was auf der Eigentümerebene los sei, "und das ist beunruhigend". Auf der anderen Seite habe man mit Kika/Leiner gute Kontakte, die Geschäftsführung dort mache einen guten Job. Aber natürlich überlege man, "was wir jetzt tun, inwieweit wir nur mehr gegen Bezahlung liefern".

Gunnar George, Geschäftsführer von Kika und Leiner in Österreich, gibt sich zuversichtlich. "Steinhoff ist gerade in Verhandlungen mit den Kreditgebern und wir gehen von einem positiven Ausgang aus", sagte er am Freitag zur APA. Als Tochter könne man zu diesem Prozess ohnehin nichts beitragen. "Wir machen unser Business und unser Weihnachtsgeschäft", sagt George.

Die Möbelketten Kika und Leiner mit ihren rund 5.600 Beschäftigten in Österreich gehören seit 2013 zum Steinhoff-Konzern mit 130.000 Mitarbeitern in mehr als 30 Ländern. Seit Anfang Dezember befindet sich das Unternehmen mit niederländischer Rechtsform und operativem Sitz in Südafrika in einer Krise, nachdem wegen Bilanzunregelmäßigkeiten ermittelt wird und der Chef Markus Jooste gehen musste. Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von Steinhoff auf Ramsch abgestuft. Am Mittwoch sind die Steinhoff-Aktien auf ein Rekordtief gefallen. Die Papiere sackten um weitere 30,5 Prozent ab und kosteten 0,32 Euro je Aktie. Auf dem Rekordhoch vom August 2016 hatten die MDax-Papiere noch mehr als 6 Euro gekostet.

Nach mehreren Führungswechseln ringt nun ein vierköpfiges Management-Team um den neuen Übergangschef Danie van der Merwe um Zeit und Geld bei den Banken. Nach eigenen Angaben saß Steinhoff am 14. Dezember auf ausstehenden Schulden in Höhe von 10,7 Mrd. Euro, rund 4,8 Mrd. Euro entfallen auf die Steinhoff Europe AG. Diese sitzt wie die Steinhoff Finance Holding GmbH im niederösterreichischen Brunn am Gebirge.

Besorgt um den Fortbestand des Möbelriesen sind auch österreichische Banken. Sie sind bei Steinhoff mit Krediten und Kreditlinien in Höhe von 500 bis 750 Mio. Euro engagiert, berichteten die "Salzburger Nachrichten" am Donnerstag.

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