Steigende Energiepreise treiben Inflation im Euroraum auf 3 Prozent

Die Inflation ist im Euroraum so hoch wie seit über zehn Jahren nicht mehr und auf die 3-Prozent-Marke gestiegen. Wichtigster Preistreiber ist aktuell der Energie-Sektor.

Steigende Energiepreise treiben Inflation im Euroraum auf 3 Prozent

Was die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer expansiven Geldpolitik ein Jahrzehnt lang nicht geschafft hat, das hat nun die Corona-Pandemie gerichtet: Die Inflationsrate ist im Euro-Raum im August auf 3,0 Prozent gestiegen und liegt damit deutlich über der Zwei-Prozent-Marke, die von der EZB angepeilt wurde.

Eine Inflationsrate von 3,0 Prozent bedeutet gleichzeitig auch die höchste Teuerungsrate seit November 2011. Im Juli 2021 lag die Rate noch bei 2,2 Prozent. Angetrieben wird die Teuerung vor allem von den steigenden Energiepreisen. Im August verteuerte sich Energie binnen Jahresfrist um 15,4 Prozent. Im Juli waren die Energiepreise noch um 14,3 Prozent gestiegen. Die Preise für Industriegüter ohne Energie erhöhten sich im August um 2,7 Prozent, die Preise für Dienstleistungen zogen um 1,1 Prozent an.

Ein weiterer Inflationsanstieg bis in den November ist wahrscheinlich, die EZB wird darauzf reagieren müssen, etwa indem sie ihre massiven Anleihenkäufe im Rahmen des Pandemie-Programms PEPP verringert. Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann tritt bereits wie Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau für eine Reduzierung der PEPP-Käufe ab dem nächsten Quartal ein.

Nur ein kurzes Aufflackern?

Die EZB rechnet nun damit, dass die Inflationsraten heuer weiter hoch bleiben werden. Allerdings wird der Inflationsschub nur als ein vorübergehendes Phänomen erachtet, das mit der Wiederöffnung der Wirtschaft nach den Lockdowns zusammenhängt. Auch Sondereffekte wie die zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland spiegeln sich in der aktuellen Teuerungsrate.

Für 2022 erwartet die EZB wieder schwächere Teuerungsraten in der Euro-Zone, für das Gesamtjahr 2022 rechneten die EZB-Ökonomen zuletzt nur mit einer Teuerung von 1,5 Prozent. Im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters erklärte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane kürzlich, dass Überraschungen bei der Inflation seine Sicht nicht infrage stellen würden, dass sich der momentane Preisdruck wieder abschwächt. Für einen anhaltenden Inflationsschub sei ein deutlicheres Wachstum der Löhne erforderlich. Dies aber zeichne sich derzeit nicht ab.

Es gibt allerdings auch Gegenstimmen. Der frühere deutsche Bundesbank-Chef Axel Weber warnt etwa vor anhaltenden Inflationsgefahren. "Ich glaube nicht, dass die jetzigen Inflationsraten so vorübergehend sein werden, wie Notenbanken jetzt glauben", erklärte der aktuelle Verwaltungsratschef der Bank UBS. Er hält ein aktives Gegensteuern der Notenbanken zu irgendeinem Zeitpunkt für nötig. Das derzeitige Niedrigzinsumfeld werde sich allerdings auf Jahre hinaus wohl kaum ändern. Anleger würden so auf der Jagd nach höheren Renditen in Aktien- und Anleihenmärkte getrieben, wo höhere Risiken lauerten.

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