Starwinzer Josef Umathum - die rabiate Perle

Starwinzer Josef Umathum - die rabiate Perle

Sehr zum Wohl! Starwinzer Josef Umathum erhebt das Glas auf den Zweitausendsiebzehner.

Josef Umathum ist einer der bekanntesten Weinproduzenten Österreichs. Seit seinem Abwehrkampf gegen eine riesige Tomatenfabrik in seiner burgenländischen Heimat sieht er die Politik zwangsläufig anders als früher.

Da steht er also in seinem Schatzhaus, der riesigen Halle voll mit Barrique-Fässern. Er hatte die Besuchergruppe zuerst zu modernen Stahltanks und riesigen Eichenfässern geführt, den Gästen ein Gefühl dafür vermittelt, dass Wein ein ganz besonderer Saft ist, der einiges an Zuwendung braucht. Erst dieser riesige Barrique-Keller erklärt aber, wie Josef Umathum die Welt des Weins begreift. Ganz bewusst, sagt er, hat er für die Lagerhalle die Architektur eines Kirchenschiffs gewählt, der sakrale Charakter sei reine Absicht gewesen.

Der Winzer zeigt fast schon spirituelle Zuwendung für Zweigelt und Pinot blanc, mehr als andere noch scheint er an den Segen des Rebensafts zu glauben - und das mit gutem Recht. Er hat seinen Betrieb sukzessive von null bis zu stattlicher Größe aufgebaut, war einer der ersten Bio-Pioniere Österreichs und praktiziert ökologische Landwirtschaft mit ungebrochener Freude am Experiment. Er beschäftigt siebzehn Mitarbeiter "aus allen Teilen der ehemaligen Monarchie", wie er sagt, und verkauft seine Weine in Neusiedl am See ebenso wie in New York.

WIDERSTANDSKÄMPFER

Immer wieder hat er in den letzten Jahrzehnten Haus und Betrieb am Ostrand der burgenländischen Weinmetropole vergrößert, hat einen Veranstaltungssaal angebaut, in dem Konzerte oder Lesungen stattfinden. Heute ist ein kleines Fest angesagt, mit politischem Hintergrund: Vor genau einem Jahr war Herr Umathum Hauptbeteiligter in einem Konflikt, aus dem er als eindeutiger Sieger hervorging. Es gibt Gegrilltes, Gemüse, Salate, ein Nachspeisenbuffet, und natürlich stehen zur Feier des Tages auch alle Umathum-Weine zur Verkostung bereit.

Man erinnert sich noch dunkel, die Geschichte fand österreichweit Zuseher: Ein Unternehmer wollte am Ortsrand von Frauenkirchen auf 14 Hektar Fläche eine Tomatenfabrik mit riesigen Glashäusern bauen. Josef Umathum aber wollte das nicht. "Es ist die letzte unverbaute Einfahrt in den Ort, die Sicht auf die Kirche, das Wahrzeichen, wäre völlig verstellt gewesen", sagt er. Er fühlte sich von der Gemeinde, vom Bürgermeister überrumpelt, gründete die Bürgerinitiative "Freie Sicht auf Frauenkirchen", sammelte Unterschriften gegen das überdimensionierte Projekt. Er schrieb an alle Haushalte, schlug einen besser geeigneten Standort vor, nutzte all seine Kontakte, ging medial in die Offensive -und legte sich dadurch nachhaltig mit Hans Niessl, einem Du-Freund aus besseren Tagen, an. "Ich habe mich sehr gefreut, als er Landeshauptmann wurde, aber die Macht hat ihn zu einem anderen Menschen gemacht", urteilt der Starwinzer heute über den ehemaligen Lehrer und Bürgermeister von Frauenkirchen.

SCHIKANEN

Der rote Landeshauptmann engagierte sich tatsächlich energisch für die geplante Paradeiserfabrik, wollte das Projekt möglichst rasch durchziehen, argumentierte öffentlich, er esse "lieber Paradeiser aus Frauenkirchen als aus Marokko, Spanien oder Holland". Bei einer Informationsveranstaltung "wurde er dann echt emotional", erzählt Umathum. "Er hat mich in aller Öffentlichkeit beschimpft, mir vorgeworfen, ein Schaden für den Wirtschaftsstandort zu sein."

Niessl argumentierte mit achtzig bis neunzig neuen Arbeitsplätzen, die verhindert würden, Einwände, das Landschaftsbild betreffend, ließ er nicht gelten. Stattdessen behauptete er, Umathum und sein Partner, der Gemüsebauer Erich Stekovics, würden aus "reinen Eigeninteressen" die Bevölkerung "aufhetzen". Niessl, O-Ton: "Offensichtlich spielt der Neid bei Millionären auch ein Rolle. Ab einer gewissen Größe kriegt man anscheinend nicht genug." Umathum sei der Erste gewesen, der die "Sicht auf die Basilika in Frauenkirchen verbaut" habe, es handle sich bei dem Konflikt um eine "Auseinandersetzung zwischen Agrar- Millionären".

Einige von Umathums Mitstreitern und Unterstützern, die in landesnahen Unternehmen beschäftigt sind, bekamen bald Anrufe, ihren Namen besser von der Liste der Projektgegner zu nehmen. Er selbst wurde von einem alten Bekannten ins Kaffeehaus geladen und dabei gebeten, seinen Widerstand "vom Tisch zu bringen", da die Sache bei den Gemeinderatswahlen "stören" könne.

"Es ging ziemlich ins Persönliche", sagt Umathum heute, und jeder, der einmal eine Bürgerinitiative mitgetragen hat, weiß, wie viel Zivilcourage für einen derartigen Kampf nötig ist: Mysteriöse Anrufe, Diffamierungen und Bosheiten muss man erst einmal aushalten. "Die haben mich als linksgrünen Revoluzzer hingestellt." Geholfen hätten ihm aber die rund 1.700 Unterstützer, die sich bei ihm persönlich wie schriftlich meldeten. "Sonst kann man so eine Sache gar nicht durchstehen."

Am Höhepunkt des Konflikts engagierte Umathum den Tourismusexperten Peter Zellmann als Mediator zwischen den verhärteten Fronten. Der Tomaten- Unternehmer konnte auf einer Veranstaltung sein geplantes Großprojekt selbst vorstellen, die Gegner hielten dagegen - und siegten überraschend: Der Betreiber zog sein Projekt zum Jahreswechsel 2016/17 zurück.

Seit diesem heißen Herbst 2016 kennt Biowinzer Umathum sämtliche Untiefen der Landespolitik ganz genau. So wie in ähnlicher Form auch dem Neos-Mandatar und Hotelier Sepp Schellhorn widerfahren, wirft die Behörde seit damals ein scharfes Auge auf den Musterbetrieb. Ein befreundeter Beamter raunte ihm zu, dass es "eine Weisung von oben" gebe, sich seinen Betrieb "genauer anzuschauen". Anzeigen der Naturschutzbehörde flatterten ins Haus. Ein Weingartenzaun sei zu hoch. Ein Unterstand für Schafe nicht genehmigt, ebenso wie ein Hühnerstall auf dem Betriebsgelände, ein Zubau wäre illegal errichtet.

Während für das unrealisierte Großprojekt alle Genehmigungen innerhalb weniger Wochen ausgestellt wurden, wartet Umathum seit eineinhalb Jahren auf einen positiven Bescheid, in einem Weingarten eine Anlage zur Tröpfchenbewässerung errichten zu dürfen. "Es gibt nicht einmal irgendeine Antwort", zeigt sich der Winzer erstaunt. "Nach den Wahlen wurde ein Masterplan für die Landwirtschaft versprochen. Herausgekommen ist bis jetzt kein einziges Blatt Papier", sagt er ernüchtert, "sie machen nur Überschriften, sonst nichts."

DER LINDENBLÄTTRIGE

Auch abseits der Lokalpolitik gibt es Themen, die Josef Umathum sauer aufstoßen. An erster Stelle: die überbordende Bürokratie. Weil ihn die "Zettelwirtschaft" enorm belastete, lässt sich der Bio-Pionier aus Protest nun gar nicht mehr als biologisch-dynamischer "Demeter"-Betrieb zertifizieren.

"Da müsste ich ja eine eigene Arbeitskraft nur für den Papierkram anstellen." Das Fass war übergelaufen, als der Kontrollor nach der Neupflanzung eines Rebstocks ein Zertifikat verlangte, das belegen sollte, dass an den Wurzeln des Stocks keine verunreinigte Erde gehaftet hatte. "Gleichzeitig aber wurde in den letzten zehn Jahren noch nie eine Bodenprobe genommen, obwohl das die einzig sinnvolle Form der Untersuchung wäre."

Der Qualität seines Produkts tut das jedoch keinen Abbruch. Verkostungen, Weinmessen, Verkaufsreisen absolviert Umathum mit bewährter Routine; sein Lieblingsort ist und bleibt aber der Weingarten. Er spritzt seine Reben mit Brennnessel-und Kamillentee, lässt Schafe im Weingarten grasen, züchtet widerstandsfähige Weinreben, hat zurzeit dreizehn Blaufränkisch-Varianten in Erprobung.

Besonders gern spielt er mit fast vergessenen Sorten, so etwa mit dem "Lindenblättrigen", einer Weißweinrebe, die perfekt ins pannonische Klima passt, mit ganz eigenem Geschmack. Doch auch mit Experimenten dieser Art stößt Josef Umathum an enge Grenzen. Bis vor einiger Zeit generell verboten, darf die Sorte erst seit Kurzem legal gezogen werden. Ihren Namen auf ein Etikett schreiben und die Rarität, einst bevorzugter Wein am ungarischen Königshaus, würdig vermarkten, das bleibt weiterhin verboten, weil es das Weingesetz nicht erlaubt.

Es wäre freilich nicht Umathum, würde er nicht wissen, wie man sich auch hier erfolgreich zur Wehr setzt. Der sanfte Rebell verkauft den Lindenblättrigen nun, Weingesetz hin, Bürokratie her, ganz legal unter dem Titel "Königlicher Tafelwein". Prost und sehr zum Wohl!

Das Feinwein-Unternehmen

Josef Umathum bewirtschaftet ca. 45 Hektar Weingartenfläche nach strengen bio-dynamischen Kriterien, davon sind rund drei Viertel Rotweinsorten. Viele Weinfreunde kennen den Blaufränkisch Kirschgarten oder das Aushängeschild, den Cuvée Heideboden. Pro Jahr füllt Umathum rund 300.000 Flaschen Wein. 20 Prozent davon werden direkt ab Hof verkauft, der Exportanteil beträgt ebenfalls etwa 20 Prozent. In Kooperation mit der Winzergenossenschaft Andau und Wolfgang Peck produziert er auf einer Fläche von rund 70 Hektar und vorwiegend für den Export die Rotweinmarke Zantho.

SCHATZHAUS. Umathums Barrique-Lager, eine Kathedrale des guten Geschmacks.


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