Österreichs Start-ups in Israel: Florierender bilateraler Handel

Österreichs Start-ups in Israel: Florierender bilateraler Handel

Tel Aviv: Eine Tech-Metropole, deren Strand im Sommer auch österreichische Touristen anlockt.

Israels Image in der heimischen Medienlandschaft wird dominiert durch Terrorangst und territoriale Spannungen. Das soll sich ändern: Der Handel zwischen den beiden Ländern floriert, und immer mehr heimische Start-ups entdecken Tel Aviv als reizvolles Pflaster.

„Israel ist mehr als das S-Wort“, sagt Talya Lador-Fresher, die israelische Botschafterin in Österreich, bei einem Get-Together mit hiesigen Unternehmern in ihrer Residenz in Wien – gemeint sind damit die „Siedlungen“ („settlements“), welche die hiesige Berichterstattung über das Land im Nahen Osten dominieren. Lador-Fresher, die seit Anfang November ihr Land in Österreich repräsentiert und davor Staatsbesuche in Israel organisierte, ist bemüht, Israel auch mit anderen Themen im Mindset der Österreicher zu positionieren. Dazu gehört etwa, dass die kulturellen Beziehungen vertieft werden, verstärkt junge Österreicher und Israelis in die Diskussion involviert werden – etwa durch Ferienarbeitsaufenthalte im Ausland – und schließlich auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit vertieft wird. Und vor allem der letztgenannte Punkt entwickelt sich prächtig.

Talya Lador-Fresher spricht mit österreichischen Unternehmern in ihrer Residenz, die vom legendären Architekten Adolf Loos gestaltet wurde.

Laut Günther Schabhüttl, dem österreichischen Handelsdelegierten in Tel Aviv, sind die österreichischen Exporte nach Israel im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent auf knapp 350 Millionen Euro gestiegen. „Der bilaterale Handel summiert sich auf rund 500 Millionen Euro“, sagt er: Und das, obwohl beide Länder jeweils nur rund acht Millionen Einwohner haben. Österreich hat im bilateralen Handel mit Israel einen Handesbilanzüberschuss von gut 170 Millionen Euro.

Als ein Zugpferd der wirtschaftlichen Beziehungen sieht er nicht nur den Handel, sondern auch den Tourismus: 500.000 israelische Nächtigungen in Österreich wurden in der vergangenen Saison verzeichnet, durch die Einrichtung zusätzlicher Direktflüge zwischen Tel Aviv und Innsbruck soll diese Zahl noch gesteigert werden. „Der Vorteil ist, dass Österreichs Hochsaison Israels Nebensaison ist, und umgekehrt“, sagt Schabhüttl: Nach Österreich kommen die Touristen im Winter, in Israel genießen sie im Sommer den Strand von Tel Aviv oder sehen sich Jerusalems historische Altstadt an.

Hightech-Metropole zieht Start-ups an

In der IT-Szene ist Israel ohnehin schon längst bekannt – denn Tel Aviv gilt in informierten Kreisen als eine Tech-Metropole, die schon so manches Start-up hat wachsen und gedeihen lassen. So wurde Waze, ein GPS-gestütztes Navigationssystem für Smartphones, im Juni 2013 vom US-Konzern Google übernommen – zu einem kolportierten Preis von einer Milliarde US-Dollar. Wix, ein Tool zum kinderleichten Erstellen von Websites, ist seit November 2013 an der Technologiebörse Nasdaq gelistet. Viele Jahre vor Wien hat Tel Aviv begonnen, nach US-amerikanischem Vorbild ein Ökosystem aus Coworking-Spaces und Inkubatoren zu schaffen – ein Nährboden für junge Wachstumsunternehmen also.

Download: Fact Sheet des Außenwirtschaftscenters Tel Aviv zur israelischen Wirtschaft

Das lockt auch Österreichs Start-ups in den Nahen Osten. Im Rahmen der „Pitching Days“ reisten österreichische Jungunternehmer für ein paar Tage nach Tel Aviv, um dort ihre Ideen zu präsentieren und sich das lokale Ökosystem anzusehen. „Besonders interessant war das Selbstbewusstsein, das die dortigen Akteure zeigen“, sagt Herbert Rohrmair-Lewis, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft. Einig sind sich die Teilnehmer der Reise auch darüber, dass israelische Start-ups sehr schnell agieren und dass das Feedback der Investoren sehr direkt ist – wer hier punkten will, der muss gut vorbereitet sein und eine professionelle Präsentation liefern.

Sorgen um Sicherheit machen sich die Start-ups im Geschäft mit Israel weniger: Eine Teilnehmerin erwähnt, dass die Anschläge von Brüssel genau dann passierten, als sich die Delegation in Tel Aviv aufhielten – gefährlich kann es in Europa also ebenso sein wie in Israel. Ein anderer führt an, dass durch Skiunfälle in Österreich drei Mal so viele Menschen sterben wie durch Terroranschläge in Israel.
Zum Abschluss des Treffens klatscht Lador-Fresher in die Hände und bittet ihre Gäste zum gemeinsamen Foto auf den Balkon. „Denn“, so die Diplomatin gegenüber den Start-ups, „seit kurzem bin ich auch auf Twitter.“

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