Standortranking: Arbeitsbestimmungen, Bürokratie und Steuerlast bremsen Österreich

Österreich holt im Global Competitivenes Report, dem Standort-Ranking des World Economic Forum vier Plätze auf. Grund dafür ist vor allem die vergleichsweise bessere Staatsverschuldung. Als die Problemfaktoren wurden die restriktiven Arbeitsbestimmungen, die ineffiziente Bürokratie und die Besteuerung ausgemacht.

Standortranking: Arbeitsbestimmungen, Bürokratie und Steuerlast bremsen Österreich
Standortranking: Arbeitsbestimmungen, Bürokratie und Steuerlast bremsen Österreich

Der Standort Österreich wird wieder attraktiver. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Global Competitiveness Report 2016-17 des World Economic Forum (WEF) in Genf. Österreich rückte im Ranking um vier Plätze auf und liegt nun auf Rang 19. Das Ranking beurteilt seit 2004 alljährlich die Wettbewerbsfähigkeit in 138 Ländern. Das Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) ist als Partner des WEF an der Studie beteiligt.

Das Ranking beruht auf statistischen Quellen internationaler Organisationen sowie auf einer umfassenden Manager-Befragung in den teilnehmenden Ländern. Als die bedeutendste Risikofaktoren wurden die restriktiven Arbeitsbestimmungen, die ineffiziente Bürokratie und die Besteuerung ausgemacht. Auch bei der Ausbildung, der Innovationskraft und im Bereich der Finanzierung hat Österreich Aufholpotenzial.

Stimmung verbessert sich

Der neue Leiter des WIFO, Christoph Badelt, will die Änderungen im Ergebnis des Global Competitiveness Report nicht überbewerten, zumal die Leistungsdichte in den Rängen 4 bis 25 so groß ist, dass bereits geringe Schwankungen Verschiebungen um mehrere Plätze bewirken können. Dennoch zeigt sich Badelt erfreut, dass sich das Stimmungsbild in den österreichischen Unternehmen verbessert hat.

Österreich holte in der Einschätzung des WEF vor allem hinsichtlich des makroökonomischen Umfeldes auf: Bezüglich der Staatsverschuldung verbesserte sich die Platzierung um 37 Plätze auf den 37. Rang, bezüglich der Entwicklung der Finanzmärkte um 13 Plätze auf den 34. Rang. Neu berücksichtigt wurde ein Indikator zur Bonität der Länder. Hier nimmt Österreich den 14. Rang ein. Der Bericht gibt auch Hinweise auf eine Verbesserung von Strukturfaktoren, die langfristig wirken: So wird die Ausbildungsqualität in mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern besser eingeschätzt als früher (30. Rang, zuvor 37. Rang).

Global Competitiveness Report 2016-2017; Performance-Überblick Österreich

Global Competitiveness Report 2016-2017; Performance-Überblick Österreich

Hinsichtlich der Ausstattung der Schulen mit Internetzugang erreichte Österreich den 26. Rang (+7 Plätze). Bezüglich der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal mit technischer oder wissenschaftlicher Ausbildung nimmt Österreich den 27. Rang ein. Damit wurden im vergangenen Jahr 10 Plätze, innerhalb der letzten zwei Jahre sogar 26 Plätze gutgemacht.

Risikofaktoren

Besonders negativ wird weiterhin das österreichische Steuer- und Abgabensystem gesehen. Hinsichtlich der davon ausgehenden Anreize für Investitionen sowie für Arbeit und Beschäftigung liegt Österreich nur auf den Plätzen 120 und 133.

Michael Peneder, Projektleiter am WIFO, betont daher, dass Österreich zur nachhaltigen Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit weiter vor bekannten Herausforderungen steht. Dazu gehören vor allem eine Reform des Steuer- und Abgabensystems mit einer effektiven Entlastung des Faktors Arbeit sowie die konsequente Stärkung des Innovations- und Ausbildungssystems.

Global Competitiveness Report 2016-2017; Risikofaktoren für Österreich

Global Competitiveness Report 2016-2017; Risikofaktoren für Österreich

International blieben die Spitzenplätze fast unverändert. Die Schweiz liegt weiterhin auf demn ersten Rang vor Singapur und den USA, den Niederlanden, Deutschland und Schweden. Überraschend ist die Verbesserung Großbritanniens um drei Plätze auf den 7. Rang. Allerdings, so Peneder, wurden die in der Studie verwendeten Umfragedaten noch vor der Brexit-Entscheidung erhoben.


Global Competitiveness Index Ranking 2016-2017
Rang Land Score Platzierung Vorjahr Score Vorjahr
1 Schweiz 5,81 1 5,76
2 Singapur 5,72 2 5,68
3 USA 5,70 3 5,61
4 Niederlande 5,57 5 5,50
5 Deutschland 5,57 4 5,53
6 Schweden 5,53 9 5,43
7 Großbritannien 5,49 10 5,43
8 Japan 5,48 6 5,47
9 Hong Kong SAR 5,48 7 5,46
10 Finnland 5,44 8 5,45
11 Norwegen 5,44 11 5,41
12 Dänemark 5,35 12 5,33
13 Neuseeland 5,31 16 5,25
14 Taipei 5,28 15 5,28
15 Kanada 5,27 13 5,31
16 Arabische Emirate 5,26 17 5,24
17 Belgien 5,25 19 5,20
18 Qatar 5,23 14 5,30
19 Österreich 5,22 23 5,12
20 Luxemburg 5,20 20 5,20
Quelle: World Economic Forum

Service: Der Report zum Download

Global Competitiveness Report 2016-2017 des World Economic Forum im PDF-Format (399 Seiten). Veröffentlicht am 28. September 2016. Zum Download bitte auf das untenstehende Bild klicken

Global Competitiveness Report 2016-2017

Global Competitiveness Report 2016-2017

Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich.

Martin Selmayr: „Der Rubel ist auf der Intensivstation“

Martin Selmayr, Leiter der EU-Kommissions-Niederlassung in Österreich, im …

Das Stammwerk der Egger Unternehmensgruppe in st. Johann in Tirol.

Egger Group: Ein Imperium aus Spanplatten und Holzwerkstoffen

Die Egger Group mit Stammsitz in St. Johann in Tirol stellt Span- und …

Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich und Member of the Management Board. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

Wo fängt Ihre Lieferkette an?

160 Millionen Kinder auf der Welt sind zu Kinderarbeit verdammt. Entgegen …

„Terrestrik ist energieeffizient“. Seit über 50 Jahren sendet der ORS-Sender Dobratsch.

Klimafreundliches Fernsehen

Digitales Antennen-Fernsehen verursacht den kleinsten CO2-Fußabdruck.