Standort: Österreich weiter im Mittelfeld, Tendenz nach oben

Zum vierten Mal haben die Wirtschaftsexperten von Deloitte die Entwicklung und die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Österreich bewertet. Die neue Auflage des Deloitte Radar unterstreicht die gefühlte Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage. Der Abwärtstrend am Wirtschaftsstandort Österreich ist demnach gestoppt. In kritischen Bereichen liegt Österreich allerdings weiter zurück.

Standort: Österreich weiter im Mittelfeld, Tendenz nach oben

In den letzten Jahren ist Österreich ins Mittelfeld der Industrienationen abgerutscht. 2017 gibt es endlich wieder einmal bessere Nachrichten: Dem Deloitte Radar zufolge konnte die langjährige Abwärtsbewegung aufgehalten werden. „Der Standort verzeichnet erstmals seit Jahren eine erfreuliche Entwicklung. Es kann nun entweder ein wenig besser oder sogar viel besser werden, wenn wir das vorhandene Potenzial heben“, betont Bernhard Gröhs, Managing Partner von Deloitte Österreich. „Jetzt heißt es dranbleiben und dieses Momentum nutzen. Österreich braucht eine klare Vision: Top 3 in Europa und Top 10 weltweit bis 2025 – das ist machbar und dort gehören wir hin.“

In der Gesamtanalyse der globalen Indizes nehmen die Schweiz, Schweden sowie die USA die Top-Platzierungen ein und erreichen stets die Top 10. Österreich befindet sich in vier der fünf untersuchten Indizes unter den Top 20 und belegt im Durchschnitt insgesamt Platz 19. Bei der erfolgskritischen internationalen Wettbewerbsfähigkeit (dem World Competitivness Index), liegt Österreich allerdings immer noch auf Rang 24. Das ist zwar um zwei Plätze besser als im vergangenen Jahr, aber deutlich schlechter als noch im Jahr 2010. Damals wurde Österreich in dem internationalen Vergleich noch an 14. Stelle gereiht (siehe untenstehende Grafik und Tabelle)

Immerhin: Drei der fünf untersuchten Indizes entwickeln sich positiv, der Networked Readiness Index bleibt unverändert und nur beim Innovation Index verschlechtert sich die Alpenrepublik leicht. Was jedoch auch als kritisch interpretiert werden kann, denn gerade in den Feldern Innovation und Digitalisierung wird sich die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Dass die Lebensqualität in Österreich als herausragend bewertet und somit als klarer Standortvorteil gesehen wird sollte nicht überbewertet werden. Ein hochentwickeltes Sozial- und Gesundheitssystem sowie die überdurchschnittlichen Werte bei Lebenszufriedenheit, Sicherheitsempfinden und Umweltschutz sind zwar attraktiv, müssen jedoch auch erhalten werden. Und das wird auf lange Sicht nur gelingen, wenn Österreich bei den übrigen Faktoren ebensolche Top-Werte erreicht.

Indexentwicklung 2008 - 2016

Indexentwicklung 2008 - 2016

Positive Tendenz

Im Gesamtranking hat sich Österreich gegenüber dem Vorjahr dennoch leicht verbessert. Beim politischen und makroökonomischen Umfeld gibt es mit drei von fünf möglichen Punkten eine Steigerung um einen Punkt. Die Konjunktur zieht an, die Investitionen der Unternehmen nehmen wieder zu und zahlreiche Konzepte zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit liegen auf dem Tisch. Herausfordernd stellen sich wie auch andere Wirtschaftsprognosen zeigen der Bereich der Außenwirtschaft und der Arbeitsmarkt dar. Die Außenwirtschaft schwächelt und der Arbeitsmarkt steht trotz einer Rekord-Arbeitslosigkeit weiter unter Druck.

Das regulatorische Umfeld bewerten die Experten gleich ernüchternd wie im letzten Jahr. Zu viele Auflagen und Hürden behindern die Unternehmen. Kritisch beurteilt wurden die Kosten, sprich die Besteuerung von Unternehmen und des Faktors Arbeit. Hier haben die Experten von Deloitte zwar angemerkt, dass der richtige Weg inzwischen eingeschlagen wurde. Dennoch müsse das klare Ziel der kommenden Jahre eine kontinuierliche Senkung der Steuer- und Abgabenquote mit einer ausgabenseitigen Gegenfinanzierung und Vereinfachungen des Systems sein. Noch sieht man hier dringenden Handlungsbedarf. Gröhs: "Es braucht keinen starken, sondern einen smarten Staat – Vereinfachung ist das Zauberwort.“

Digitalisierung und Innovation als Hebel

Bei Innovation und Digitalisierung hat Österreich im EU-Vergleich noch Verbesserungspotenzial – hier muss zukünftig laut Deloitte ein klarer Fokus gelegt werden. Der Standortfaktor Digitalisierung, Innovation, Forschung und Technologie wird wie im Vorjahr zwar mit vier von fünf Punkten bewertet, aber es gibt Luft nach oben. Die am schnellsten wachsenden Innovatoren sind laut Innovation Index Lettland, Malta, Litauen und die Niederlande, führend sind noch immer die skandinavischen Länder. „Österreich muss zu einem echten Innovation Leader in Europa werden“, erklärt Barbara Edelmann, Partnerin bei Deloitte Österreich. „Die digitale Fitness muss bei Investitionen in die Zukunft ganz oben stehen. Außerdem braucht es mehr Transparenz im Förderwesen, mehr Risikokapital für Unternehmen und mehr Förderung der digitalen Kompetenzen in der Bevölkerung.“

Verbesserungspotenzial gibt es auch am österreichischen Arbeitsmarkt. Neben einer entgegen dem EU-Trend steigenden Arbeitslosigkeit gibt es bei Flexibilität und Ausschöpfung des vorhandenen Erwerbspotenzials Aufholbedarf. Ältere Arbeitnehmer, Menschen mit Behinderung, Migranten und vor allem Frauen haben es nachweislich schwerer, Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. Diese strukturelle Ungleichheit ist ein großer Nachteil, wenn Österreich einen Spitzenplatz in Europa anstrebt. Gerade zur Gleichberechtigung von Frauen sind mutige Maßnahmen notwendig. Ein erster Schritt sind die verpflichtenden Einkommenstransparenzberichte für Unternehmen ab 150 Mitarbeitern. Gundi Wentner, Partnerin bei Deloitte Österreich, fordert aber mehr: „Wir müssen der Einkommenstransparenzpflicht endlich Zähne geben, indem wir ungleiche Bezahlung sanktionieren. Nur mit ambitionierten Zielen können wir echte Chancengleichheit schaffen und mehr Vielfalt in den Unternehmen sicherstellen.“

Trotz vieler Handlungsfelder mit notwendigen Verbesserungen zieht Gröhst ein optimistisches Resümee: „Österreich hat im letzten Jahr gezeigt, dass der Abwärtstrend aufgehalten werden kann. Vieles entwickelt sich positiv und die internationalen Wirtschaftsdaten geben uns Rückenwind. Wir müssen uns jetzt an den Besten messen und konkrete Maßnahmen setzen – dann können wir im globalen Standortwettbewerb wieder einen Spitzenplatz erlangen


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Deloitte Radar 2017 - Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich

Deloitte Radar 2017 - Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich

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