Stärkster absoluter Rückgang der Arbeitslosigkeit seit 30 Jahren

Stärkster absoluter Rückgang der Arbeitslosigkeit seit 30 Jahren

Es geht aufwärts am Arbeitsmarkt: Am Bau, in der Warenproduktion, im Tourismus sowie bei Lehrlingen - für In- und Ausländer. Unternehmen bieten auch mehr Stellen an.

Im Jänner 2018 waren 38.000 Personen weniger Mneschen ohne Job - was einem Rückgang um 7,7 Prozent entspricht. Die Arbeitslosenquote (national) sank auf 9,5 Prozent. Vor allem bei der Jugendarbeitslosikeit und bei Ausländern kommt es zu einem Rückgang. AMS-Chef Kopf dämpft vor allzu großen Erwartungen: "Für Jubel noch zu früh." Die Zahl der offenen Stellen ist deutlich gewachsen.

Wien. Der österreichische Arbeitsmarkt hat im Jänner deutlich vom Wirtschaftsaufschwung profitiert. Laut dem Arbeitsmarktservice (AMS) ist es zum stärksten absoluten Rückgang von arbeitslos gemeldeten Personen (inklusive Schulungsteilnehmer) seit 30 Jahren gekommen. Die Arbeitslosigkeit ging gegenüber dem Vorjahr um fast 38.000 Personen bzw. 7,7 Prozent zurück. 455.860 Personen waren ohne Job.

"Motor dieser Entwicklung sind dabei vor allem die österreichische Industrie und der Bau, hier zeigen sich überdurchschnittlich starke Rückgänge an arbeitssuchenden Personen", schreibt AMS-Chef Johannes Kopf im Vorwort zur heutigen AMS-Aussendung. Trotz dieser wirklich alle Erwartungen übertreffenden Entwicklung sei es für Jubel über die Arbeitslage allerdings noch zu früh, noch immer suchten mehr als 455.000 Menschen Arbeit.

Die Veröffentlichung der Jänner-Arbeitsmarktzahlen verlief heute etwas kurios, weshalb Kopf auch keinen weiteren öffentlichen Kommentar dazu abgeben wollte. Auf Twitter verwies er auf eine Vereinbarung zwischen AMS und Sozialministerium, wonach das Sozialministerium die Zahlen offiziell veröffentlicht. Das Sozialministerium hat seine Veröffentlichung allerdings überraschend auf morgen verschoben, "weil noch einige Details zu klären sind".

Das AMS wurde davon aber erst verspätet informiert. Zuvor hat es wie gewohnt die Datentabelle auf seine Homepage gestellt. Dies sei "im guten Glauben" erfolgt, dass das Sozialministerium in seiner Aussendung auf diese Vorarbeit wie üblich verlinken wird, so die AMS-Sprecherin zur APA. Den Link zu den Daten veröffentlichte dann aber die SPÖ in einer Aussendung.

Österreichweit ging die Zahl der Arbeitssuchenden um 10,2 Prozent auf 379.209 Personen zurück, die Zahl der Schulungsteilnehmer stieg um 7,1 Prozent auf 76.651 Personen. Während um 4,8 Prozent weniger Frauen ohne Job waren, waren es bei den Männern um 9,5 Prozent weniger.

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition verringerte sich um 1,2 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Warenproduktion, am Bau, in der Gastronomie und im Handel aus. Deutlich gestiegen ist die Zahl der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen, und zwar um fast ein Drittel auf 59.103 freie Jobs.

Vom Rückgang der Arbeitslosigkeit haben alle Bundesländer profitiert. Am stärksten fiel er in der Steiermark (-13,6 Prozent), Tirol (-11,3 Prozent) und Oberösterreich (-10,7 Prozent) aus, am geringsten in Vorarlberg (-3,2 Prozent), Wien (-3,5 Prozent) und Salzburg (-7,3 Prozent).

Ende Jänner waren um 10 Prozent weniger Inländer und um 2,5 Prozent weniger Ausländer in Beschäftigung. Rückgänge wurden in allen Altersgruppen verzeichnet und - mit Ausnahme von Akademikern (plus 0,2 Prozent) - auch in allen Bildungsschichten.

Mehr Schulung

Die Zahl der Schulungsteilnehmer hat in Wien mit 13,5 Prozent bzw. fast 4.000 Personen am deutlichsten zugenommen, in der Steiermark waren es um 8,1 Prozent mehr. Der größte Anteil der Schulungsteilnehmer entfällt auf Personen mit maximal Pflichtschulabschluss; allerdings besuchten im Jänner auch um 16,9 Prozent mehr Akademiker Schulungen.

Bei den gemeldeten offenen Stellen sticht ein Zuwachs von 27,1 Prozent bzw. 938 offener sofort verfügbarer Lehrstellen hervor, während die Zahl der Lehrstellensuchenden um 2,5 Prozent auf 5.846 zurückging. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der offenen Stellen um 30,9 Prozent auf 59.103.

Derzeit gibt es 20.000 offene Lehrstellen, die nicht besetzt sind. In Österreich gibt es 10.000 Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen. Wie kaum zuvor sind Lehrstellensuchenden in einer komfortablen Situation, das Lehrstellenangebot zu prüfen. "Die Unternehmen haben seit zwei bis drei Jahren das Fachkräfteproblem, und sie investieren nun, auch in Lehrstellen", erklärt Martin Gleitsmann von der Wirtschafskammer Österreich im Ö1-Mittagsjournal die derzeitige Lage am Arbeitsmarkt.

Vor allem in technischen Berufen, IT, Tourismus und in Handwerksberufen gibt es eine große Nachfrage nach Lehrlingen. In der Gastronomie wurden zuletzt bei Kochlehrlingen zum Teil die Lehrlingsvergütung um rund zehn Prozent erhöht, so Gleitsmann.

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch sieht in den positiven Zahlen "eine eindrucksvolle Bestätigung des arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitischen Kurses der alten Regierung" und warnt die neue Regierung davor, sich jetzt zurückzulehnen und auf den Lorbeeren der Arbeit der Vorgänger auszuruhen.

Laut AK-Präsident Rudolf Kaske liegt die Arbeitslosenrate noch immer weit über dem Niveau von vor der Wirtschaftskrise. Im Jänner 2008 waren demnach rund 321.000 Personen von Arbeitslosigkeit betroffen, aktuell seien es 456.000. Jetzt wäre es höchste Zeit, ausreichend Geld in Richtung Ausbau des Fachkräftestipendiums und Schaffung eines Qualifizierungsgeldes zu stecken, so Kaske.

NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker forderte von der neue Regierung, die derzeit positive Ausgangslage für Reformen zu nutzen und den Arbeitsmarkt für die Zukunft fit zu machen. Als zentralen Punkt nennt Loacker die Zusammenführung von Notstandshilfe und Mindestsicherung zu einem gemeinsamen System der sozialen Absicherung.

Der Fachkräftemangel

In manchen Wirtschaftsbereichen dürfte sich wegen der brummennden Konjunktur auch der Fachkräftemangel verschärfen. "Wir rechnen mit einer Fachkräftelücke von rund 10.500 Personen. Das heißt mehr als 15 Prozent der benötigten Fachkräftestellen in der Industrie können heuer nicht besetzt werden", warnte etwa der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer am Rande einer Pressekonferenz am Donnerstag.

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