Staatlich geförderte Holzverbrennung setzt Papierindustrie zu

Pellets: Verbrannter Wald, staatlich gefördert.

Pellets: Verbrannter Wald, staatlich gefördert.

Das Ökostromgesetz verzerrt laut Papierindustrie zunehmend den Markt. Nur noch ein Drittel des Holzes wird für die Papierindustrie verwendet. Zwei Drittel werden bereits, ohne vorher genutzt worden zu sein, für Strom und Wärme verbrannt. Die Branche selbst muss Millionen für die Förderung der staatlich geförderten Holzverbrennung zahlen. Mit welchen Innovationen die Branche entgegen hält und was sie fordert.

2015 war für die österreichische Papierindustrie, trotz erschwerter Bedingungen, ein gutes Jahr. Diese produzierte im Vorjahr, trotz Standortschließungen, fünf Millionen Tonnen Papier und damit um zwei Prozent mehr als 2014. Die Investitionen stiegen auf 210 Millionen Euro, der Umsatz lag bei 3,8 Milliarden Euro. „Größte Herausforderung für die Branche ist die Ökostromförderung, die der Branche den Rohstoff Holz zunehmend entzieht und die Energiekosten belastet“, moniert Alfred Heinzel, Präsident der Papierindustrie.

Novelle des Ökostromgesetzes gefordert

So forciert das Ökostromgesetz den Trend in Richtung direkter Verbrennung von Holz und beeinflusst damit den Holzmarkt. „Das Ökostromgesetz muss endlich novelliert werden. Wir fordern nichts anderes als gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer. Die Tarifförderung lenkt immer mehr Holz in Richtung Verbrennung und unsere Betriebe müssen diese Situation auch noch über ihre Stromrechnung mitfinanzieren“ appelliert Christian Skilich, Vizepräsident der Austropapier. So muss die Papierindustrie 7,3 Millionen Euro so indirekt an Kosten tragen, die, die Branche 2015 in den Ökostromfördertopf einzahlen muss.

Unrentable Biogasanlagen sollen weitere 20 Jahre gefördert werden

846 Millionen Euro zahlten die Konsumenten 2014 bereits via Stromrechnung für die Förderung der Ökostromanlagen. Für 2017/18 prognostiziert die E-Control bereits 1,3 Milliarden Euro. Laut Medienberichten will die ÖVP den Bauern für unrentable Biogasanlagen die Förderungen auf 20 Jahre verlängert werden oder eine hohe Schließungsprämie erhalten. Im Gegenzug will die SPÖ mit einer Novelle zum Elwog (Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz), die Solarenergie im urbanen Bereich – also vor allem in Wien – fördert.

Auch Biomassekraftwerksbetreiber hoffen auf eine Verlängerung ihrer Einspeiseförderungen für unrentable Kraftwerke, was die Papierindustrie besonders stört. „Seit Jahren verzerrt die Einspeisetarifförderung für die Holzverbrennung massiv den Holzmarkt. Das muss endlich aufhören. Holz ist zu wertvoll, um es zu verbrennen. Wir müssen unsere Rohstoffe so nutzen, dass die größtmögliche Wertschöpfung erzielt wird. Hier weiter Geld hineinzupumpen, wäre sowohl ökologisch als auch ökonomisch falsch“ so Gabriele Herzog, Geschäftsführerin der Austropapier.

Energie effizient einsetzen

Die Papierindustrie selbst, zählt sich zu den Vorreitern bei Energieeffizienz und Klimaschutz. Ihren Primärenergiebedarf von 14.400 GWh deckt sie zu 90 Prozent aus standorteigener Produktion. Die CO2-Emissionen wurde seit den 90er-Jahren je Tonne Papier um 40 Prozent reduzieren. Die EU-Klimapolitik stellt die Betriebe trotzdem vor Herausforderungen. „Die Papierindustrie begrüßt das Pariser Abkommen zwar zur Eindämmung der weltweiten Treibhausgasemissionen, die CO2-Reduktion darf allerdings nicht auf Kosten der europäischen Standorte gehen", warnt Max Oberhumer, Vizepräsident von Austropapier. Es müssten seiner Ansicht nach Vorkehrungen getroffen werden, dass Unternehmen im internationalen Wettbewerb weiterhin von der Abwanderung in Länder mit weniger restriktiven CO2-Vorgaben abgehalten werden.

Auf dem Weg zur Bioraffinerie

Mit 1.600 GWh Ökostrom-Aufbringung zählen die Betriebe der Branche bereits heute zu den größten industriellen Ökostromproduzenten. Die Papierindustrie entwickelt sich damit in Richtung Bioraffinerie. „Unter der Prämisse, den Rohstoff Holz möglichst umfassend zu nutzen und wiederzuverwerten, produziert die Branche längst nicht nur mehr Papier und Zellstoff, sondern auch Faser- und chemischen Produkten. Textilgarne, aber auch ganz neue Anwendungen wie faserverstärkte Kunststoffkomponenten, Chemikalien oder Lebensmittelzusatzstoffe können aus Nebenprodukten der Zellstofferzeugung produziert werden“, so Heinzel.

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