Sports Direct: Harte Bandagen für Sport Eybl

Sports Direct: Harte Bandagen für Sport Eybl

Sports Direct Chef Mike Ashley

Sports Direct hat Sport Eybl in eine Billigkette umgewandelt. Gegen die ungewöhnliche Firmenkultur des kantigen britischen Milliardärs Mike Ashley regt sich nun hierzulande Widerstand. Er fährt in den österreichischen Filialen einen harten Sparkurs.

Bei Sports Direct, vormals Eybl, fliegen im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen. Seit der Übernahme der Traditionshandelskette durch die britische Diskontgruppe Sports Direct im Vorjahr wurde erstens das Sortiment radikal auf niedrigpreisige Ware umgestellt. Zweitens hält man offenbar nicht viel von in Österreich übliche Standards der Mitarbeiterführung. Spätestens seit Schließung erster Standorte, Ersatz bisheriger Produkte durch Eigenmarken und Einführung von Mitarbeiterhosen ohne Taschen, damit diese nichts klauen können, ist die Situation im Unternehmen eskaliert. Der Betriebsrat läuft mit Unterstützung der Gewerkschaft GPA-djp gegen die Methoden der neuen Eigentümer Sturm.

Am Beispiel des Niedergangs und Verkaufs von Sport Eybl zeigt sich zudem der Umbruch in der heimischen Sporthandelslandschaft deutlich. Die Branche wird einerseits immer mehr vom Onlinehandel geprägt. Andererseits wenden sich Sportbegeisterte Spezialgeschäften wie Bergfuchs oder jenem von Ex-Radprofi Bernhard Kohl zu, wenn sie auf Beratung und hochwertige Ausrüstung Wert legen. Dazwischen kämpfen Allrounder wie Hervis, Gigasport oder eben der frühere Sport Eybl um die Gunst der Kunden. Und bei Letzterem sucht der neue Eigentümer nun die Chance über die Billigpreisschiene.

Auswirkung: In Wien beispielsweise findet sich innerhalb des Gürtels bis auf eine kleine Hervis-Filiale in der Alserstraße und dem ebenfalls zu Sports Direct gehörenden Sports Experts kein Laden mit einer breiten Auswahl an Sportartikeln mehr.

Sports-Direct-Gründer Mike Ashley mit einem Privatvermögen von 4,26 Milliarden Euro kümmert das wenig. Er verzichtet sogar auf klassische Werbung wie Prospekte, TV-Spots oder Inserate. Stattdessen hofft A auf die Strahlkraft seiner Marke. In England geht das Konzept schon lange auf. Ashley kaufte aus Werbekalkül den Premier-League-Klub Newcastle United und Anteile an den Glasgow Rangers, deren Kult-Stadion Ibrox Park er in Sports-Direct-Arena umtaufen wollte. Über die letzten fünf Jahre konnte er den Umsatz durchschnittlich um 14,6 Prozent steigern, den Gewinn sogar um rund 20 Prozent. Die Österreich-Tochter muss allerdings erst saniert werden. Zuletzt machte das Unternehmen, teilweise noch als Eybl, ein Minus von 13,56 Millionen Euro.

Mitarbeiterprotest

Doch jetzt kommt noch mehr Sand ins Getriebe. Diesen Freitag und Samstag kommt es in den Filialen, die über einen Betriebsrat verfügen, zu Betriebsversammlungen. Ziel: Protest gegen die erwähnte Kleidervorschrift, das Parken nicht mehr benötigter Mitarbeiter in der Zentrale, wo sie keiner Arbeit nachgehen können, sowie der Herabstufung jahrzehntelang im Betrieb tätiger Fachverkäufer zu Regalschlichtern.

Betriebsrätin Claudia Swoboda: "Die Kleidungsvorschriften sind diskriminierend und gegen die Menschenwürde - vor allem weil Managerhosen sehr wohl Taschen haben dürfen." Weiterer Aufreger: In einigen Filialen wurden englische Kassen mit Fingerabdruck-Registrierung installiert. Erst nach Hinweis auf OGH-Urteile und Drohung mit einer einstweiligen Verfügung wurden diese den Datenschutzgesetzen widersprechenden Kassen abmontiert.

Wenig Freude hat man auch mit sogenannten Mitnahme-Produkten, die hochwertige, aber beratungsintensive Ausrüstung verdrängen. So finden sich Textilien der bei Neonazis beliebten Marke Lonsdale (unter halboffenen Bomberjacken getragen bleibt der Schriftzug NSDA sichtbar, was in der Skinhead-Szene als unauffälligerer Code für NSDAP gilt) im Sortiment.

Für Kopfschütteln sorgt der Umstand, dass sich Bewerber für neue Verkäuferjobs in Innsbruck unter einer englischen Telefonnummer bewerben müssen. Meist verstehen beide Seiten Bahnhof. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme trotz mehrfacher Bemühungen nicht erreichbar.

Der Artikel erschien ursprünglich in FORMAT Nr. 37/2014 vom 12. September 2014.
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