Sozialbericht 2013/14: Die Ungleichheit wächst

Sozialbericht 2013/14: Die Ungleichheit wächst

Die Kluft zwischen Einkommen aus Arbeit und Unternehmens- und Vermögenseinkommen klafft weiter auseinander. Dies ist ein zentrales Ergebnis des Sozialberichts 2013/2014, den das Sozialministerium veröffentlicht hat. Auch bei Abgaben und Einkommensverteilung bestehen große Unterschiede. Immerhin liegt Österreich bei der Armutsgefährdung unter EU-Durchschnitt. Die Steuerreform sei für Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) "unumgänglich".

Die Ungleichheit nimmt zu, geht aus dem Sozialbericht 2013/2014 hervor. So wird etwa die Einkommensschere in Österreich immer größer: Seit drei Jahrzehnten steigen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stärker als die Einkommen aus Arbeit. Von 2000 bis 2010 haben die Löhne und Gehälter im Durchschnitt um knapp drei Prozent pro Jahr zugenommen, die Gewinne und Vermögen aber um 4,5 Prozent. Nur die Jahre 2009, 2012 und 2013 brechen aus dem Muster aus.

Hinzu kommt auch eine Ungleichheit bei der Abgaben: Die Abgabenbelastung für Einkommen ist wesentlich höher als die Abgabenbelastung auf Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Seit 1995 hat sich dieser Unterschied verstärkt.

Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich auf Österreich zwar "bislang relativ moderat" ausgewirkt, so Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), doch sie sind spürbar. Zwar hat Österreich in der gesamten EU mit 4,9 Prozent (2013) die niedrigste Arbeitslosigkeit, doch die Arbeitslosigkeit ist auch hierzulande angestiegen. 2011 betrug sie noch 4,2 Prozent. „Das Wirtschaftswachstum reicht nicht aus, um genügend neue Arbeitsplätze für das steigende Arbeitskräftsangebot zu schaffen“, heißt es im Bericht. So rechnet das WIFO in seiner aktuellen Prognose vom September 2014 für das vergangene Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, für 2014 1,2 Prozent. 2013 betrug es lediglich 0,3 Prozent.

Große Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen

Veränderungen zeigt der Bericht auch bei den Beschäftigungsformen: Innerhalb der unselbstständig Beschäftigten sind nur noch etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) vollzeitbeschäftigt. Atypische Beschäftigungsformen wie geringfügige Arbeit, Teilzeitarbeit und Saisonarbeit nehmen zu. Und bei den unselbstständig Beschäftigten wird die Einkommensverteilung zunehmend ungleicher: Die obersten 20 Prozent der LohneinkommensbezieherInnen bekommen fast die Hälfte des „Kuchens", die untersten 20 Prozent gerade einmal 2 Prozent. Diese Ungleichheit wird durch Steuern und Transfers etwas abgemildert.

Aufholbedarf gibt es für Österreich auch bei den Einkommen zwischen Männern und Frauen. Die Einkommensunterschiede zählen zu den höchsten der EU. So erreichen vollzeitbeschäftigte Arbeiterinnen 70 Prozent der Einkommen von Arbeitern, angestellte vollzeitbeschäftigte Frauen nur 63 Prozent der Einkommen von angestellten Männern. Einzig beamtete Frauen erreichen 96 Prozent der entsprechenden Männereinkommen.

Armutsgefährdung gesunken

Die Lebensbedingungen in Österreich gestalten sich sehr unterschiedlich, betrachtet man das Beispiel Wohnkosten: Fast 600.000 Menschen müssen mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen inklusive Heizung und Strom ausgeben. Seit 2008 sind die Wohnkosten für Menschen mit geringen Einkommen am stärksten gestiegen. 50 Prozent der Personen in Haushalten mit niedrigem Einkommen geben an, dass sie bei unerwarteten Ausgaben von über 1.050 Euro größere finanzielle Probleme erleben. Geringes Einkommen geht noch dazu vermehrt mit schlechterem gesundheitlichem Zustand einher.

Eine Steuerreform sei für Hundstorfer unumgänglich: "Die niedrigen Einkommen müssen spürbar profitieren. Diese Menschen leben in schwierigen Lebensverhältnissen und müssen entlastet werden", so der Minister. Außerdem soll eine Wohnbauoffensive für Entspannung am Wohnungsmarkt sorgen. Menschen mit geringem Einkommen müssen laut dem Sozialbericht bis zu 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen ausgeben.

Der Sozialbericht hat jedoch auch gute Nachrichten: Die Armutsgefährdung liegt in Österreich unter dem EU-Durchschnitt. 2013 waren EU-weit 122,6 Millionen Menschen von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht, das entspricht 24,5 Prozent der Bevölkerung (2008: 23,7 Prozent). Von 2008 bis 2013 verringerte sich in Österreich die Zahl der armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Menschen von 20,6 auf 18,8 Prozent. 2013 waren demnach rund 1,57 Millionen Menschen in Österreich betroffen. "Armutsbekämpfung trägt zur sozialen Stabilität und Sicherheit der gesamten Gesellschaft bei", so Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Trevor D. Traina, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Österreich

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