Stolz auf Wien-Erfinder Peter Hanke: "Wir wollen Schrittmacher sein"

Wiens Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke über die neue "Stolz auf Wien" Beteiligungs GmbH der Stadt Wien, die kriselnde Unternehmen unterstützt. Seine Idee will er auch auf Bundesebene exportieren.

Peter Hanke, Wirtschaftsstadtrat Wien

Krise macht erfinderisch. Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke kämpft für sein Kind, die "Stolz auf Wien Beteiligungs GmbH"

trend: Das Beteiligungsprojekt Stolz auf Wien war lange erwartet. Warum geht es erst jetzt in in die operative Phase?
Peter Hanke: Wir haben ein für Österreich - und ich möchte fast sagen: Europa - einzigartiges Instrument entwickelt, das es noch in keinem Bundesland je gegeben hat. Wenn man den europäischen Beihilferahmen kennt und den Weg von der politischen Idee bis zur Gesellschaftsgründung, die Zeit der Suche nach der Geschäftsführung und den Investoren einrechnet, dann ist es ein schneller Weg gewesen. Ich bin stolz, zwischen der Stadt, der WKO, privaten Investoren und großen Banken ein Commitment gefunden zu haben und bis heute in Summe 37 Millionen Euro aufzustellen. In einer zweiten, privaten Runde werden wir weitere Partner an Bord holen.

Wie kommt es, dass private Investoren und Banken mitmachen?
Weil ich durch mein langes wirtschaftliches Wirken viele Kontakte habe und viele in dieser schwierigen Zeit Partner von uns sein wollen. Es geht mir, wie man daran sieht, nicht um Parteipolitik, sondern um den Standort. Wir schaffen hier keine Beihilfe, sondern ein Wirtschaftsinstrument.

Die Unternehmen sollen relevant für Wien sein - was heißt das konkret?
Das Unternehmen sollte mindestens zehn Mitarbeiter haben. Umsatz, Mitarbeiter, Umsatzrentabilität, ökonomische Betroffenheit, Lehrlingsausbildung, Eigenkapitalrendite, geplante Investitionen, das alles wird bewertet. Und auch die Relevanz für die Wirtschaftsstrategie Wien 2030. Wir bieten hier keine Förderung, helfen aber eingesessenen Wiener Unternehmen.


Ich fürchte, die Nachfrage wird in den nächsten Monaten noch stärker werden.

Haben manche Angst davor, zum Gemeindebetrieb umgemodelt zu werden?
Deshalb gehen wir nicht aktiv an Unternehmen heran, es müssen die Unternehmen den ersten Schritt machen, Vertrauen finden. Wir wollen nicht marktschreierisch durch die Stadt ziehen. Doch der Druck am Markt wird größer. Ich fürchte, die Nachfrage wird in den nächsten Monaten noch stärker werden. Ich hoffe, dass wir für ähnliche Projekte auf Bundesebene Schrittmacher sein können. Wir teilen auch gern unser Wissen mit unseren Freunden in den Bundesländern. Ich habe dieses Projekt unlängst in Hamburg präsentiert. Dort hat man das als großartige Geschichte gesehen und intensiv nachgefragt, wie wir das anlegen. Es könnte also sein, dass wir diese Idee bald dorthin exportieren.

Es gibt in Wien 35 Hilfsinstrumente für die Wirtschaft. Welchen Stellenwert hat dabei Stolz auf Wien?
Für mich einen extrem hohen. Weil das für Österreich ein ganz neuer Weg ist. Niemand traut sich, Eigenkapital in die Hand zu nehmen. Freilich birgt der Einsatz von Eigenkapital ein gewisses Risiko. Aber: Wir als Stadt haben mit Beteiligungen große Erfahrung und haben das immer sehr ordentlich und ehrlich gemacht. Wir wissen, wovon wir reden. Zugleich muss niemand Angst haben, von uns über den Tisch gezogen zu werden, wir bieten eine faire Partnerschaft für die Wiener Wirtschaft.


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