So reagieren Unternehmen auf die Corona-Krise

Umfrage unter 250 Führungskräften in Österreich: Welche Branchen am meisten von der Krise betroffen sind, wie viele der befragten Unternehmen mit Umsatzeinbußen rechnen, wo sie glauben in zwei Jahren mit dem Umsatz zu stehen. Wie Unternehmen jetzt gegensteuern wollen und welche die klassischen Fehler dabei gemacht werden.

So reagieren Unternehmen auf die Corona-Krise

Der Unternehmensberater Ernst & Young (EY) hat U250 österreichische Führungskräfte im Frühherbst 2020 nach den Auswirkungen der Pandemie befragt, wie sie bei Bedarf Kosten optimieren und wie sie die Zukunft einschätzen. Die Bilanz: fast jeder zweite Betrieb sieht sich von Pandemie stark betroffen. Fast genauso viele (42 %) geben hingegen an, durch die Krise weniger stark betroffen zu sein, nur 13 Prozent sind kaum bzw. gar nicht betroffen.

Trotzdem blicken Österreichs Firmen positiv in die Zukunft: Mehr als die Hälfte (54 %) der Unternehmen ist optimistisch, was die kommenden Monate betrifft – nur etwa jeder Fünfte ist pessimistisch bzw. skeptisch gestimmt (22 %). Auch Unsicherheit ist weit verbreitet – jede vierte Führungskraft (24 %) ist unentschlossen, was die weiteren Entwicklungen im verbleibenden Jahr betrifft.

Firmen sollten Szenarien planen und strategische Fragen klären
„Es ist ein gutes Zeichen für den Wirtschaftsstandort, allerdings sollte man sich von der aktuellen Lage, in der es noch viele staatliche Unterstützungsmaßnahmen gibt, auch nicht blenden lassen. Die Realität ist, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist – das zeigt auch der zweite Lockdown deutlich. Die positive Grundstimmung darf keinesfalls zu Fehleinschätzungen bei der Krisenbewältigung führen. Wir raten daher Unternehmen, sich für weitere Eventualitäten zu rüsten und in Szenarien zu planen. Grundlegende strategische Fragestellungen anzugehen“, so Johannes Schneider, Partner bei EY-Parthenon, der Strategieberatung von EY, in Österreich.

Viele Unternehmen gingen vor dem zweiten Lockdown von einer raschen Erholung aus
Der Großteil der Unternehmen ging zum Befragungszeitpunkt im September/Oktober 2020 davon aus, sich rasch von der aktuellen Krise zu erholen. 50 Prozent waren der Meinung, sich innerhalb eines Jahres erholen zu können, mehr als ein Drittel (38 %) gab an, die Erholungsphase würde ein bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Allerdings war sich jede zwölfte Führungskraft (8 %) nicht sicher, ob das Unternehmen wieder auf das Level vor der Krise zurückkehren kann.

In zwei Jahren besser als vor der Krise - viele optimistisch
Langfristig sehen sich Österreichs Unternehmen eher als Krisengewinner: Beinahe die Hälfte (44 %) der Befragten gibt an, dass sie selbst in zwei Jahren besser als vor der Coronakrise dastehen wird. Etwas mehr (47 %) schätzen, dass alles wie vor der Pandemie sein wird, nur neun Prozent sehen sich eher als Krisenverlierer.

Fast die Hälfte der heimischen Unternehmen erwartet Umsatzeinbußen
Erwartungsgemäß schlägt sich die bereits einige Monate andauernde Pandemie stark in der Umsatzentwicklung der heimischen Unternehmen nieder. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen (45 %) erwartet für den Zeitraum von August bis Dezember 2020 Umsatzverluste – mehrheitlich im Rahmen von 11 bis 25 Prozent. Bei einer EY-Umfrage im April gingen die Unternehmen von einem Umsatzminus von durchschnittlich 18 Prozent aus. Zumindest gaben aber ebenfalls 46 Prozent der Unternehmen vor dem zweiten Lockdown an, das Umsatzniveau voraussichtlich halten zu können. Nicht einmal jeder Zehnte (9 %) rechnete damit, die Umsätze steigern zu können.

Automobilindustrie besonders betroffen, gefolgt von Maschinenbau und Metallerzeugern
Besonders betroffen von COVID-19 ist die ohnehin schon stark unter Druck stehende Automobilindustrie. In Österreich sind das neben den Autohändlern speziell auch die Zuliefererbetriebe. Knapp zwei Drittel (61 %) sind sehr stark oder stark von der Coronakrise betroffen, kein einziges der befragten Automobilunternehmen gab an, gar nicht von der Krise betroffen zu sein. „Die Autoindustrie war schon vor der Krise stark gefordert. Umso wichtiger ist es laut EY deshalb, dass Automobilhersteller und -händler nicht rein auf strukturerhaltende, sondern auch auf strukturerneuernde Maßnahmen zur Krisenbewältigung setzen. Neben der Automobilbranche sind auch der Maschinenbau und Metallerzeuger (55 %), Hersteller von Grundstoffen (54 %) sowie Konsumgüterproduzenten (48 %) bzw. Konsumgüterhändler (44 %) sehr stark bzw. stark durch die aktuelle Krise betroffen.

Fusionen als Flucht nach vorne riskantes Muster in Krisen
„Jene Geschäftszweige, die weniger betroffen sind, sollten strategische Optimierungsmöglichkeiten nutzen und unter anderem auch nach attraktiven Gelegenheiten auf dem Transaktionsmarkt Ausschau halten. Anorganisches Wachstum in Krisenzeiten ist ein häufiges Reaktionsmuster. Doch der Bedarf an Ressourcen dafür ist hoch – finanziell, aber mehr noch in Bezug auf Managementverfügbarkeiten. Von der bloßen Absicht zum erfolgreichen Abschluss oder sogar zur Integration ist es ein weiter Weg“, so Klaus Haberfehlner von EY.

To-do-Liste für Führungskräfte: Vertriebs- und Personalkosten optimieren
Maßnahmen zur Vertriebsoptimierung und die Optimierung von Personalkosten sind die beliebtesten Handlungsfelder zur Krisenbewältigung, strategische Überlegungen rangieren im Mittelfeld, Fragen der Liquidität und Refinanzierung eher am Ende.

Nur fünf Prozent wollen Kurzarbeit weiterführen
Bei den Personalkosten setzten die Unternehmen bisher auf Maßnahmen wie Konsumation von Zeitguthaben (48 %), wozu beispielsweise Überstunden- oder Urlaubsabbau zählen. Auch die Kurzarbeit (35 %) und ein vorübergehender Aufnahmestopp (24 %) wurden bereits umgesetzt. Für die kommenden sechs bis zwölf Monate haben viele Betriebe Umschulungs- und Qualifikationsmaßnahmen (21 %), einen Aufnahmestopp bzw. Nicht-Nachbesetzung von freigewordenen Stellen (19 %) und die Konsumation von Zeitguthaben (15 %) eingeplant. Die Weiterführung der Kurzarbeit kam zum Befragungszeitpunkt nur für fünf Prozent der Unternehmen in Frage. Nur neun Prozent der Unternehmen haben aktuell bereits Kündigungen ausgesprochen bzw. planen das in Zukunft zu tun. Zur Vertriebsoptimierung soll in den kommenden Monaten ein Mix aus Vertriebsexzellenzförderung wie Neukundengewinnung (31 %), Preisoptimierung (26 %) und verstärkter Kundenkommunikation und -interaktion (24 %) beitragen.

Bei kleineren Unternehmen steigt Druck Strategie zu überdenken - Gefahr zu lange zu überlegen
„Dass strategische Überlegungen in Anbetracht des Krisenausmaßes erst an fünfter Stelle stehen, ist überraschend. Vor allem bei kleineren Unternehmen wird offensichtlich, dass der strategische Handlungsdruck bei stark betroffenen Betrieben rasant steigt. Mittelgroße Firmen scheinen nach den richtigen Handlungsmustern zu suchen und laufen Gefahr, zu lange nach der optimalen Krisenbewältigungsstrategie zu suchen. Unternehmen mit Umsätzen über 200 Millionen Euro profitieren von ihrer Größe, indem nach Thema und Betroffenheit differenzierte Handlungsmuster möglich werden. In Anbetracht des Krisenausmaßes halten wir auf Unternehmensebene ausgewogene Reaktionsmuster, die neben operativen Maßnahmen insbesondere Überlegungen zur nachhaltigen Transformation beinhalten, für die beste Krisenbewältigungsstrategie“, so Schneider.

Unternehmen waren mit den bisherigen Maßnahmen der Regierung zufrieden
Zum Zeitpunkt der Befragung im September und Oktober waren 46 Prozent der Unternehmen mit den Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der wirtschaftlichen Konsequenzen der Corona-Pandemie einigermaßen zufrieden, jedes fünfte (20 %) war sogar sehr zufrieden. Nur zwei Prozent gaben an, überhaupt nicht zufrieden zu sein.

Auch im Hinblick auf transformative Maßnahmen der Politik in Bezug auf Digitalisierung, Klimawandel und alternative Mobilität zur Neuausrichtung der Wirtschaft zeigt sich Zufriedenheit unter den befragten Führungskräften: 17 Prozent sind sich sicher, es wurde sehr viel unternommen, exakt die Hälfte meint, es wurde einigermaßen viel unternommen. Allerdings ist fast ein Drittel (27 %) der Unternehmen der Meinung, die aktuellen Maßnahmen würden nicht ausreichen.
„Österreichs Führungskräfte zeigen sich mit ihrer Krisenbewältigung bis dato sehr zufrieden, ebenso mit den bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung. Wir regen an, diese Maßnahmen zur Krisenbewältigung auf deren transformativen Charakter zu prüfen und diesen zu forcieren – sowohl auf Unternehmens- als auch auf staatlicher Ebene“, schließt Schneider.

Unternehmer René Benko und sen Partner Tos Chirathivath, der in dritter Generation die Geschäfte der thailändischen Central Group leitet.

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