So sehr belasten Covid und Onlinehandel die Lieferketten

Die Pandemie und der Boom beim Onlinehandel bringt die Lieferketten der Unternehmen immer wieder an ihre Grenzen. Die Unternehmensberater von CapGemini hat 1.000 Supply-Chain-Manager befragt, wie stark sie von Lieferkettenproblemen betroffen waren und sind, welche Lehren sie daraus gezogen haben. Tipps um Lieferprobleme zu vermeiden.

So sehr belasten Covid und Onlinehandel die Lieferketten

Das Weihnachtsgeschäft läuft gerade richtig an. Wegen der Pandemie wird heuer mehr denn je online gekauft. Die starke Nachfrage bringt selbst große Online-Versandhäuser ins Straucheln: Laut dem Logistikspezialisten Ontime Logistics gibt es derzeit am Markt Lieferprobleme bei vielen Produkt, so etwa bei elektronischen Geräte, Fahrrädern, Mode, Sportartikeln oder Spielzeug. Als Grund werden überlastete Transportrouten aus Asien genannt. Bereits seit Beginn des Ausbruchs von Covid 19 sind die Lieferketten in den meisten Unternehmen eingebrochen. Welche Branchen besonders betroffen sind, welche Lehren Firmen aus dem Logistikproblemen daraus ziehen und welche Tipps der Unternehmensberater Capgemini hat.

Laut einer Studie des Unternehmensberaters Capgemini hat die COVID-19-Pandemie die Lieferketten von über 80 Prozent der Unternehmen weltweit negativ beeinflusst. 66 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Lieferketten erheblich geändert werden muss, um sich an die neue Normalität anzupassen. Nur 14 Prozent der Unternehmen erwarten die Rückkehr zu einem „Weiter wie bisher“. Für die Studie hat Capgemini 1.000 Supply-Chain-Führungskräfte aus 11 Ländern und den Branchen Konsumgüter, Einzelhandel sowie aus der diskreten und Life-Science-Fertigung befragt. Befragt wurden Manager in China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden, Spanien und den USA.

„Über die letzten Jahre haben sich viele Unternehmen von Lieferungen aus Asien abhängig gemacht“, sagt Alexander Piwonka, Mitglied der Geschäftsleitung bei Ontime Logistics in Bergheim und wirbt für lokale Unternehmen. „Wie bei der Wahl von heimischen Obst und Gemüse sollte Firmen auch für die Logistik einen lokalen Partner wählen.“

Lieferketten müssen flexibler werden
Die befragten Unternehmen wollen künftig ihre Lieferketten flexibler und agiler gestalten, um schnell auf potenzielle Störungen reagieren zu können. 68 Prozent der Befragten gaben an, dass die aktuelle Krise sie zur Anpassung ihrer Geschäftsmodelle gezwungen hat, die Erhöhung der Resilienz der Lieferkette nach COVID-19 wird von 62 Prozent als Priorität genannt.
Alle Betriebsabläufe gestört
Die Mehrheit stellte Probleme in allen Bereichen ihrer Betriebsabläufe fest, darunter Engpässe bei kritischen Teilen/Materialien (74 Prozent), verzögerte Lieferungen und längere Vorlaufzeiten (74 Prozent), Schwierigkeiten bei der Anpassung der Produktionskapazität als Reaktion auf die schwankende Nachfrage (69 Prozent) und Planungsunsicherheiten vor dem Hintergrund einer schwankenden Kundennachfrage (68 Prozent).

Unternehmen aus dem Bereich Life Science am wenigsten stark betroffen
Blickt man auf die einzelnen Sektoren, die im Rahmen der Studie befragt wurden, zeigen sich folgende Unterschiede: Nur 30 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Bereich Life Science berichteten von negativen Auswirkungen der Krise auf ihre Geschäftstätigkeit, verglichen mit über 80 Prozent der Unternehmen aus Einzelhandel, Konsumgüterindustrie und diskreter Fertigung. Darüber hinaus bevorzugen 68 Prozent der Verbraucher im Zuge dieser Krise lokal hergestellte Produkte, zudem beeinflussen Nachhaltigkeitsüberlegungen die Kaufpräferenzen von 79 Prozent der Kunden.

Bis zu sechs Monate Unterbrechung
55 Prozent der weltweit befragten Unternehmen haben in diesem Jahr zwischen drei und sechs Monate gebraucht, um sich von Unterbrechungen der Lieferketten zu erholen, weitere 13 Prozent rechnen damit, dass es sechs bis zwölf Monate dauern wird.

Die Capgemini-Studie zeigt, dass sich Unternehmen auf sieben wesentliche Punkte konzentrieren müssen, um in Zukunft mit ähnlichen Krisen fertig zu werden. Die Benennung der Bereiche, in denen die wichtigsten und dringendsten Verbesserungen erforderlich sind, ist entscheidend für den Aufbau einer widerstandsfähigen Lieferkette. Nur eine Minderheit (weniger als 4 Prozent) weist in allen Dimensionen Stärken auf, welche sowohl planbare Maßnahmen als auch den aktuellen Stand der organisatorischen Vorbereitung umfassen.

Diese 7 Punkte machen laut Capgemini-Studie Lieferketten widerstandsfähiger:
Notfallplanung: Krisen vorhersehen und Simulationen durchführen, um das Krisenmanagement zu verbessern
Lokalisierung: Zuliefererbasis und Produktionsflächen nach Lokalität sowie Regionalität priorisieren
Diversifizierung: Lieferantenbasis, Herstellungs- und Transportoptionen breiter aufstellen
Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit in der gesamten Supply Chain eine hohe Priorität einräumen, um ökologische und regulatorische Anforderungen sowie steigende Kundenerwartungen besser zu erfüllen
Agilität: Produktion und Entscheidungsfindungen flexibilisieren sowie höhere Agilität bei der Umstellung auf neue Geschäftsmodelle erreichen
Kostentransparenz: Berücksichtigung aller Kosten der mit der Niedrigkostenstrategie verbundenen Risiken über die gesamten Lieferkette
Sichtbarkeit: Stärkung des kollaborativen Datenaustauschs mit Partnern, um eine vollständige Sichtbarkeit des Versorgungsnetzes sicherzustellen.

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