Hat die SNB den Schweizer Franken gezielt geschwächt?

Hat die SNB den Schweizer Franken gezielt geschwächt?

Nach Einschätzung von Devisenexperten hat die SNB in den vergangenen Tagen den Schweizer Franken gezielt mit Devisenkäufen geschwächt. Die Notenbank hält den Schweizer Franken für überbewertet, die Exportwirtschaft leidet. Fitch bestätigt trotzdem ein AAA-Rating für die Schweiz.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Franken in den vergangenen Tagen nach Einschätzung von Experten mit gezielten Devisenkäufen geschwächt. Ein Anzeichen dafür seien die gestiegenen Sichtguthaben von Banken und Bund bei der Zentralbank: Sie waren in der vergangenen Woche um 2,6 Milliarden auf 486,4 Milliarden Franken geklettert. "Es riecht nach Intervention. Die SNB ist ständig am Markt. Aber der Anstieg der Sichtguthaben zeigt, dass es diesmal etwas mehr gewesen sein könnte", sagte ein Händler. Auch Credit-Suisse-Ökonom Maxime Botteron vermutet hinter der stärksten Zunahme der Einlagen seit Ende Februar Eingriffe der Währungshüter: "Der wahrscheinlichste Grund ist, dass das zunehmende Anlagenkäufe in Fremdwährungen widerspiegelt." Die SNB selbst wollte sich nicht äußern.

Schweizer Franken wird mit Zinsen uns Devisen geschwächt

Die Schweizer Notenbanker halten den Franken für überbewertet und versuchen die Währung mit Devisenkäufen und Negativzinsen von aktuell minus 0,75 Prozent zu schwächen. Denn ein starker Franken schadet der exportorientierten Wirtschaft der Alpenrepublik. Ende vergangener Woche hatte die Schweizer Währung an Wert gewonnen: Der Euro schwächte sich auf bis zu 1,0845 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit gut einem Monat ab.

Grund dafür war zum einen Kommentare von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet, der bei Bedarf eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Euro-Zone in Aussicht gestellt hatte. Die EZB hatte ihren Leitzins im Kampf gegen die chronische Wachstumsschwäche Anfang März bereits auf 0,00 Prozent gesenkt, den Strafzins für Banken verschärft und die monatlichen Anleihenkäufe aufgestockt. Zudem gilt der Franken bei Investoren als sichere Anlage in unsicheren Zeiten. "Sobald Unsicherheiten in der Eurozone, wie etwa dem Brexit, aufkommen, wertet die helvetische Währung auf", erklärten die Experten der Valiant-Bank.

Entsprechend viel Beachtung findet die Entwicklung der SNB-Sichtguthaben: Sie gilt als Indiz dafür, ob die Notenbank am Devisenmarkt interveniert, um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen. Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut.

Trotz starkem Franken: "AAA" für die Schweiz

Trotz der aktuellen Bedenken um den starken Schweizer Franken hat die Ratingagentur Fitch am Sonntag die Höchststufe "AAA" für die Schweiz bestätigt, der Ratingausblick wird weiterhin mit "stabil" angegeben. Die unveränderte Einstufung wird in einer Mitteilung mit der vorsichtigen Wirtschafts- und Fiskalpolitik, einer diversifizierten und wohlhabenden Wirtschaft und einem hohen Ausbildungsniveau der Bevölkerung begründet.

Fitch geht davon aus, dass sich die Schweizer Wirtschaft von den Auswirkungen des starken Frankens im Vergleich zum Euro erholen wird und prognostiziert ein BIP-Wachstum von 1,2 Prozent für das laufende und 1,7 Prozent für das nächste Jahr. Die Prognose geht von einem robusten privaten Konsum sowie einem leichten Anstieg der Investitionen aus.

Das Fitch-Rating im Detail.

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