Smart Cut: Wie man Unternehmen „Drive“ gibt

Michael Butkus, Partner Horváth & Partners

Michael Butkus, Partner Horváth & Partners

Die Zauberformel für garantierten Erfolg in Politik und Wirtschaft wurde noch nicht erfunden. Aber es gibt Instrumente, die mächtig Dynamik entfalten, wenn man sie richtig zum Einsatz bringt. Die ‚Smart Cut‘-Methode etwa identifiziert den Vorsprung des Wettbewerbs und liefert praktikable Lösungen als Antwort. Gastkommentar von Michael Buttkus, Partner Horváth & Partners Berlin

Robotics, Artificial Intelligence und Internet of Things (IoT) sind beliebte Buzzwords und fehlen in keiner Digitalisierungsinitiative. Den meisten Unternehmen ist jedoch unklar, wie und wo man diese technischen Errungenschaften erfolgreich einsetzen kann und welche Effizienzpotenziale damit wirklich zu erschließen sind. Oft fehlt zudem die Transparenz, wo es überhaupt Effizienzpotenziale im Unternehmen gibt.

Konsumgüterhersteller etwa sind oft exzellent in produktnahen Prozessen, Händler im Einkauf und in der Supply Chain. Schwächen haben aber alle diese Unternehmen in der Administration mit ihren historisch gewachsenen, über Ländergrenzen und Funktionen hinaus selten harmonisierten Prozessen. Der Smart-Cut-Ansatz hinterfragt genau diese bestehenden Strukturen und Prozesse und legt so Effizienzpotenziale offen.

Performance steigern

Im Idealfall ist ein Unternehmen sowohl „anders“ als auch „besser“ als die Konkurrenz. Wenn nicht, muss zumindest eines davon zutreffen. Da „anders sein“ meist den Kern eines Geschäftsmodells in Frage stellt, fällt es den meisten leichter, „besser“ als andere Unternehmen zu sein – und ihren Erfolg auf effizienteren Prozessen, Strukturen und Ressourcen zu begründen. Sie fragen sich daher, in welchen Funktionen ihnen die Digitalisierung helfen kann, noch schneller, billiger oder zuverlässiger zu werden.

Performancesteigerungsprogramme sind dort am erfolgreichsten, wo sie auf die Unternehmensstrategie abgestimmt und mit dem Betriebsmodell verzahnt sind. Der holistische Ansatz von ‚Smart Cut‘ erfordert daher zunächst die Prüfung der Strategie und des Geschäftsmodells sowie die Erstellung eines Top-down Business Cases zur Ableitung der Ziele – unter den gegebenen Marktbedingungen.

Im nächsten Schritt werden die bestehenden Strukturen und Prozesse sowie die genutzten Ressourcen mit diesem Top-down Geschäftsfall verglichen. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen sodann der Neuausrichtung von Zielorganisation und Prozesslandschaft. Anschließend können strukturelle Handlungsfelder aufgedeckt sowie Defizite im Vergleich mit digitalisierten Mitbewerbern identifiziert werden.

Digitalisierung messen

Vielen Unternehmen fällt es allerdings schwer, ihren Digitalisierungsgrad zu messen und die eigene Wettbewerbssituation kritisch zu bewerten. In diesen Fällen sind Benchmarks eine bewährte Hilfe. Hierzu wird das Unternehmen in einzelne Einheiten gegliedert (z.B. Einkauf und Supply Chain, Produktion, Vertrieb, Support und Overhead), um diese mit Mitbewerbern und marktüblichen Kennzahlen (KPIs) zu vergleichen. Die Benchmarks dienen dabei jedoch nur selektiv als Indikatoren für Handlungsfelder und sollten niemals reale Zielgrößen vorgeben. Das erleichtert die Ableitung konkreter Maßnahmen.

Im finalen Schritt jeder Digitalisierungsinitiative verankert man die durchgeführten (Smart Cut) Maßnahmen dauerhaft in der Organisation. Nur so wird deren Wirkung wirklich nachhaltig. Das erfordert aktives Change-Management und Kommunikation auf allen Ebenen. Ebenso müssen die zukünftig benötigten Kompetenzen sichergestellt sowie die Auswirkungen auf die Kultur des Unternehmens berücksichtigt werden.

Fazit: Klassische betriebswirtschaftliche Instrumente zur Steigerung der Performance im Unternehmen sind die eine Seite, neue Technologien die andere. Zusammen liefern sie hohes Potenzial zur Beseitigung von Ablaufdefiziten und zur Optimierung unzureichend digitalisierter Prozesse. Mit der Smart Cut-Methode lassen sich Schwächen aufdecken, zur erfolgreichen Umsetzung wird es jedenfalls Robotics und AI-Tools brauchen.


Der Autor

Michael Buttkus ist Partner bei der Managementberatung Horváth & Partners Berlin. Der Branchenreport „Retail & Consumer Goods – Durch Geschäftsmodellinnovationen die Digitalisierung erfolgreich nutzen“ steht hier kostenfrei unter zum Download zur Verfügung.


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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