Skurriler Casino-Kapitalismus

Novomatic CEO Harald Neumann (rechts)

Novomatic-Boss Harald Neumann (rechts), im Bild mit Novomatic-Vorstand Thomas Graf, spielt im Casinos-Poker derzeit die Schlüsselrolle.

Die tschechische Sazka Group hat nach einer herben Niederlage gegen eine österreichische Allianz bei den Casinos nun ein Finanzproblem.

Eine schallende Ohrfeige erhielt die tschechische Sazka Group bei der Hauptversammlung der Casinos Austria AG Mitte der Woche. Der größte Casinos-Aktionär (gut 38 Prozent) hatte eine Liste mit zwölf Aufsichtsratsmitgliedern vorgelegt, die er in der HV mit Stimmenmehrheit durchdrücken wollte. Darunter fand sich kein einziger Vertreter der staatlichen Beteiligungsholding ÖBIB, dafür neun von der Sazka nominierte Leute. Ein Affront gegenüber dem Finanzminister.

Schon zuvor hatten die Tschechen ihre Vorstellungen den Mitgesellschaftern in einem Brief mitgeteilt und sich darauf berufen, dass sie die Mehrheit der Stimmrechte in der HV kontrollieren – was sich aber als Trugschluss herausstellte. Denn der Glücksspielkonzern Novomatic (17,2 Prozent an den Casinos) hielt sich nicht an die Stimmrechtsbindung, die er vor einigen Monaten mit der Sazka abgeschlossen hatte. Unter Federführung von Finanzminister Hartwig Löger und seinem Generalsekretär Thomas Schmid wurde im Vorfeld eine österreichische Mehrheit organisiert, um die Machtübernahme der Tschechen zu verhindern. Vertreter der Bundesregierung wurden dafür sogar bei Novomatic-Gründer Johann Graf vorstellig. Der Aufsichtsrat wurde schließlich exakt nach dem vereinbarten Schlüssel gewählt: fünf Mitglieder der Sazka, vier der ÖBIB, zwei der Novomatic, ein Kontrollor von Schellhammer & Schattera. Präsident bleibt Raiffeisen-Manager Walter Rothensteiner. Von der Sazka zog CEO Robert Chvatal ins Präsidium ein. Der Wunsch der Tschechen nach einem zweiten Präsidiumssitz für Pavel Horák wurde abgeschmettert.

Nicht bindend

Novomatic-Chef Harald Neumann begründet das Vorgehen: „Die Sazka konnte nicht plausibel darstellen, warum niemand von der ÖBIB im Aufsichtsrat sein sollte. Es ist aus unserer Sicht nicht zum Wohl des Unternehmens, wenn der zweitgrößte Aktionär nicht vertreten ist.“ Die vertragliche Stimmrechtsbindung gilt nicht, wenn das Wohl des Unternehmens gefährdet ist. Was auch beim Versuch der Sazka, die Aufsichtsräte nur für ein Jahr zu bestellen, der Fall ist.

Für die Sazka, die nun die Beschlüsse anfechten will, ist diese Niederlage der Super-GAU. Sie wollte durch die Besetzung des Aufsichtsrats dokumentieren, dass sie die Casinos Austria AG kontrolliert. Das ist die Voraussetzung, um die Beteiligung voll in der eigenen Bilanz konsolidieren zu können. Und das wiederum brauchen die Tschechen, um eine finanzielle Situation darzustellen, die es ihnen ermöglicht, sich 500 Millionen Euro frisches Kapital über eine Anleihe zu holen. Die Sazka muss die Casinos nun sogar für das erste Quartal 2018 entkonsolidieren. Gegenüber potenziellen Investoren hat sie Erklärungsbedarf – was besonders bitter ist, weil schon diese Woche wichtige Gespräche zur weiteren Finanzierung anstehen.

Auf Drängen der Tschechen wurde schon die Dividende der heimischen Lotterien von 40 auf 70 Millionen erhöht, die der Casinos von 15 auf 30 Millionen Euro.

Breitseite gegen CEO

Schon blühen Spekulationen, ob die Sazka – wenn sie keine Chance sieht, die Kontrolle zu erlangen – aus den Casinos Austria wieder aussteigen könnte. Sie hat die Anteile größtenteils über Kredite finanziert, etwa bei der Erste Bank. Der Wert liegt in der Größenordnung von 300 Millionen Euro. Die Republik würde eine Lösung dafür wohl auf die Beine stellen.

Außerdem schoss sich der Betriebsrat in der Aufsichtsratssitzung vor der HV voll auf den von den Tschechen nominierten Casinos-CEO Alexander Labak ein. Unter anderem wurden ihm 1,4 Millionen Euro Beraterkosten vorgeworfen, etwa für die Meinungsforscherin Helene Karmasin, die Marke „Casinos“ besser positionieren sollte. Schriftlich erklärten die Belegschaftsvertreter den Aufsichtsräten: „Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Eigentum beschädigt wird, dann besteht hier dringender Handlungsbedarf.“


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 25/2018 vom 22.06.2018 entnommen.

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